Seit 14 Monaten Rekordtemperaturen

Jahr 2016 auf Rekordkurs. Bild: WMO

Die Energie- und Klimawochenschau: Der Klimafahrplan der EU, Subventionen für fossile Brennstoffe in Deutschland und Großbritannien und das schwindende Speicherpotential von Wäldern

54 Grad Celsius sollen am vergangenen Donnerstag in Mitribah in Kuwait gemessen worden sein, 53,4 Grad im irakischen Basrah, so berichten Jeff Masters und Christopher C. Burt auf dem Blog Weatherunderground.com.

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Damit hätte Mitribah die höchste Temperatur erreicht, die jemals außerhalb des Death Valley gemessen wurde. Die vorherigen Rekorde fallen ebenfalls in dieses Jahrzehnt und auf Asien: 53.6°C in Sulaibya, Kuwait im Jahr 2011, und 53.5°C in Mohenjodaro, Pakistan im Jahr 2010. Eine aus Israel im Jahr 1942 gemeldete Rekordtemperatur von 54 Grad Celsius bleibt hingegen strittig.

Auch global gesehen befindet sich das Jahr 2016 - wie auch die vergangenen Jahre - auf dem Rekordpfad. Die in der ersten Jahreshälfte gemessenen Temperaturen deuten der World Meteorological Organization zufolge darauf hin, dass es im laufenden Jahr zu einem neuen globalen Temperaturrekord kommen wird.

Die Durchschnittstemperatur der vergangenen sechs Monate war 1,3 Grad höher als in vorindustrieller Zeit. In den letzten Monaten und Jahren erfolgt der Temperaturanstieg dabei stetig. "Der Juni 2016 war der 14. aufeinander folgende Monat mit Rekordtemperaturen für Land und Ozeane. Es war der 378. aufeinander folgende Monat mit Temperaturen oberhalb des Durchschnitts des 20. Jahrhunderts. Die Durchschnittstemperatur des 20. Jahrhunderts wurde zum letzten Mal im Dezember 1984 unterschritten", schreibt die WMO. Auch die CO2-Konzentration in der Atmosphäre schnellte in die Höhe. Sie lag im ganzen ersten Halbjahr über 400 ppm und erreichte im Juni überraschend 407 ppm, das sind 4 ppm mehr als im Juni 2015.

Klimaanomalien im Juni 2016. Bild: WMO

Aus dem sehr deutlichen Erwärmungstrend folgt nicht, dass sich die Regierungen in Sachen Klimaschutz schneller bewegen. Am vergangenen Mittwoch hat die Europäische Kommission ihre Ziele zur Emissionsreduktion vorgelegt, einschließlich der Einsparziele für die einzelnen Mitgliedsstaaten. Insgesamt bleibt es bei der bereits im Oktober 2014 beschlossenen Emissionsreduktion um 40% bis zum Jahr 2030. Das in der Zwischenzeit erzielte Klimaabkommen von Paris wurde nicht zum Anlass genommen, um beim Reduktionsziel noch einmal nachzubessern.

"Das EU-Klimaziel von 40 Prozent weniger CO2 im Vergleich zu 1990 basiert auf einer akzeptierten Erderwärmung von über zwei Grad Celsius. Das Pariser Klimaschutzabkommen hat eine maximal akzeptable Erderwärmung von unter zwei und wenn möglich unter 1,5 Grad vereinbart. Die EU muss endlich ihr schwaches Klimaziel nachbessern und die dann notwendigen nationalen Klimaziele auf die Mitgliedstaaten aufteilen. Bleibt die Kommission bei ihren jetzigen Plänen, dann unterläuft sie das Paris-Abkommen zum globalen Klimaschutz", kritisierte beispielsweise der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger.

Laut EU-Kommission reichen die bisher angewendeten Maßnahmen nicht aus, um das Ziel für 2030 zu erreichen. "Daher sind nationale Reduktionsziele erforderlich, die den Anreiz für weitere Maßnahmen bieten, die zu noch weitreichenderen Verringerungen führen. (...) Die Reduzierungen im Rahmen dieser Verordnung fördern Verbesserungen insbesondere in den Bereichen Gebäude, Landwirtschaft, Abfallwirtschaft und Verkehr."

