Sicherheit und Kriminalität im Spreebogen

Atomschutzbunker

Als die Bundesregierung noch ihren Hauptsitz in Bonn hatte, verfügte sie über einen atomaren Kriegbunker in Dernau, den so genannten Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes mit dem Tarnnamen Dienststelle Marienthal. Teile des Bunkers dienen heute als Museum und – soweit bekannt – hat die Bundesregierung mit ihrem Umzug nach Berlin keinen neuen governamentalen Atomgefechtsstand errichtet. Zwar hatte es während der Weimarer Republik Pläne gegeben, das Reichstagsgebäude mit einem Luftschutzraum nachzurüsten, jedoch wurden diese Überlegungen mit dem Reichstagsbrand obsolet.

Sollte sich im Parlaments- und Regierungsviertel ein Gefahrgutunfall ereignen oder jemand einen ABC-Anschlag verüben, stünde die Bundesregierung weitgehend schutzlos dar. Daher fragen gelegentlich Bundestagsabgeordnete nach ihrem nächsten Atombunker. Ihnen kann geholfen werden! Schließlich hat die Fahrbereitschaft des Bundestages RocVin ihren Abstellplatz in einem Obergeschoß des Parkhauses am Excelsiorhochhaus in der Stresemannstraße 74. Rein zufällig befindet sich im Untergeschoß desselben Parkhauses der Zugang zu einem Atombunker. Es handelt sich um einen von insgesamt 23 Bunkern, die eigentlich für die Berliner Zivilbevölkerung vorgesehen sind, aber dazu gehören heute gewissermaßen auch die Neuberliner aus dem Regierungsviertel.

Zur technischen Bunkerausstattung hieß es im Neuen Deutschland:

Ein paar hundert Meter weiter, ebenfalls in der Stresemannstraße, ist eine Notunterkunft in Großformat zu besichtigen, erbaut in den 1970er Jahren. Hinter dem Excelsiorhaus ist eine so genannte Mehrzweckanlage für 3100 Personen verborgen. Oberirdisch ein Betonkasten, ist hier die Versorgung untergebracht: Not-Sanitätsräume, nicht für Operationen geeignet, eine Suppenküche mit zwei 150-Liter-Töpfen, 40 Toiletten und Waschbecken. Wasser kann aus einer 60 Meter unter der Erde liegenden Brunnenanlage gepumpt werden. Das Notstromaggregat wird mit Diesel betrieben, 50 Liter laufen pro Stunde durch. Tanks für 27 000 Liter stehen bereit. (...) Ist das Parkdeck leer, sollen hier innerhalb von zwölf Stunden 3100 Menschen Schutz finden, 14 Tage lang.

Die Anlage ist im Prinzip einsatzbereit. Lediglich die Lebensmittelvorräte fehlen noch. Die holt man sich im Bedarfsfall ganz schnöde beim Aldi-Discounter im Erdgeschoß des Excelsiorhauses. Die Bundestagsabgeordneten brauchen nur vom Reichstag die Friedrich-Ebert-Straße bis zum Potsdamer Platz herunterzufahren und dann in die Stresemannstraße abbiegen. Bei günstiger Ampelschaltung sind sie innerhalb von 5 oder 6 Minuten am Bunker.