Soros: Der Milliardär als Mäzen und Messias der Märkte

George Soros in Malaysia, Dezember 2006. Bild: Jeff Ooi/CC BY 2.5

Die Open Society Foundations sind eine der mächtigsten Unternehmensstiftungen der Welt

Der Milliardär hat's schwer. Kaum spekuliert er ein wenig mit dem thailändischen Baht, bricht die Asienkrise los und das mühsam aufgebaute Image als Menschenfreund gerät ins Wanken. Ging es im ersten Teil um die Soros-Leaks (siehe "Dear Hillary" - Politik und Philanthropie in den Soros-Leaks) und die Beziehungen seiner Stiftung Open Society Foundations (OSF) zur CIA, sollen nun die sagenhaften Finanzerfolge des Mäzens betrachtet werden.

George Soros ist einer der reichsten Männer der Welt und steht im Ruf ein genialer Mega-Spekulant zu sein. Zudem ist er ein führender Mäzen der "Offenen Gesellschaft", die gegen totalitäre und repressive Regime antritt. Dabei geht es um Demokratie, Freiheit und Toleranz, aber auch um offene Märkte, Privatisierung und Deregulierung, wie sie der IWF mit seinen viel kritisierten Maßnahmen global durchsetzen möchte. Sind also die hehren Ziele und Projekte der OSF am Ende nur eine Spur aus Leckerbissen, die direkt in die Fallgrube des IWF führt?

Offene Märkte spielen dem Spekulanten in die Hände, was zur Frage führt, inwieweit sich Soros, der Philanthrop, dabei von Soros, dem Hedgefonds-Manager, frei machen kann. Soros übte zwar milde Kritik an Globalisierung und IWF, was ihm den Ruf eines "liberalen Globalisierungskritikers" (ARD) einbrachte. Doch bei genauerer Recherche erweist sich Soros, wie wir sehen werden, eher als Verteidiger des IWF, der vor allem dessen aktive Förderung der Finanzspekulation beschönigt.

Erst wenn man Soros' Sichtweise mit IWF-Kritikern wie Jean Ziegler, Joseph Stiglitz oder Ernst Wolff kontrastiert, wird verständlich, warum 2001 der Bürgermeister von Bangkok Soros anlässlich dessen Besuch in Thailand Prügel androhte.

Soros - der Gute der Globalisierung?

Die jüngsten Enthüllungen der Soros-Leaks blieben in den Leitmedien weitgehend unbeachtet, obwohl sie mit den Open Society Foundations (OSF) eine der umtriebigsten und einflussreichsten Unternehmensstiftungen der Welt betrafen. Auch im Netz fragten sich viele, was denn so schlimm an Soros‘ Aktivitäten sein soll, denn die enthüllten Dokumente der OSF zeigen viele vorbildliche Ziele: von der Toleranz gegenüber ethnischen Minderheiten, Homosexuellen, Cannabis-Konsumenten bis zum Eintreten für Demokratie, Gerechtigkeit und Gleichheit.

Schlimm ist daran offensichtlich nichts. Doch man weiß, dass ein reicher Mann schlimme Dinge nicht selber tun muss. Er kann delegieren. Soros ist ein sehr reicher Mann und der IWF steht im Ruf, sehr schlimme Dinge zu tun. Eine tiefergehende Bewertung der OSF-Aktivitäten kann daher drei Fragen nicht ausklammern:

  1. Kommt Soros auf ethisch einwandfreie Weise zu den Milliarden, die er spendet?
  2. Folgen die im Detail untadeligen Einzelprojekte im Großen einer ebenso untadeligen Strategie?
  3. Steht das Ergebnis der philanthropischen Aktivitäten am Ende nicht doch im Zusammenhang mit der Antwort auf die erste Frage?

