Sonnige Aussichten

Die Produktion von Solarzellen wird immer billiger, und der Sonnen-Strom damit langsam konkurrenzfähig. Bisher profitieren davon aber vor allem die Hersteller, während bei den Betreibern wenig ankommt

Der Solarbranche stehen rosige Zeiten bevor und der Umwelt vielleicht auch. Die Gestehungskosten des Stroms aus Fotovoltaikanlagen könnten schon bald konkurrenzfähig sein. Trotzdem sinken die Preise für die Anlagen kaum, weil die Nachfrage so hoch ist, dass die Hersteller ihre Einsparungen bei den Produktionskosten nicht an die Kunden weiter geben brauchen.

Das US-amerikanische Beratungsunternehmen PHTON hat sich einmal den Stand der Fotovoltaik-Branche angeschaut und ist dabei zu interessanten Ergebnissen gekommen: Innerhalb weniger Jahre könnte der Strom aus Solarzellen schon mit herkömmlich generierter elektrischer Energie konkurrieren.

Derzeit kostet, legt man die Kosten der Hersteller inklusive Forschung und Entwicklung sowie die Installation im Jahre 2006 zugrunde, eine Kilowattstunde (kWh) Solarstrom aus einer üblichen 4-Kilowatt-Dachanlage in Süddeutschland 24 Euro-Cent, in Spanien 15 und im US-Bundesstaat Kalifornien 18 Cent. 2.880 Euro fielen laut PHOTON 2006 an Herstellungskosten pro installiertem Kilowatt an Leistung an. Die effizienteren Anbieter konnten diesen Betrag bereits auf 2.400 Euro drücken, und bei PHOTON rechnet man damit, dass die Kosten bis 2010 weiter auf 2.083 Euro fallen.

Das habe die Studie„The True Cost of Solar Power“ ergeben. In die Hand bekommt man die Studie nur gegen reichlich Bares: Wer sie lesen will, muss 1.100 Euro berappen. Untersucht wurden ausschließlich Unternehmen, die die komplette Wertschöpfungskette in sich vereinen (Silizium-, Zell- und Modulproduktion bis zum Betrieb von Solarkraftwerken in Eigenregie). 13 Unternehmen, die sich in diese Richtung entwickeln, werden angeführt, darunter die chinesische Suntech Power Co. Ltd., die deutsche Solarworld AG und die US-amerikanische Sunpower Corporation.

Durch das Fallen der Herstellungskosten rechnet PHOTON damit, dass 2010 in Spanien der Solarstrom für zehn Cent pro Kilowattstunde (ct./kWh), in Süddeutschland für 15 Cent und in Kalifornien für 11 ct./kWh produziert werden kann (zum Vergleich: Private Abnehmer zahlen in Deutschland derzeit etwa 17 bis 18 ct./kWh). Unter Spaniens Sonne werden bis 2010 die Gestehungskosten in Großanlagen sogar auf acht ct./kWh zu drücken sein, prognostizieren die Bostoner. Letzteres würde den Kosten in neuen Braunkohlekraftwerken entsprechen, die, aber das lässt PHOTON unerwähnt, in den nächsten Jahrzehnten eher steigen werden, weil die angestrebte Abtrennung des CO2 in Kohlekraftwerken sehr energieaufwändig ist. In der Studie wurden übrigens nur die Produktionskosten von kristallinen Silizium-Zellen untersucht. Dünnschichtverfahren, die in der Herstellung günstiger sind, sollen in einer späteren Arbeit berücksichtigt werden.

Angesichts der hohen Nachfrage nach neuen Fotovoltaikanlagen, liegt in Deutschland der Preis erheblich über den Kosten. 4.800 Euro pro kW Leistung muss man, so PHOTON, für eine Anlage hierzulande auf den Tisch legen. Die Betriebe kommen kaum mit der Produktion hinterher, um die Nachfrage zu befriedigen. Die PHOTON-Studie geht davon aus, dass die Gewinne der Unternehmen in den nächsten Jahren noch weiter steigen werden. Außerdem wird es sich für sie lohnen, selbst zum Betreiber zu werden.

Dafür sorgen hierzulande auch die Einspeisevergütungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Derzeit gibt es für Strom aus Anlagen ab 100 kW Leistung 46,3 ct./kWh, für kleinere Dachanlagen gibt es rund zwei Cent mehr. Der Betrag wird jedes Jahr um fünf Prozent gesenkt, so dass 2013 noch 34,04 ct./kWh gezahlt werden. Das ist immer noch ganz ordentlich, aber angesichts der Preise, die Betreiber für Neuanlagen bezahlen müssen, nur noch bedingt attraktiv.

