Sollten die USA mehr Flüchtlinge aus dem Nahen Osten aufnehmen?

Eine Studie stellt die Frage, ob die USA eine moralische Verpflichtung zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten im Nahen Osten haben

Als im Herbst letzten Jahres täglich mehrere Tausende über die Balkanroute nach Deutschland kamen und die Aufnahmebereitschaft zu hitzigen Diskussionen führte, wurde häufig auf den transatlantischen Bündnispartner und Freund verwiesen. Warum beteiligen sich die USA nicht bei der Aufnahme von Kriegsflüchtlingen, wurde vorgebracht. Schließlich habe ihre politische Führung mit dem Krieg im Irak begonnen, was sich in der Folge zur Katastrophe im Nahen Osten entwickelt hat. Die USA müssen Verantwortung dafür übernehmen, so die Forderung.

Eine Studie des US-Think Tanks Brookings Institutions wollte nun die Einstellung von Amerikanern dazu erfahren. Die Untersuchung ist ziemlich aktuell, sie datiert von Ende März, die Stichprobe ist nicht sehr groß, aber mit 1.580 Teilnehmern (aus repräsentativen Panels) schon aussagekräftig. Interessant sind die Unterschiede zwischen den beiden politischen Lagern, die zum Fokus der Studie gehören. Sie sind groß.

Das zeigt sich schon bei der Frage nach der generellen Unterstützung für die Aufnahme von Flüchtlingen "aus den Konfliktzonen in Syrien und anderen Ländern des Nahen Ostens". Insgesamt spricht sich eine deutliche Mehrheit von 59 Prozent dafür aus; 41 Prozent unterstützen die Aufnahme nicht.

Am deutlichsten fällt die Unterstützung unter den Demokraten (77%) und den Jüngeren (Alter 18-34 Jahre) aus (68%). Die Opposition zur Aufnahme von Flüchtlingen war am stärksten unter den Anhängern von Donald Trump ausgeprägt (77 Prozent). Bei den Befragten, die sich politisch mit der Partei der Republikaner identifizierten ( partisan identification), sprachen sich dagegen weniger, nämlich 63 Prozent, gegen die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus Syrien und dem Nahen Osten aus.

Trump-Anhänger: Keine moralische Verpflichtung zur Aufnahme von Flüchtlingen

Geht es um die Frage, ob Amerikaner eine moralische Verpflichtung verspüren, Flüchtlinge aus dem Irak, Syrien und Libyen zu helfen, so bestätigen sich die Unterschiede der Lager. Bei den Unterstützern von Trump gibt es eine deutliche Verneinung einer solchen Verpflichtung. 69 Prozent lehnen sie im Fall Irak ab, 74 im Fall Syrien und 77 Prozent im Fall Libyens.

Im Überblick über alle Lager fallen die Antworten etwas anders aus. Immerhin eine Mehrheit von 54 Prozent verspürt "somewhat" eine moralische Verpflichtung gegenüber irakischen Flüchtlingen, bei den syrischen sind es 51 Prozent und bei den Flüchtlingen aus Libyen sind es 49 Prozent.

Insgesamt geben 56 Prozent der Befragten an, dass "der Irak-Krieg eine signifikante Rolle bei den Abläufen gespielt habe, die zur syrischen Flüchtlingskrise geführt hat. 31 Prozent erkennen eine "kleine Rolle". Für 11 Prozent spielt der Irakkrieg in diesem Zusammenhang keine Rolle.

Selbst unter den Republikanern zeigt sich ein gewisses Problembewusstsein. 44 Prozent geben an, dass der Irak-Krieg eine signifikante Rolle bei der Flüchtlingskrise gespielt habe, 18 Prozent gestehen ihm eine kleine Rolle zu.

Die Trump-Anhänger unterscheiden1 sich hier kaum. 42 Prozent attestieren dem Irakkrieg eine entscheidende Rolle für die Folgen, aber ein großer Anteil, nämlich 37 Prozent, ist der Überzeugung, dass er überhaupt eine Rolle, wenn auch eine kleine, gespielt hat.

Bei den Anhängern der Demokraten sind 67 % der Auffassung, dass der Irak-Krieg eine signifikante Rolle gespielt habe und 25 Prozent glauben, dass er eine kleine Rolle gespielt hat. Das Lager der Anhänger von Hillary Clinton und Bernie Sandler liegt im Trend der Demokraten. Die Werte für die signifikante Rolle liegen bei 68, respektive 69 Prozent, bei der kleinen Rolle bei 25 und 23 Prozent.

Gegen alle Maßnahmen, die mehr Flüchtlinge ins Land bringen

Keine Überraschung ist, dass der Anteil der Republikaner, die sich gegen alle Maßnahmen sträuben, die mehr Flüchtlinge ins Land bringen würde, mit 75 Prozent doppelt so hoch liegt wie der Anteil unter den Demokraten, die der gleichen Auffassung sind (34 Prozent).

Bei der Frage danach, ob die USA mehr als 10.000 Flüchtlinge aufnehmen sollten, wie es derzeit geplant ist, erfragte die Studie bei sämtlichen Lagern allerdings höhere Durchschnittszahlen2. Bei den Republikanern liegt er bei 35.618, bei den Demokraten bei 64.475 und bei den "Independants" bei 83.309. Der Median steht bei den Republikanern bei 10.000, bei den Demokraten bei 15.000. (Thomas Pany)

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