Sinai: Ägyptisches Militär meldet 47 tote Islamisten und 158 Festnahmen

Satellitenfoto der Halbinsel Sinai. Bild: NASA

Angeblich 29 Verstecke und 385 Sprengsätze zerstört

Der ägyptische Militärsprecher Tamer al-Rifai hat diese Woche die Zerstörung von 29 Terroristenverstecken im Norden und im Zentrum der der Sinai-Halbinsel bekannt gegeben. Al-Rifai zufolge wurden dabei 385 Sprengsätze zerstört. Außer 47 bewaffneten Islamisten seien bei den Einsätzen auch fünf Soldaten ums Leben gekommen, unter ihnen zwei Offiziere. Vier weitere Armeeangehörige wurden verwundet. Die Zahl der Festgenommenen bezifferte der Armeesprecher mit 158.

Weitere offizielle Informationen dazu gibt es bislang nicht. Das liegt auch daran, dass große Teile des Sinai aus Sicherheitsgründen nicht nur für Touristen, sondern auch für Journalisten nicht zugänglich sind. 2014 schloss sich dort nämlich die Terrorgruppe Ansar Bait al-Maqdis dem Islamischen Staat an (vgl. IS: Erst Sinai, dann Gaza? und Sinai: Das nächste Talibanistan?). Dessen Propagandaagentur AMAQ bestätigte die ägyptischen Meldungen bislang nicht, sondern sprach lediglich von einem getöteten "Spion der Armee" auf der Halbinsel.

Zahlreiche Terroranschläge seit 2014

Die letzte Terrormeldung davor war am 9. April ein Selbstmordanschlag in Sheikh Zuweid, bei dem acht Menschen ums Leben kamen und weitere 26 verletzt wurden. Knapp ein Jahr früher hatte ein Dschihadistenkommando bei einem Angriff auf eine Kaserne im Gouvernement Nordsinai 30 Soldaten getötet und 40 verletzt.

2017 starben auf der Halbinsel bei insgesamt sieben Anschlägen sogar weit mehr als 400 Menschen. Der mit Abstand schwerste dieser Anschläge wurde im November auf die al-Rawda-Moschee in Bir al-Abd verübt (vgl. Ägypten: Über 200 Tote bei einem Anschlag auf eine Moschee im Sinai). 2015 war es Terroristen sogar gelungen, eine russischen Passagiermaschine in die Luft zu jagen und dabei auf einem Schlag 224 Menschen umzubringen (vgl. Russische Passagiermaschine auf der Sinai-Halbinsel abgestürzt).

Bevor sich Ansar Bait al-Maqdis dem IS anschloss, hatten es die Dschihadisten vor allem auf Polizisten und Soldaten abgesehen. 2013 töteten sie bei einem Angriff mit Panzerfäusten auf einen Mannschaftstransporter in Rafah, einer Grenzstadt zum Gazastreifen, 25 Polizisten, bei einer Attacke in Scharm El-Scheich zwölf und in Ismailia am Suez-Kanal sechs.

2012 starben bei einem Überfall auf eine Kaserne 16 Soldaten. Die Fahrzeuge, die die Dschihadisten dabei erbeuteten, konnten erst israelische Grenzschützer in Kerem Shalom stoppen. Im Jahr davor waren bei einem Attentat auf eine Polizeiwache in El-Arish sechs Menschen ums Leben gekommen. All das trug dazu bei, dass sich ägyptische Soldaten und Polizisten nur sehr ungern in das Gebiet versetzen lassen, das sie als "unser Vietnam" fürchten.

Seit biblischen Zeiten Verteidigungsgrenze

Anders als in Syrien und im Irak scheint es im Sinai keinen bedeutenden Anteil an Dschihadisten aus Europa und anderen entfernteren Weltgegenden zu geben. Dafür besteht ein enger Bezug zu 20 Beduinenstämmen, die auf der Halbinsel (anders als in den großen Städten am Nil) eine wichtige Rolle spielen. Das hat auch damit zu tun, dass es auf den von etwa 1,3 Millionen Menschen bewohnten 61.000 Quadratkilometern nur sehr wenig Wasser gibt.

Deshalb war die Gegend bereits zu biblischen Zeiten ein Durchzugsgebiet, auf dem sich die Ägypter vor Nomaden und anderen Angreifern zu verteidigen versuchten. Das zeigt aktuell auch eine fast gleichzeitig mit Tamer al-Rifais Meldung bekannt gegebene Entdeckung in Tell El-Kadwa, wo Archäologen Türme und Mauern einer Festung ausgraben.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Anlage Teil eines antiken Verteidigungsnetzwerks war, mit dem Angreifer schnell entdeckt und im Idealfall auch aufgehalten und unschädlich gemacht werden konnten, bevor sie zum Nil vorstießen. Zerstört wurde die Festung den bisherigen Erkenntnissen nach bei einer persischen Invasion im Jahre 525 vor Christus. (Peter Mühlbauer)