Schwerer militärischer Konflikt zwischen Israel und Syrien

Israelische Kampfflugzeuge bei einer Übung. Bild: IDF

Russland schaltet sich ein, während das US-Militär beschuldigt wird, eine Moschee bei Aleppo bombardiert zu haben

Die Lage in Syrien spitzt sich zu. Während die USA beschuldigt werden, eine Moschee bei Aleppo bombardiert zu haben, flogen israelische Kampfflugzeuge Angriffe auf Ziele in der Nähe von Palmyra. Syrische Truppen erwiderten mit Flugabwehrraketen und wollen ein israelisches Flugzeug abgeschossen haben.

Das Pentagon streitet ab, die Moschee in al-Jina bei Aleppo am Donnerstag bombardiert zu haben. Zuerst wurde Russland und das syrische Regime für die Angriffe verantwortlich gemacht. Das Dorf ist in der Hand von "Rebellen", u.a. die mit diesen kooperierenden Weißen Helme bezichtigen nun die USA des Angriffs. Über 40 Menschen, manche sprechen von mehr als 70, seien getötet worden, in der Moschee, die völlig zerstört wurde, hätten sich 300 Menschen aufgehalten.

Das Pentagon erklärt wie üblich, man werde die Vorwürfe überprüfen, habe aber ein al-Qaida-Treffen angegriffen und nicht die Moschee. Es wurde auch eine Aufnahme vom zerstörten Ziel Veröffentlicht. Zuvor war nur die Rede von einem Angriff auf ein Dorf in der Provinz Idlib, bis schließlich der Angriff auf al-Jina eingeräumt wurde. Auf Fotografien hatten auch unabhängige Beobachter Raketenteile Hellfire-Raketen zugeordnet, die etwa von US-Drohnen verwendet werden. Auch Bellingcat geht von einer amerikanischen Bombardierung aus.

Vom Pentagon veröffentlichtes Bild des getroffenen Ziels.

Nach syrischen Angaben sind am Freitagvormittag vier israelische Kampfflugzeuge in den syrischen Luftraum eingedrungen und hätten ein militärisches Ziel bei al-Breij in der Nähe von Palmyra angegriffen. Die syrische Armee habe daraufhin ein Flugzeug abgeschossen und ein anderes beschädigt. Zudem hieß es aus Damasku wie üblich, Israel wolle den Terroristen helfen.

Die israelischen Streitkräfte bestätigen, Angriffe in Syrien auf verschiedene Ziele ausgeführt zu haben, streiten aber ab, dass ein Flugzeug getroffen worden sei. Zu keinem Zeitpunkt sei ein israelisches Flugzeug in Gefahr gewesen, heißt es. Allerdings wurde eingeräumt, dass auf die Flugzeuge mit Boden-Luft-Raketen gefeuert worden war. Eine der Raketen sei von einem israelischen Flugabwehrsystem nördlich von Jerusalem abgeschossen worden, die anderen zwei landeten in Israel, ohne weiteren Schaden anzurichten.

Es soll sich um ein Arrow-Raketenabwehrsystem (Raketenabwehr und Riesendrohne) gehandelt haben. Israelische Medien spötteln, damit hätte es das erste Mal mit einer teuren Abfangrakete eine veraltete Rakete - wenn auch erfolgreich - abgeschossen. Das System war eigentlich gedacht gegen ballistische Raketen wie Scud-Raketen. In dem Fall handelte es sich aber vermutlich um ältere russische SA-5-Boden-Luft-Raketen, die für die Luftwaffe tatsächlich keine Gefahr darstellen würden, aber auch auf dem Boden keinen großen Schaden anrichten können, die Frage sei daher nur, warum gegen diese Arrow eingesetzt worden war. Entweder könnten die Raketen auf bewohnte Gebiete gerichtet gewesen sein und nicht gegen Flugzeuge, wird vermutet, oder das Arrow-System sei irrtümlich aktiviert worden, weil die Raketen nicht richtig identifiziert wurden. Der Vorfall erinnert an eine Geschichte, die kürzlich ein US-General erzählte (Mit Patriot-Kanonen auf Drohnen-Spatzen schießen).

Russland, der Alliierte Syriens, nimmt die Angriffe ernst, wobei die Frage ist, ob die syrischen Raketenabschüsse abgesprochen waren. In Moskau wurde der israelische Botschafter ins Außenministerium einbestellt, um den Vorfall zu klären. Zwar hat Syrien das veraltete s-200-Flugabwehrsystem eingesetzt, Russland aber hat das neuere S-300- und auch das leistungsstarke S-400-System in Syrien stationiert, das der israelischen Luftwaffe gefährlich werden kann.

Israel erklärte, der Angriff habe sich wie andere zuvor gegen einen Konvoi gerichtet, der Waffen an die Hisbollah liefern wollte. Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu, der sich ansonsten nicht schlecht mit Moskau und Putin versteht und mit Putin eine koordinierte Politik in Syrien abgesprochen haben soll, erklärte, die israelische Politik sei sehr konsistent. Wenn Waffen an die Hisbollah geliefert werden, versuche man, dies zu verhindern. Das habe man immer schon so gemacht.

Solange die USA und Russland zu keiner gemeinsamen Politik finden oder sich zumindest über das Vorgehen in Syrien besser verständigen, bleibt Syrien ein Pulverfass. Es mischen zu viele Staaten und Parteien mit unterschiedlichen Interessen mit. Eine erste Annäherung zwischen Russland und den USA hat es in Manbij gegeben, da beide Staaten die syrischen Kurden der SDF durch militärische Präsenz vor etwaigen Angriffen der türkischen Armee und deren Milizen schützten. Allerdings handelt die Türkei, ein Partner sowohl der USA als auch Russlands, sehr riskant und sieht nur auf die eigenen nationalistischen Interessen, sich als Regionalmacht durchzusetzen, was eine Gemeinsamkeit der Großmächte erleichtert haben dürfte. (Florian Rötzer)

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