Separatisten wollen Mariupol einnehmen

Bei Raketenbeschuss wurden zwei Dutzend Menschen getötet und mehr als 90 verletzt, auch in anderen Gebieten rücken die Separatisten vor

Die Separatisten haben seit August letzten Jahres, also noch vor dem ausgehandelten Waffenstillstand, der erst einmal eine zunehmende Schwäche der ukrainischen Streitkräfte verdeckte (Panikstimmung in Kiew), immer einmal wieder klargemacht, dass sie das Gebiet der beiden "Volksrepubliken" nicht mehr in die Ukraine integrieren wollen, aber auch, dass sie Anspruch auf ein größeres Territorium erheben. So wurden etwa die Städte Kramatorsk und Slawjansk sowie die Hafenstadt Mariupol als zugehörig zu den "Volksrepubliken" genannt.

Mariupol ist deswegen für die Separatisten - und damit auch für Moskau - wichtig, weil mit der Kontrolle der Hafenstadt mit fast einer halben Million Bewohnern auch ein Landweg von Russland aus bis zur Krim vorhanden wäre. Bislang ist die von Russland in die Föderation übernommene Halbinsel nur über den Seeweg erreichbar, was große Probleme verursacht.

Zu dem Raketenbeschuss auf Mariupol bekannten sich die Separatisten nicht direkt (wie hier zunächst stand), sie bestritten dies auch. Aber Alexander Sachartschenko, der "Präsident" der "Volksrepublik Donezk" (DRP) erklärte heute Nachmittag, die Kämpfer seien bis an den Stadtrand vorgerückt und würden die Stadt abriegeln. Der sicher schon lange geplante Angriff wird als Racheaktion für den Anschlag auf eine Bushaltestelle in Donezk ausgegeben: "Wir haben eine Offensive gegen Mariupol gestartet: Ein paar Tage später schließen wir den Debaltseve-Ring, um die Opfer zu rächen, die in Donezk und Gorlovka gestorben sind", so Sachartschenko, der bei einer Zeremonie Blumen an der Bushaltestelle niederlegte.

Zuvor gab es Meldungen, dass sich die ukrainische Streitkräfte, vor allem die Azow-Miliz, zurückziehen würden. Nach dem ukrainischen Verteidigungsministerium sei der Raketenbeschuss vom Dorf Sahanka aus erfolgt, man habe 4 der 6 Grad-Raketenwerfer zerstört. Die meisten der Getöteten und Verletzten seien Zivilisten. Nach der offensichtlich weitgehenden Eroberung des Flughafens von Donezk soll nun auch die Frontlinie begradigt werden soll. Die Einnahme der seit langem umkämpften Stadt Debaltseve würde dies ermöglichen.

Der Vorsitzende des Nationalen Verteidigungs- und Sicherheitsrats Turtschinow machte direkt Putin für das "barbarische Bomardement" verantwortlich: "Heute wurde ein weiteres blutiges Verbrechen vom russischen Militär und den von ihm völlig kontrollierten Terroristengangs begangen. Es war eine direkte Umsetzung der Aufgaben, die Putin gestern beim Treffen des Sicherheitsrats vorgegeben hat. Es ist Putins persönliche Verantwortung für Tod, Blut und Leid der Ukrainer." Mariupol werde aber vor Angriffen geschützt, der Feind werde die notwendige Antwort für die Verbrechen erhalten. Regierungschef Jazenjuk berief den Sicherheitsrat ein. Er sprach von einem gezielten Angriff auf Zivilisten.

ukraine.htm

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