Sind wir doch allein?

Während die einen angesichts der vielen entdeckten Exoplaneten optimistisch sind, erklärt ein bekannter US-Astrophysiker, dass wir voraussichtlich alleine bleiben werden

Die Royal Society hatte sich im letzten Jahr auf einer Tagung anlässlich des 350jährigen Bestehens damit beschäftigt, welche wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen eine Entdeckung extraterrestrischen Lebens haben könnte. Der Astrophysiker Howard Smith von der Harvard University teilte solche Vorlieben nicht und macht die Suche nach extraterrestrischem Leben und vor allem die nach intelligentem Leben madig.

Auf der Tagung wird hingegen nicht nur ein kosmischer Imperativer für die Existenz von Leben behauptet, sondern Wissenschaftler wollen schon einmal erklären, wie extraterrestrisches Leben aussehen könnte und wie wir uns gegenüber intelligenten Aliens verhalten sollen. Die Rede ist auch davon, dass wir hier mit dem Schlimmsten rechnen müssten. So erklärt Simon Conway Morris, dass intelligentes extraterrestrisches Leben vermutlich uns ziemlich ähnlich sein würde, aber dass es bestenfalls selten vorkomme, noch seltener ist natürlich, dass Kulturen von ihrem Planeten aufbrechen, schon gar nicht zu unserer Zeit. Wir müssten also nicht mit einer Begegnung rechnen:

We never had any visitors, nor is it worth setting up a reception committee in the hope that one day they might turn up. They are not there, and we are alone. So which do you prefer: neighbours with the culture of the Aztecs or a howling silence?

Ob so Kepler-10b, allerdings nur in "künstlerische Darstellung". Bild: Nasa

Nachdem bereits Hunderte von Exoplaneten entdeckt wurden, die allerdings allesamt nicht für Leben, wie wir es kennen, geeignet sind, sind die Hoffnungen gestiegen, nicht nur in naher Zukunft auch erdähnliche Planeten in der habitablen Zone zu entdecken, sondern womöglich wirklich irgendwo da draußen Leben zu finden. Verstärkt wurde unlängst die Hoffnung, als Astronomen Anfang Januar bestätigen konnten, mit Kepler-10b den ersten Felsplaneten entdeckt zu haben. 519 Exoplaneten sind insgesamt bis jetzt aufgespürt worden, mit neuen Methoden und Satelliten wie Kepler geht es rasant weiter. Astronomen gehen überdies davon aus, dass es in unserem Universum allein so viele Exoplaneten wie Sandkörner an einem Strand geben soll (Um jede vierte Sonne kreist eine Erde). Darunter sollten auch viele sein, die bewohnbar sind und auf denen auch Leben in irgendeiner Form existiert.

Howard Smith, der am 20. Februar beim Jahrestreffen der AAAS (American Association for the Advancement of Science) darüber sprechen wird, widerspricht dem Optimismus und meint, ebenfalls mit Bezug auf die Wahrscheinlichkeitsabschätzung, dass wir wohl in absehbarer Zeit keine intelligenten Aliens finden und mit ihnen Kontakt aufnehmen werden, also "in der Praxis" allein bleiben werden.

An den bislang entdeckten Exoplaneten und Sonnensystemen zeige sich, dass sie sich stark von unserem Sonnensystem unterscheiden, die Umlaufbahnen seien meist elliptisch, die Temperaturen zu heiß. Die Lebensfeindlichkeit der Planeten sei vermutlich die Norm, sagte er der britischen Sunday Times, die Bedingungen auf der Erde vielleicht doch einzigartig, zumindest könne Leben sehr selten sein. Und selbst wenn es Exoplaneten geben sollte, auf denen Leben existiert, sei es praktisch unmöglich, einen Kontakt herzustellen. "Jede Hoffnung auf einen Kontakt", so Smith, "muss sich auf eine relativ kleine Raumblase um die Erde beschränken, die sich vielleicht 1.250 Lichtjahre von unserem Planeten erstreckt, wo Aliens unsere Signale empfangen oder wir unsere eigenen senden könnten. Die Kommunikation würde aber immer noch Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauern."

Smith führt ein "misanthropisches Prinzip" ein. Es beruhe auf der Beobachtung, "dass in einem Universum, dessen physikalische Parameter ideal für intelligentes Leben geeignet ist (das 'anthropische Prinzip'), die zur Herausbildung von Intelligenz notwendigen Umweltbedingungen und Situationen extrem selten sind". Damit dürfte er bei seinen optimistisch gestimmten Kollegen auf großen Widerstand stoßen. (Florian Rötzer)

Anzeige