Neue bunte Revolution in Planung?

Allerdings sorgt Aleksandar Vucic mit widersprüchlichem Verhalten für Verwirrung. Auch Serbien verfolgt erklärtermaßen das Ziel der EU-Mitgliedschaft. Mitte Juli 2017 hat der serbische Präsident in einem Beitrag für das Boulevardblatt "Blic" sogar ein mögliches Umdenken Serbiens in der Kosovo-Frage angedeutet, das als größtes Hindernis auf Serbiens Weg in die EU gilt. "Es ist die Zeit gekommen, dass wir als Volk damit aufhören, wie ein Strauß den Kopf in den Sand zu stecken, dass wir versuchen, realistisch zu sein", sagte er und riet seinem Volk, "nicht länger darauf zu warten, dass ihm in die Hände falle, was es längst verloren habe". Manche Kommentatoren sehen in der aktuellen Diplomaten-Affäre aber auch einen Versuch Serbiens, von eigenen Geheimdienstaktivitäten in Mazedonien abzulenken. So hatten TV-Kameras beim gewaltsamen Parlamentssturm am 27. April 2017, bei dem Noch-Oppositionsführer Zoran Zaev der Kopf blutig geschlagen wurde, den serbischen Geheimdienstoffizier Goran Zivaljevic eingefangen.

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Zivaljevic sei mit Erlaubnis des "höchsten Repräsentanten der mazedonischen Exekutive" im Parlament gewesen, behauptete daraufhin Vucic, Die ihm politisch nahestehenden mazedonischen Nationalisten von der VMRO-DPMNE haben diese Behauptung inzwischen aber bestritten. Weder das mazedonische Außenministerium, noch die Regierung oder das Parlament, noch das Innenministerium oder der Geheimdienst habe ihm, "eine solche Erlaubnis oder Genehmigung erteilt", erklärten sie. Manche serbische Medien rezipieren in ihrer Interpretation der Diplomaten-Affäre die Darstellung mazedonischer Ultranationalisten, die die Regierung Zaev als Erfüllungsgehilfen der USA denunzieren. Das Radio B92 und die Tageszeitung Politika zitierten das mazedonische Online-Portal Minareport, in dem die Autorin Marija Nikolovska ihre konspirative Theorie entwickelte, als "Deep State" bekannte Strukturen in der USA nutzten die Person des US-amerikanischen Botschafters Jess Baily in Skopje, um "eine neue bunte Revolution auslösen", diesmal in Serbien.

Baily habe seinen "lokalen Vassallen Zoran Zaev" aufgefordert, den mazedonischen Geheimdienst DBK dazu zu bringen, nicht nur serbische Diplomaten, sondern Präsident Vucic abzuhören, schreibt Nikolovska und behauptet: "Jess Baily von der CIA verwendet ein identisches Szenario, wie es schon zum Sturz der VMRO-DPMNE angewandt worden ist, nur ist das Ziel jetzt Serbien. Der CIA ist der Sturz Mazedoniens nicht genug. Auch Serbien muss fallen, um die Eigentümerschaft der USA über den Balkan zu vervollständigen." (Frank Stier)

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