Sollten Schichtarbeiter regelmäßig Blut spenden?

Forschung an Fischen gibt Hinweise auf mögliche Ursachen für deutlich erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko

In entwickelten Gesellschaften arbeiten viele Menschen nicht mehr nur dann, wenn die Sonne scheint, sondern im Schichtbetrieb. Das betrifft nicht nur Industriearbeiter, die dafür sorgen, dass sich teure Investitionen in Maschinen möglichst schnell rentieren, sondern auch Ärzte, Polizisten und Medienmitarbeiter.

Sie alle tragen im Vergleich zu Tagarbeitern ein um etwa 30 Prozent höheres Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Warum das so ist, war bisher weitgehend Gegenstand von Spekulationen: Führen Schlafstörungen dazu, dass der Blutdruck auch während der Ruhezeiten hoch bleibt und dass sich das Gefäßsystem nicht mehr ausreichend regenerieren kann? Fehlt der Ausgleich durch Sport und Aktivitäten mit der Familie? Oder ergibt sich der Zusammenhang über Umwege wie Alkoholmissbrauch?

Ein Team um die an der Universität Innsbruck forschende Zoologin Margit Egg hat nun eine Studie veröffentlicht, die den konkreten biologischen Zusammenhang zwischen einer Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen genau darlegt - allerdings nicht bei Menschen, sondern bei Zebrafischen.

Dafür beleuchteten die Innsbrucker Zoologen ihre Aquarien in einem Rhythmus, der sich an der Schichtarbeit von Menschen orientierte. Anschließend untersuchte das Team bei seinen Versuchstieren die Expression bestimmter Gene, den Zustand des Gefäßsystems und die Anzahl der roten Blutkörperchen. Dabei stellte man fest, dass das Blut der Schichtarbeiter-Zebrafische im Vergleich zu dem ihren Kollegen aus der Kontrollgruppe deutlich mehr Erythrozyten aufwies, obwohl das für deren Produktion zuständige Gen unverändert geblieben war.

Zebrafisch. Foto: Universität Innsbruck.

Um Messfehler auszuschließen, überprüften die Forscher das Ergebnis und stellten dabei fest, dass es sich bei den überzähligen Erythrozyten nicht um neu produzierte, sondern um sehr alte handelte, die bei Fischen mit einem gesünderen Tagesablauf längst "ausgemustert" worden wären. Diese alten Erythrozyten transportieren nicht nur deutlich weniger Sauerstoff als neue, sondern verklumpen auch leichter und bleiben häufiger an den Gefäßwänden hängen. Das erklärt Egg zufolge die gegenüber der Kontrollgruppe um 30 Prozent erhöhte Sterblichkeit der Zebrafisch-Schichtarbeiter.

Ob die Risikoerhöhung nicht nur beim Zebrafisch, sondern auch beim Menschen auf diese Weise abläuft, muss noch untersucht werden. Stellt sich heraus, dass es dort ähnlich läuft, könnten Schichtarbeiter Egg zufolge ihr Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko auf eine recht einfache Weise senken: Indem sie regelmäßig Blut spenden. (Peter Mühlbauer)