Söldner, Sklaven, Superstars: Vom Glück in der Arbeit

Wie zufrieden oder glücklich sind nach Umfragen die Angestellten in Deutschland?

Das ist doch einmal eine schöne Nachricht. Nirgendwo in Europa sind die Arbeitnehmer zufriedener als in Deutschland. Das soll aus einer Umfrage des internationalen Personaldienstleistungsunternehmen Robert Half mit Sitz in Kalifornien hervorgehen, ist aber ein wenig gefinkelt, weil nur Arbeitnehmer in 5 europäischen Ländern gefragt wurden. Vorgestellt werden sollen Kriterien, die ein "glückliches arbeiten" ermöglichen.

In der zugrundeliegenden Studie, die ganz vom Geist der kalifornischen Ideologie geprägt mit der Firma "Happiness works" unter dem verheißungsvollen Titel: "Die Zeit ist reif. Glücklich arbeiten" veröffentlicht wurde, wird dem Leser gleich im ersten Satz vermittelt, dass alles nur besser werden kann, der Arbeitsvermittler geht offenbar von Flexibilität aus, die positiv ausgelegt wird.: "Mit jedem Job ein Stück besser arbeiten." Aufgefordert wird man, seine Email-Adresse einzugeben, um sich die Studie zusenden zu lassen. Die Studie kam leider erst etwas später an.

Robert Half will Arbeitnehmer und Arbeitgeber glücklich machen, man ist ja nicht so viel anders wie eine Partnerbörse, in der auch alles zusammenpassen soll. Wenn die Unternehmen Arbeitnehmer erhalten, die "glücklich arbeiten", dann leisten diese schließlich "einen wesentlichen Beitrag zum Unternehmenserfolg". Man ahnt schon, die "Studie" ist natürlich Werbung für die angebliche Kompetenz, die richtigen Arbeitnehmer für die Unternehmen zu finden und auch Teams aufzubauen, die "motiviert und produktiv" sind, also glücklich etwas zum Unternehmenserfolg beitragen. Dabei darf man mit klugen Ratschlägen rechnen: "Job-Zufriedenheit hängt von der Wahl des richtigen Arbeitgebers ab", aber auch die Arbeitgeber sind gefordert: "Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen dazu beitragen, dass die Arbeit zufriedenstellend ist".

Für die Studie wurden 23.000 Arbeitnehmer in Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Niederlande und den USA nach 18 Kriterien befragt, die Zufriedenheit im Job ausmachen sollen. In erster Linie seien den Arbeitsnehmern Fairness und Respekt wichtig. Wenn 67 Prozent sagen, das gebe es bei ihnen, ist das eigentlich gar nicht so schlecht. Wichtig sei für den Arbeitnehmer auch, "bei der Arbeit er selbst sein zu können" und stolz auf seinen Arbeitgeber zu sein, weil er dann mit "einer um 2,4 und 2,3 Mal höheren Wahrscheinlichkeit glücklich zur Arbeit" ginge. 62 Prozent berichten von persönlicher Freiheit am Arbeitsplatz, 60 Prozent sind stolz auf ihr Unternehmen.

Den Arbeitgebern wird erklärt, dass die Unzufriedenheit der Angestellten auch für sie problematisch sein könne, unmotivierte Mitarbeiter oder solche, die Dienst nach Vorschrift machen, bringen Unruhe in die Teams und senken die Produktivität. Und wenn mit 26 Prozent ein Viertel überlegt, sich in den nächsten 6 Monaten einen anderen Job zu suchen, dann gärt es eben.

Nun kann man sich ja vorstellen, dass es relativ einfach für die Unternehmensführung bzw. den jeweiligen Vorgesetzten ist, den Mitarbeitern eine größere Selbständigkeit einzuräumen und sie fair und respektvoll zu behandeln, aber es dürfte mitunter gelegentlich schwer fallen, den Stolz auf ein Unternehmen zu fördern oder auch die Arbeit als "sinnstiftend" zu betrachten. Das ist eine ziemlich subjektive Angelegenheit, zumal wenn ein Unternehmen in Skandale verwickelt ist oder dessen Güter bzw. Dienstleistungen anderen, der Gesellschaft oder der Umwelt auch schaden oder zumindest Risiken mit sich bringen.

Wenn es heißt, dass die Deutschen gewissermaßen die glücklichsten Arbeitnehmer in den acht Ländern sind, könnte man dagegen einwenden, dass das womöglich nicht so viel bedeutet. Gerade hat Martin-Niels Däfler von der FOM Hochschule in Frankfurt/Main über seine Studie zur Arbeitszufriedenheit in Deutschland in der FAZ berichtet. Das Fazit:

Fast zwei Drittel (63,1 Prozent) der Beschäftigten sind mit ihrer Arbeit unzufrieden. Mehr als jeder Dritte (39,6 Prozent) fühlt sich nicht richtig gefordert. Das heißt: Die Mehrheit der in Deutschland Berufstätigen ist weit davon entfernt, glücklich im Beruf zu sein.

Martin-Niels Däfler

Wenn es um das Gehalt oder die Sozialleistungen geht, sind die Befragten immerhin zufriedener als bei der immateriellen Zufriedenheit über den Arbeitsinhalt und den Führungsstil. Aber beides bleibt auf mittlerem Niveau. Fast ein Drittel fühlt sich unterfordert, nur 8,4 Prozent überfordert. Am Stress liegt die Unzufriedenheit also eher nicht primär.

Nett ist die Klassifizierung der Befragten in verschiedene Typen. Die "Superstars" sind materiell und immateriell zufrieden, das sind immerhin 36,9 Prozent. Dabei fällt auch auf, dass Martin-Niels Däfler nur von Arbeitszufriedenheit spricht, nicht überschwänglich von "glücklichen" Arbeitnehmern. Die "Superstars" - für die Arbeitgeber oder innerhalb der Angestellten? - sind damit die größte Gruppe. Gefolgt werden sie von den "Sklaven" (24,9 Prozent), die allseits unzufrieden sind. Die "Söldner" (18,5 Prozent) haben genügend Verdienst, sind aber immateriell unzufrieden, bei den "Surflehrern" (12,6 Prozent) ist es umgekehrt. Und dann gibt es noch die 7,1 Prozent Unentschiedenen, die im "Niemandsland" leben und mal so, mal so antworten.

Aufgefordert wird das Management, doch die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu eruieren, zumindest wenn man etwas ändern will. Dabei soll es vor allem um "Kommunikation, Kompetenzen und Kollegialität" gehen. Interessant ist, dass auch die materiellen Bedingungen der Unzufriedenheit erhoben werden sollen, die am einfachsten zu beheben wären. Aber am Ende kommt der Rat, es nicht zu übertreiben: "Ein Betrieb ist kein Wunschkonzert, und Chefs müssen nicht den Weihnachtsmann spielen." (Florian Rötzer)

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