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Deutschland müsste seine Emissionen gemäß dem Verteilungsplan um 38 Prozent reduzieren und steht damit an fünfter Stelle hinter Luxemburg, Schweden, Dänemark und Finnland. Die geringsten Vorgaben hätten Rumänien mit minus 2 Prozent und Bulgarien mit 0 Prozent. Widerspruch ist aus dem zum großen Teil von Kohle abhängigen Polen zu erwarten, dem ein Sparziel von minus 7 Prozent auferlegt werden soll. In der Berechnung enthalten ist noch das Vereinte Königreich mit einem Einsparziel von 37 Prozent. Durch den Brexit könnte daher eine Neuberechnung für die verbleibenden Mitgliedsstaaten erforderlich werden.

Wie das Portal klimaretter berichtet, gefährdet der Brexit aber auch das ohnehin schon sehr schwache Instrument des Europäischen Emissionshandels. Seit dem Austrittsvotum der Briten ist der Preis für die Emissionsrechte um 17 Prozent gefallen und liegt nun nur noch bei 4,78 Euro pro Tonne. Sollte Großbritannien aus dem Emissionshandelssystem austreten, könnten massenhaft Zertifikate auf den Markt geschleudert werden und der Preis damit noch weiter verfallen.

Nicht nur der Klimafahrplan der EU ist kritikwürdig, sondern auch die Klimapolitik von Deutschland und Großbritannien. Das befindet die UN-Klimabeauftragte Mary Robinson. Gegenüber der britischen Zeitung The Guardian sprach sie sich gegen Subventionen für fossile Brennstoffe in Deutschland und Großbritannien aus.

Land- und Wassertemperaturen Januar-Juni 2016 im Vergleich zu Durchschnitt 1981-2010. Bild: NOAA

Die Kritik an der deutschen Politik betrifft insbesondere die Kraftwerksreserve. Deutschland hätte versprochen, Kohlesubventionen bis 2018 abzubauen. Stattdessen würden die Energiekonzerne für das Bereithalten der Kraftwerksreserve neue Zahlungen für umweltschädliche Energieträger wie Diesel oder Kohle erhalten. An der britischen Politik bemängelte Robinson: "Sie (die britische Regierung) haben 2015 neue Steuererleichterungen für Öl und Gas eingeführt, die die britischen Steuerzahler in den Jahren 2015 bis 2020 Milliarden kosten werden. Gleichzeitig wurde die Förderung für Erneuerbare und Energieeffizienz gekürzt."

Premierministerin Theresa May hat gerade erst das Energie- und Klimawandelministerium abgeschafft und das Thema Energie wieder dem Wirtschaftsministerium zugeschlagen.

In Deutschland führt das Überangebot an Strom ja zuweilen zu negativen Strompreisen an der Börse. Nach Berechnungen von Agora Energiewende wird die EEG-Umlage aufgrund der niedrigen Börsenstrompreise im Jahr 2017 voraussichtlich von jetzt 6,35 Cent pro Kilowattstunde auf 7,1 bis 7,3 Cent steigen.

Für Stromkunden würde sich in der Summe wenig ändern: "Die Kosten für die Stromverbraucher bleiben weitgehend konstant, wenn die Stromvertriebe ehrlich rechnen und ihre gesunkenen Einkaufspreise weitergeben", sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. "Gleichzeitig erhalten die Verbraucher für ihr Geld mehr grünen Strom. Wir rechnen damit, dass der Anteil Erneuerbarer Energien im Jahr 2017 auf mehr als 35 Prozent steigt, in diesem Jahr werden es vermutlich gut 34 Prozent sein."

Die Rede dürfte hier in erster Linie von privaten Stromkunden sein. Für das Jahr 2016 wurden über 2.100 Anträge auf Begrenzung der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) genehmigt. Die Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen hat mit zwei Kleinen Anfragen genauer nachgehakt, die zweite betraf die entlasteten Branchen. Die Summe aller Entlastungen belief sich 2015 auf 4,8 Milliarden Euro, an erster Stelle stand dabei die Chemische Industrie. Weitere begünstigte Branchen waren die Metall-, die Baustoff- und die Papierindustrie.

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