Sind Kampfflugzeuge im Drohnen-Zeitalter noch sinnvoll - oder bloß teure Prestigeobjekte?

Elon Musk und John Thompson bei einem früheren Zusammentreffen. Foto: Senior Airman Christian Conrad/U.S. Air Force

Elon Musk wünscht der F-35 von Lockheed Martin einen disruptiven Wettbewerber

Elon Musk wurde mit Unternehmen wie PayPal und SpaceX für so genannte "disruptive Technologien" bekannt, die Märkte mit Produkten aufmischten, welche sich durch technologische Neuerungen deutlich vom bis dahin bestehenden Angebot unterschieden.

Mit PayPal ermöglichte er das Bezahlen und Empfangen von Geld via E-Mail, mit SpaceX widerlegte er die bis dahin gängige Vorstellung, dass die Raumfahrt nur mit Einwegfahrzeugen funktioniert. Auf dem Air Warfare Symposium in Orlando verglich er die Fortschritte, die er sich davon erwartet, am Freitag mit dem Bau der Eisenbahnen im 19. Jahrhundert, die es den damaligen Amerikanern erlaubte, an die damalige Frontier vorzustoßen, ohne sich dem Risiko auszusetzen, Mitreisende essen zu müssen.

Schlagzeilen machte der gebürtige Südafrikaner danach jedoch nicht mit diesem Verweis auf die anthropophagen Nischen der amerikanischen Geschichte, sondern mit seiner Antwort auf eine Frage, die möglicherweise ehrlicher war als sie sein Gesprächspartner John Thompson und das vor allem aus Angehörigen der Air Force und der mit ihr verbundenen Wirtschaft bestehende Publikum erwartet hatten: Als ihn der Generalleutnant fragte, ob Musk denn innovative Ideen für die Zukunft des Luftkamps habe, meinte der auf 22,3 Milliarden US-Dollar geschätzte etwa vierzigreichste Mann der Welt, die "Ära der Kampfjets" sei "vorbei" und die Zukunft gehöre autonomen Drohnen.

Musk: Keine wünschenswerte, aber eine zwangsläufige Entwicklung

Für den Investor, der künstliche Intelligenz als die "größte existenzielle Bedrohung" der Menschheit fürchtet, ist das zwar keine wünschenswerte, aber eine zwangsläufige Entwicklung. Damit könnte er nicht nur berufsstolze Piloten beunruhigt haben, die teilweise mit Gelächter oder Missfallenskundgebungen reagierten, sondern auch Vertreter von Lockheed Martin.

Später zeigte sich Musk zudem der Meinung, dass das F-35-Kampfflugzeug, das Lockheed Martin für 1,196 Billionen [sic] Dollar Steuergeld entwickelt, verkauft und wartet, gegen Konkurrenz in Form einer Abfangjägerdrohne "keine Chance" hätte. Letztere könne nämlich nicht nur potenziell schneller reagieren als jeder Pilot, sondern auch Beschleunigungskräften ausgesetzt werden, die kein menschlicher Körper verkraftet. Da man bei der Konstruktion und beim Bau darauf und auf andere menschliche Schwächen keine Rücksicht nehmen muss, lässt sich potenziell viel Geld sparen: Alleine ein einzelner maßgefertigter Helm für einen F-35 Piloten kostet rund eine dreiviertel Million Dollar.

Dafür lassen sich mit ihm auch die Augen zum Steuern von Waffensystemen einsetzen. Vorausgesetzt, die Software funktioniert (vgl. Kampfjet F-35 hat nur noch 873 Software-Bugs).

Space Force soll sich an Starfleet aus Star Trek orientieren

Beim Lockheed-Konkurrenten Northrop Grumman geht man der Frage nach der Zukunft der Militärfliegerei dadurch aus dem Weg, dass man den neuen B-21 Raider-Langstreckenbomber gleich in zwei Versionen konzipiert: Als Maschine mit Piloten und als Drohne.

Einen wieder anderen Weg wollen die Verteidigungspolitiker in Frankreich, Deutschland und Spanien einschlagen: In ihrem FCAS-Luftverteidigungssystem soll ein neues Kampfflugzeug von einem Drohnenschwarm begleitet und von Satelliten unterstützt werden (vgl. Deutsch-französisch-spanisches "Luftkampfsystem der Zukunft"). Vertreter der Bundeswehr sagten der Tageszeitung Die Welt dazu, man möchte sich nicht zu abhängig von störbaren Datenverbindungen machen und wolle, dass "nach wie vor […] der Mensch letztlich über den Waffeneinsatz entscheide[t]" (vgl. Autonome Systeme: "Technisches Roulette" im Wettrüsten).

Eine andere Forderung, die Musk auf dem Air Warfare Symposium vorbrachte, wurde weniger kontrovers aufgenommen: Die von Donald Trump ins Leben gerufene Space Force sollte sich seiner Meinung nach an der Starfleet aus der Serie Star Trek orientieren - und neue Uniformen bekommen. Die am 18. Januar vorgestellten Space-Force-Uniformen hatten in sozialen und anderen Medien für Spott gesorgt, weil sich Beobachter fragten, welchen Zweck wohl deren grün-braune Flecktarnfärbung im Weltraum hat (vgl. Das neue US-Weltraumkommando und seine Uniform). (Peter Mühlbauer)