"Schwer krank oder sternhagelvoll?"

Bild: Józef Bąk. Screenshot: TP

Video des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker beim NATO-Gipfel , werfen die Frage auf, ob er nicht schon vor der nächsten EU-Wahl abgelöst werden sollte

Erst erregte der US-Präsident Donald Trump die meiste Aufmerksamkeit beim NATO-Gipfel in Brüssel (vgl. Trump macht NATO-Gipfel zum Bauerntag). Inzwischen ist er nach London weitergereist - und zumindest in Sozialen Medien konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf einen anderen Teilnehmer: Den EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Von ihm sind nämlich inzwischen mehrere Videoaufnahmen während des Dinners im Brüsseler Parc Cinquantenaire aufgetaucht, auf denen unter anderem zu sehen ist, wie er es kaum schafft, ein paar Treppenstufen auf ein Podium hochzusteigen; wie er wankt und von Donald Tusk, dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte und dem Staatspräsidenten der Ukraine beim Aufstellen für die Gruppenfotos dezent mit den Armen hinter seinem Rücken gestützt wird.

Rutte sagte dem flämischen Sender VRT, "soviel er wisse", leide Juncker "seit geraumer Zeit an einem Rückenproblem". Im Juni hatte der EU-Kommissionspräsident dem irischen Parlament nach sichtbaren Schwierigkeiten beim Treppensteigen gesagt, das komme von Problemen mit dem Ischiasnerv, die er seit einem Autounfall habe. Der britischen Boulevardzeitung Sun sagte er darüber hinaus, es wäre ihm lieber, wenn er stattdessen betrunken wäre.

Für diese Erklärung sprechen Fotos, die Juncker zeigen, wie er bereits bei seiner Ankunft in einem Rollstuhl zu einem Hintereingang des Parc Cinquantenaire gefahren wird. Dagegen spricht, dass es ältere Aufnahmen von ihm gibt, in denen er ein eher übermütiges Verhalten an den Tag legt, das sich nur schwer mit einem Rückenleiden, aber leicht mit Trunkenheit erklären lässt. Der britische Komiker John Cleese hatte ihm deshalb bereits vorher den Spitznamen "Jean-Claude Drunker" verpasst.

Darauf spielte gestern unter anderem Michael Klein von ScienceFiles mit dem Wortspiel "Jean-Claude Juncker in good spirits" an. Andere Social-Media-Nutzer räumten Juncker zwar ein "benefit of the doubt" ein, kamen bezüglich seiner Amtseignung aber nicht zu einer wesentlich anderen Schlussfolgerung: Arta Xerxessa twitterte beispielsweise:

Ich kenne den Grund nicht für seinen erbarmungswürdigen Zustand. Aber was immer diesen verursacht hat: Der wackelige Herr Juncker scheint mir doch die gegenwärtige Verfassung der EU seltsam passend zu personifizieren.

Deutlicher wurde Twitter-User Pierre, der meinte:

Der Zustand und das bereits ramponierte Image der EU wird durch die Personalie Juncker massiv beschädigt. Ich vermute, entweder ist Herr Juncker schwer krank, oder sternhagelvoll. Egal: Dieser Mann darf nicht weitermachen, alleine aus gesundheitlichen Gründen.

Thomas Lippert fragte (bislang ohne fachkundige Antwort) deshalb: "Kann ein EU-Kommissionspräsident für (vorübergehend) dienstunfähig erklärt werden?" Viele andere Nutzer fragten sich außerdem, warum Junckers Zustand zwar für die öffentlich-rechtlichen Nachrichten in den Niederlanden ein Thema ist, aber nicht für die deutschen.

Die deutschen ÖRTV-Sender berichteten stattdessen über Angela Merkel, die auf den bekannten Rechtsanwalt und Social-Media-Kommentator Joachim Steinhöfel ebenfalls einen "angeschlagenen" Eindruck machte. Steinhöfel sieht die Ursache dafür in einem "Einlauf aus Übersee".

Eine andere mögliche Ursache dafür könnte man in Innsbruck suchen, wo sich die Innenminister der EU-Länder zu Verhandlungen über die Migrationspolitik trafen. Dabei gab es dem freiheitlichen österreichischen Innenminister Herbert Kickl zufolge "einen sehr breiten Konsens, den Fokus auf den Grenzschutz zu legen". Kickl, der italienische Innenminister Matteo Salvini und der deutsche Bundesinnenminister Horst Seehofer kündigten in diesem Zusammenhang eine " Kooperation der Tätigen" an. (Peter Mühlbauer)

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