"Sie ist eine Lügnerin, man kann ihr nicht vertrauen"

Screenshot aus dem Video

Ein bissiger Song gegen Theresa May ist in Großbritannien in die Charts vorgedrungen, BBC will ihn nicht spielen

Die Chancen der Konservativen in Großbritannien sinken, eine absolute Mehrheit bei den Wahlen erreichen zu können. In Umfragen näher sich Labour und die Konservativen einander wieder an. Theresa May, die sich vor einer Fernsehdiskussion mit den anderen Kandidaten gedrückt hatte, zu der Labour-Chef Jeremy Corbyn noch schnell und für May überraschend hinzugestoßen ist, dürfte ihre Chancen nicht vergrößert haben.

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Nun wird May, die den Brexit angeblich hart durchsetzen will, auch noch von einem Song bedrängt, der in kurzer Zeit auf die Charts gesprungen ist und am Freitag bereits auf vierter Stelle lag, obgleich er erst eine Woche zuvor in der Nähe der BBC aufgeführt und veröffentlicht wurde. Bei den iTunes-Charts liegt er auf Platz 2, am Dienstag war er der am meisten heruntergeladene Song. Der bissige, durchaus hörens- und sehenswerte Song mit einem gelungenen Video und unterbrochen von Ausschnitten aus Reden von May stammt von der Band Captain Ska und war von der linken Organisation People's Assembly Against Austerity, die, wie der Name sagt, gegen die Sparpolitik antritt, in Auftrag gegeben worden. Man würde sich wünschen, dass eine solche muntere Einmischung in den Wahlkampf auch in Deutschland erfolgt.

Man könnte dem Song üble Nachrede vorwerfen, denn er wirft Theresa May vor, Lügen zu verbreiten, was allerdings auch begründet wird. Auf reproduzierte Äußerungen von May kommt der Refrain: "She's a liar, liar... you can't trust her, no no no no." Der Erfolg zeige, schreibt die Band, dass die "Menschen mit dieser Regierung der Reichen und für die Reichen den Kragen voll haben". Die Botschaft sei, dass sich die Gesellschaft verändern lasse, wenn die Menschen zusammen kämpfen.

Der Erfolg dürfte sich auch dem Verhalten der BBC verdanken. Dort wird der Song zwar in den Charts aufgeführt und auch besprochen, spielen will man ihn aber nicht. BBC Radio 1 weist zurück, dass es sich um Zensur oder ein Verbot handle, man verbiete weder Songs noch Musiker, aber man sei zur Neutralität gerade während des Wahlkampfs verpflichtet.

(Florian Rötzer)

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