Smartphone und Tablet statt Auto als Statussymbol?

Trendforscher Peter Wippermann behauptet, die sinkende Bedeutung des eigenen Autos korrespondiere mit einer Veränderung der Besitzkultur

Junge Menschen sind heute nicht mehr so autozentriert, wie sie das vor nicht allzu langer Zeit noch gewesen sind. Möglichst zum 18. Geburtstag 18 musste der Führerschein gemacht sein, möglichst schnell musste auch das erste Auto oder das erste Motorrad her, selbst wenn es arge Rumpelkisten waren. Den Kult der schnellen und teuren Luxusschlitten gab es auch vor 50 Jahren, allerdings waren diese noch relativ selten und in der Zeit der Konsumkritik und der Post-68-Hippie-Phase gab man erst einmal auf Status nichts, wohl aber auf Mobilität, war doch einer der Heroen, Jack Kerouac, schlicht mit allen Mitteln "On the Road".

Schon länger ist bekannt, dass junge Menschen, vornehmlich in den Städten, sich offenbar mehr Zeit lassen, um den Führerschein zu machen. Auch die Lust, sich schnell ein eigenes Auto zu kaufen, ist rückgängig. Viele sind der Meinung, dass man für das Stadtleben nicht selbst ein Auto besitzen muss, man organisiert Mobilität anders.

Den Trend könne man nicht auf demografische Faktoren zurückführen, so die Verkehrswissenschaftler Weert Canzler und Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin (Abkehr vom Auto?). Das Auto verliere an Bedeutung als Statussymbol, dagegen wird mehr Fahrrad gefahren und die Öffentlichen Verkehrsmittel benutzt, zunehmend auch Car-Sharing-Angebote. Der Trend ist auch in Großbritannien zu beobachten. Allerdings könnte die Abkehr auch mit den Kosten zusammenhängen, darauf weist auch hin, dass der Führerschein in aller Regel später gemacht wird.

Schon vor zwei Jahren hatte Andreas Knie behauptet, dass den jungen Menschen andere Dinge als Statussymbol wichtiger würden als ein schnittiges Auto mit viel PS (Autos sind kein Statussymbol mehr). Neuerdings baut man das Ego gerne mit einem schweren und aggressiv daherkommenden SUV aus, mit dem sich lässig die durch neue Technik möglichen Spriteinsparungen kompensieren lassen. Neue Statussymbole seien die Handys und andere technische Geräte geworden, die neben Kommunikation auch Mobilität ermöglichen. Diese These hat auch der Trendforscher Peter Wippermann verfolgt, der von einem ununkehrbaren Trend spricht: "Ganz generell definieren junge Menschen heute ihren Status und die Sehnsucht, Freiheit zu leben, eher über Kommunikations-Tools wie Smartphones, Handys oder Tablet-Computer."

Im eigentlichen seiner These zuwiderlaufenden Autokulturmagazin ramp, das vielleicht besser Autokultmagazin heißen sollte, erklärt er, ein iPhone habe "mittlerweile mehr Statuskraft als ein Mittelklassewagen und ist damit besser geeignet, um in der Peergroup Anerkennung zu bekommen, als ein Auto. In der Finanzplanung genießen Kommunikationstechnik, gute Kleidung oder Urlaubsreisen höhere Priorität." Nun ja, das war vor ein paar Jahren einmal so. Mittlerweile ist ein iPhone Massenware, wer auf sich hält, beginnt vermutlich Apple schon wieder zu meiden. Und der von Wippermann konstatierte Trend weg vom Besitz und hin zum Zugang trifft vielleicht zu, wenn es günstige Car-Sharing-Angebote gibt, und auf Daten, die nicht mehr nur auf der Festplatte, sondern auch in der Cloud gelagert werden, wohl aber nicht auf Smartphones, Tablets oder Notebooks. Das die entsprechend billiger als ein Auto kommen, dürfte wohl auch eine nicht unerhebliche Rolle spielen.

Den mit den üblichen Werbefotos der BMW-Luxuskarosse i8 als "prototypisches Traumauto 2.0" garnierten Beitrag schließt Wippermann mit der These: "Als die Maschinen Einzug in die Arbeitswelt hielten, wurden die Pferde nicht mehr als Nutztiere gebraucht, sondern mehr und mehr als Freizeittiere geliebt. Wer sich in Zukunft ein Auto leisten kann, wird es behandeln und nutzen wie sein bestes Pferd im Stall." Das ist im Kontext mit einem Sportwagen mit 224 PS, der "eine Beschleunigung in unter 5 Sekunden von null auf 100 km/h bei einem Verbrauch im europäischen Zyklus von 2,7 Litern" haben, "intelligente Mobilität" besitzen und eine "perfekte Synthese aus Technik und Ästhetik" realisieren soll, nett gesagt. Ob auch der Warentransport auf der Straße zum Freizeitbetrieb wird, interessiert den Trendforscher freilich ebenso wenig wie die Frage, wer sich denn in der durch eine zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich gekennzeichnete Gesellschaft, ein Pferd oder eben ein Auto "im Stall" für die Freizeit leisten kann. Aber das passt zum ramp-Kontext und der Bebilderung seines Artikels. (Florian Rötzer)

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