Dem Soros-Kritiker Paul Schreyer fiel auf:

...dass Soros' Rhetorik von den "geschlossenen unfreien Gesellschaften" sich stets nur gegen die zentrale und autoritäre Machtausübung von Staaten richtet, aber nicht gegen die ganz ähnlich zentrale und autoritäre Machtausübung von Unternehmen oder Superreichen. Mehr noch: Der Finanzier versucht den unmöglichen Spagat, einerseits als Großspekulant in turbokapitalistischer Manier Milliarden zu verdienen, und andererseits als Sozialreformer und moderner liberaler Philosoph die Welt zu retten. Menschlich gesehen erscheint das fast tragisch.

Paul Schreyer

So behauptet Soros es sei "eine unbestreitbare Tatsache, dass Armut und Elend meist von schlechten Regierungen verursacht werden"1. Wird damit nicht die Schuld für das Elend der Welt etwas einseitig zugeordnet? Angesichts der Tatsache, dass heute immer mehr Geld und Macht bei Konzernen und Superreichen liegt und die 500 reichsten Firmen (darunter Soros' Hedgefonds) in Summe die 100 ärmsten Regierungen längst überholt haben?

Sind die global agierenden Firmen wirklich so unschuldig an der Armut von Milliarden Menschen, wie Soros es behauptet? Oder handelt es sich um neoliberale Meinungsmache, wie wir sie z.B. von der Tarn-NGO deutscher Industrieller, der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), kennen? Der Finanzjournalist Norbert Häring entdeckte bei der Wertung des Brexit Parallelen zwischen Soros und Wolfgang Clement (INSM).

In Deutschland wurde Soros bislang vor allem auf den Wirtschafts- und Finanzseiten thematisiert. Er genießt dort einen Ruf als legendäres Spekulations-Genie, das schon ganze Währungen und Regionen erschütterte. Das Magazin Capital feiert ihn unter Berufung auf Forbes als mit 25 Milliarden Dollar reichsten der 46 Hedgefond-Manager, die es zum Milliardär gebracht haben.

Laut ARD-Wirtschaftsredaktion hat Soros dabei als Währungsspekulant Börsen- und Weltgeschichte geschrieben: Soros gewann 1992 mit seinem Hedgefonds Quantum einen Spekulations-Kampf auf die Abwertung des britischen Pfund gegen die Bank of England. Die Briten mussten daraufhin das Europäische Währungssystem verlassen und Soros war rund eine Milliarde Dollar reicher.

Mit einer ähnlichen Wette soll der "Megaspekulant" 1997 den Kollaps nicht nur der Währung Thailands herbeigeführt haben, was die Asienkrise auslöste und weltweit die Börsen einbrechen ließ. Seine Stiftung OSF und ihre weltweit umtriebigen Aktivitäten sind weniger bekannt.

Verschwiegen für die Offene Gesellschaft

Es handelt sich bei der OSF um eine relativ verschwiegene Organisation, aus der zumindest punktuell wenig nach außen drang. Informationen über konkrete Aktivitäten und Empfänger der großzügigen Zuwendungen, die sich über die Jahre im Milliardenbereich bewegen und allein im letzten Jahr über 800 Millionen Dollar betragen haben sollen, wurden vor den Soros-Leaks nicht bekannt, wie Homann für Soros‘ Engagement in Russland dokumentierte (vgl. Link auf 49481).2

Die Open Society Foundation vom Großinvestor und Multimilliardär George Soros ist in Russland von 1999 bis 2013 über das Open Society Institute (OSI) tätig gewesen. Wie die Ford und RBF Stiftung startete die OSF damit in der Wahlperiode 1999/2000. Sie hat mit rund $ 260 Mio. in Russland von allen Stiftungen die mit Abstand größten Investitionen getätigt. Aus nicht ermittelbaren Gründen wurden für die Jahre 2009 und 2012 keine Jahresberichte herausgegeben... Die OSF macht in ihren Jahresberichten keine Angaben über die konkret durchgeführten Aktivitäten und die Zuwendungsempfänger…

Friedrich Homann, