Schwelle zum Atomkrieg wird gesenkt

Bild: RIA Novosti / Sergey Pyatakov

Sowohl die USA als auch Russland wollen auch auf nicht-nukleare Angriffe etwa mittels Hyperschallwaffen mit Atomwaffen zur Abschreckung reagieren

Es wird gefährlicher. Die drei großen Atommächte arbeiten daran, die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen abzusenken, um die Abschreckung zu erhöhen, was aber gleichzeitig das Risiko erhöht, tatsächlich in einen atomaren Krieg einzutreten.

Die USA wollen ebenso wie Russland oder Großbritannien ihr Atomwaffenarsenal modernisieren. Das Pentagon sieht es als wichtig an, mehr taktische Atomwaffen zur Verfügung zu haben, um auch bei einem nicht-nuklearen Angriff mit Atomwaffen reagieren zu können. Zudem könnten Atomwaffen dafür eingesetzt werden, unterirdische Anlagen besser zerstören zu können.

Gerade drohte auch US-Präsident Donald Trump damit, den INF-Vertrag aufzukündigen, weil ihn Russland verletzt habe. Moskau kontert, dass die USA das Raketenabwehrsystem, mit dem sich auch Raketen mit einer Reichweite über 500 km abfeuern lassen, an der Grenze zu Russland installiert hat. Überhaupt ist das Abkommen, das vorwiegend dem Schutz Europas diente, schwer zu kontrollieren, weil die Reichweite von Kurz- und Mittelstreckenraketen ohne große Eingriffe verändert werden könnten. Das Problem beim Konflikt zwischen der Nato und Russland ist weiterhin, dass Europa bzw. Russland betroffen wären, die USA tangiert dies nicht, abgesehen davon, dass eben Raketenabwehrsysteme in Europa auch atomare Mittelstreckenraketen nach Russland abfeuern könnten.

Vor kurzem hatte der russische Präsident Wladimir Putin ein Arsenal an Wunderwaffen wie eine neue Langstreckenrakete, atomgetriebene Raketen, Unterwasserdrohnen und Laserwaffen vorgestellt, mit denen sich angeblich die amerikanischen Abwehrsysteme überwinden ließen. Besonders hervorgehoben hatte er Hyperschall-Präzisionsraketen. Die USA konterten mit der Anordnung Trumps, möglichst schnell ein Weltraumkommando einzurichten (Pentagon plant nach dem Cyber- auch ein Weltraumkommando).

Bild: MoD Russia

Jetzt schlagen russische Senatoren vor, dass die Streitkräfte auch Atomwaffen einsetzen können sollen, um einen nicht-atomaren Angriff mit strategischen Waffen zu beantworten. Damit soll die nukleare Doktrin flexibler werden, was heißt, die Schwelle zum Einsatz soll heruntergesetzt werden. Das geschieht parallel zur Atomwaffenstrategie der USA (Im Taumel des Wettrüstens) Strategien dieser Art, die veröffentlicht werden, dienen nicht primär der Kontrolle des Waffeneinsatzes, sondern sind vor allem Warnungen des Gegners, bei Angriffen große Risiken einzugehen. Unter nicht-nuklearen strategischen Waffen werden beispielsweise Hyperschallwaffen verstanden, wie sie die USA, Russland und China in einem neuen Wettrüsten entwickeln, weil diese die bislang vorhandenen Abwehrsysteme unwirksam machen.

Russland hat bislang eine Doktrin vertreten, nachdem ein Einsatz von Atomwaffen möglich ist, um auf einen Angriff mit Atomwaffen zu reagieren, also im Sinne des Gleichgewicht des Schreckens. Oder wenn ein Atomschlag notwendig würde, um einen konventionellen Angriff zu verhindern, der die Existenz Russlands als souveränen Staat bedroht. Als Grund für die Flexibilisierung wird "das zunehmende Risiko für bewaffnete Gewalt bzw. einen Krieg größeren Ausmaßes unter Einsatz von konventionellen und nuklearen Waffen bei globalen, regionalen und lokalen Problemen" benannt, wie Sputnik berichtet. (Florian Rötzer)

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