Singapur: Medienspektakel der Dealmacher

Die neuen Freund. Bild: Weißes Haus

Donald Trump und Kim Jong-un feiern ihre Erfolge beim historischen Treffen, aber es ist nur ein Beginn, die Abschlusserklärung mit gegenseitigen Verpflichtungen ist wenig aussagekräftig

Für Donald Trump und für Kim Jong-un war das Treffen allein schon aufmerksamkeitsökonomisch Erfolg. Für Trump ist es gerade nach dem desaströsen G7-Gipfel eine Bestätigung, dass er besser einen Deal machen kann als all die "hater und loser". Schon im Vorfeld jubelte er, die Geiseln seien befreit und das Testen, Entwickeln und Abfeuern von Raketen hätten aufgehört. Zudem feierte gerade "500 Tage amerikanischer Größe" - mit ihm an der Spitze. Kim Jong-un, der kleine Raketenmann und finstere Diktator, der sich kindisch über erfolgreiche Tests und Raketenstarts freut, hingegen wurde vom Pariah zum Staatsmann und kann damit wahrscheinlich auch in Nordkorea seine Macht festigen und das starre System lockern.

Herausgekommen ist außer Bildern, großen Gesten und Mediengetöse nicht viel, zumindest was man bislang erfahren hat. Natürlich war alles "great" und "phantastisch" und natürlich sind nun Donald Trump und Kim Jong-un Freunde geworden. Und selbstverständlich war der Gipfel ein voller Erfolg, der "sehr schnell" zur "Denuklearisierung" führen wird.

I feel really great. It's going to be a great discussion and, I think, tremendous success. I think it's going to be really successful, and I think we will have a terrific relationship. I have no doubt.

Donald Trump

Für Trump ist Kim "sehr schlau" und ein "sehr harter Verhandler", also so, wie sich Trump auch versteht. Er will, sagte er nach dem Treffen, Kim nach Washington einladen. Beide beschwörten, wie super das Treffen war. Für Trump, der damit über seine Vorgänger, wohl vor allem über Obama triumphieren will, hat sich das Verhältnis zu Nordkorea entscheidend gegenüber der Vergangenheit verändert. Nach Kim wird die Welt "eine große Veränderung" erleben, beide Seiten hätten beschlossen, "die Vergangenheit hinter sich zu lassen" - wahrscheinlich auch die der gegenseitigen Beschimpfungen.

Bild: Weißes Haus

Unterschrieben habe beide Staatsführer eine Abschlusserklärung, deren Wortlaut noch nicht veröffentlicht wurde, deren Inhalt aber durch Fotos bekannt ist, da Trump sie nach der Unterzeichnung wie eine Trophäe hoch hielt. Wenn es keine weiteren Vereinbarungen gegeben hat, ist man sehr im Allgemeinen geblieben und hat erstmal nur Absichtserklärungen abgegeben, ohne einen konkreten und mit Schwierigkeiten gepflasterten Weg vorzuzeichnen.

Ziel der nach Trump "umfassenden" Vereinbarung sei es, die Koreanische Halbinsel nuklear vollständig abzurüsten und einen gemeinsamen und stabilen Frieden zu erlangen. Die USA und Nordkorea wollen eine neue Beziehung herstellen. Vereinbart wurden auch weitere Verhandlungen des US-Außenministers Mike Pompeo mit einem Vertreter Nordkoreas. Sie sollen möglichst bald stattfinden, um die Ergebnisse des Gipfels umzusetzen. Überdies versprechen die USA, sie würden "Sicherheitsgarantien" geben, während Nordkorea ein "festes und unerschütterliches Bekenntnis" zur nuklearen Abrüstung abgibt.

Aber es wird genau darauf ankommen, wie verlässlich die USA unter Donald Trump welche Sicherheitsgarantien geben werden und wie im Einzelnen die nukleare Abrüstung vollzogen und kontrolliert wird. Hier beginnen die wirklichen Mühen der Ebene, die sich über viele Jahre hinziehen werden und schnell vom Scheitern bedroht sind, was nicht das erste Mal wäre.

Dabei wird sich auch das Verhältnis USA-Südkorea verändern, letzteres wird selbständiger werden, wie sich das seit der erneuten Annäherung von Süd- und Nordkorea schon gezeigt hat. Und vor allem China wird nicht nur einfach zuschauen, sondern seinen Einfluss und seine Interessen geltend machen. Ein politisch salonfähigeres Nordkorea könnte aber auch besser Fäden ziehen, um Positionen gegenüber den USA durchzusetzen. (Florian Rötzer)

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