Sollen wir täglich 2,5 Liter Wasser trinken?

Auch Ärzte glauben manchen Unsinn

Es gibt eine ganze Menge an vermeintlichem Wissen darüber, was gesund sein soll und wie sich der Körper verhält. Einige wenige dieser Mythen, die wohl jeder kennt und oft auch von Medizinern vertreten werden, haben sich Wissenschaftler der Indiana University School of Medicine vorgenommen und stellen ihre Aufklärung in ihrem Artikel "Medical Myths" vor, der in der aktuellen Ausgabe des British Medical Journal erschienen ist. Sollen wir beispielsweise am Tag mindestens 8 Gläser Wasser trinken? Schadet lesen bei wenig Licht den Augen?

Die Wissenschaftler hatten erst einmal eine Liste von vermeintlichen Erkenntnissen aufgestellt, die sowohl von Ärzten als auch in der Öffentlichkeit geglaubt werden und sie auch selbst für möglich hielten. Aus dieser Liste hatten sie dann sieben besonders weit verbreitete und wahrscheinlich klingende Behauptungen herausgegriffen und versucht, diese mit der Suche in Medline und Google zu bestätigen oder zu widerlegen. Den Ärzten wird nahe gelegt, die Beweislage für Entscheidungen zu verstehen und sich zumindest bewusst zu sein, wenn Annahmen sich auf Anekdoten oder die Tradition stützen. Wenn man mit der Autorität sprechen will, wie dies Ärzte machen, sollten diese auch konstant die Gültigkeit ihres Wissens überprüfen.

Eine dieser weit verbreiteten Weisheiten ist die aus dem Jahr 1945 stammende Behauptung, dass es wichtig sei, 2,5 Liter Wasser am Tag zu sich zu nehmen, was sechs bis acht Gläsern entsprechen würde. Dafür aber gebe es keinen Beweis, nach Studien würde die nötige Flüssigkeitsaufnahme durch den normalen Verzehr von Saft, Milch oder auch Kaffee erreicht werden. Zudem sei es auch riskant, zuviel Wasser zu trinken, was zu Hyperhydration (Wasservergiftung), Hyponatriämie (Natriummangel) und gar zum Tod führen könne

Ein anderer Glaube ist, dass wir nur 10 Prozent unseres Gehirns nutzen. Entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts wollte man damit auf die unerweckten Möglichkeiten hinweisen, die von den Menschen zur Selbstverbesserung genutzt werden könnten. Gehirn-Scans hätten jedoch gezeigt, dass es keine Areale gibt, die inaktiv seien. Das sei auch bei Mikro-Untersuchungen der Fall, wenn kleine Neuronenverbände oder gar einzelne Neuronen untersucht werden. Die Erforschung von Hirnverletzungen beweise zudem, dass jeweils bestimmte Funktionen ausfallen oder gestört werden, die Funktionen also im Gehirn räumlich verteilt oder lokalisiert sind.

Auch mit der Ansicht, dass Nägel und Haare nach dem Tod weiter wachsen, steht es nicht gut. Dabei würde es sich um eine optische Illusion handeln, weil sich die Haut durch Entwässerung zurückziehe. Zum Weiterwachsen würde eine komplexe hormonale Steuerung notwendig sein, die mit dem Tod zusammenbricht. Ein Irrglaube sei auch die Annahme, dass Haare schneller und dicker wachsen, wenn man sie rasiert. Der einzige Unterschied liege darin, dass nachwachsende Haare, egal ob am Kopf oder an den Beinen, an den Spitzen noch keinen Spliss aufweisen und daher dicker und dunkler aussehen.

Lesen bei düsterem Licht hingegen ist zwar mühsamer und kann vorübergehende negative Folgen haben, ist aber für die Augen nicht langfristig schädlich. Wirkliche Belege für den Glauben, dass Handys in Krankenhäusern Probleme durch Störung von Geräten verursachen könnten, gibt es nicht. Minimale und seltene Störungen wurden nur bei Entfernungen von unter einem Meter berichtet, dafür gibt es eine Studie, dass die Verwendung von Handys durch Anästhesisten das Fehlerrisiko bei Operationen vermindert.

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