Die Hauszeitung von PHOTON hatte bereits im Herbst letzten Jahres Interessenten aufgefordert, die Preise nicht länger zu akzeptieren. Bei Verabschiedung des EEG sei den Betreibern eine Rendite von 7,4 Prozent zugebilligt worden. Um die zu erzielen, müssten die Preise der Anlagen 2007 auf 3.900 Euro pro kWh abgesenkt werden.

Offensichtlich streicht die Hersteller-Branche einen ordentlichen Extraprofit ein. Der Schluss liegt zumindest nahe, wenn man die Anlagenkosten von 2.880 Euro pro kW Leistung, in denen Produktion, Installation sowie Forschung und Entwicklung enthalten sind, mit dem Endabnehmerpreis von 4.800 Euro pro kW Leistung vergleicht. Das wiederum ruft bereits einige Politiker auf den Plan, die eine Absenkung der Einspeisevergütung fordern. Ob das allerdings der richtige Weg ist, um dem Problem beizukommen, darf bezweifelt werden. Zunächst würde ein solcher Schritt vor allem die Nachfrage nach Fotovoltaikanlagen dämpfen, was nicht im Sinne des EEG und auch nicht der Klimaschutzpolitik wäre.

Die Idee ist natürlich, dass dadurch die Herstellerpreise gesenkt und die Nachfrage wieder angekurbelt wird. Allerdings ist nicht ausgemacht, dass das so funktioniert. Schließlich gehört zu den großen Vorzügen des EEG, die auf internationalen Konferenzen immer wieder gepriesen werden, die langfristige Verlässlichkeit für Investoren. Außerdem ist es in der Regel so, dass wenn traumhafte Profitmargen locken, schon bald die Produktionskapazitäten ausgebaut werden und das Angebot steigt. Das wiederum drückt mittelfristig die Preise – vorausgesetzt natürlich, es gibt weder Kartelle noch Monopole, was aber derzeit noch nicht der Fall ist. Und in der Tat hatte PHOTON bereits Ende letzten Jahres erhebliche Lagerbestände bei den Herstellern ausgemacht. Könnte also gut sein, dass spätestens in ein oder zwei Jahren die Preise zu purzeln beginnen. Der Umwelt und dem Klima wäre es zu wünschen, denn das könnte dem Solar-Boom und damit den sauberen Energien einen zusätzlichen Schub geben.

Im Jahr 2006 wurden nach einer Marktanalyse von PHOTON International weltweit Solarzellen mit einer Leistung von 2.536 Megawatt (MW) hergestellt. 36 Prozent davon stammten aus japanischer, 20 Prozent aus deutscher und 15 Prozent aus chinesischer Produktion. In Deutschland – hauptsächlich in Bayern – wurde mit rund 1.150 MW knapp die Hälfte aller weltweit hergestellten Solarstromanlagen installiert. Insgesamt waren Ende 2006 rund um den Globus rund 6.000 MW Solarstromanlagen am Netz, davon etwa die Hälfte in Deutschland. In Bayern, wo der größte Teil der deutschen Fotovoltaikanlagen im Betrieb ist, betrug der Anteil des Solarstroms an der Stromproduktion etwas über einem Prozent.

Passend zu den Ergebnissen der Photon-Studie meldete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, dass sich die deutsche Umweltbranche zum Job-Motor entwickelt habe. Bis 2020 werde sie mehr Mitarbeiter als die Automobilbranche oder der Maschinenbau beschäftigen. Die Angaben gehen auf Daten der Unternehmensberatung Roland Berger zurück, die derzeit im Auftrag des Bundesumweltministeriums eine entsprechende Untersuchung durchführt. „Im Bereich Umwelttechnik werden in Deutschland heute schon eine Million Arbeitnehmer beschäftigt. Die Zahl wird parallel zu den explodierenden Umsätzen steigen. Schon heute klagen Unternehmen, dass sie nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter finden“, zitiert die Zeitung Berger-Partner Torsten Henzelmann.

Die Aussicht ist auch insofern beachtlich, als die deutsche Industrielandschaft und nicht zuletzt das besonders wichtige Exportgeschäft seit Jahrzehnten von Automobilindustrie und Maschinenbau dominiert wird. Wenn also mit den Beschäftigungszahlen auch die Umsätze und Gewinne im gleichen Maße wachsen sollten, käme das einer tiefgehenden Umgestaltung der deutschen Wirtschaft gleich.

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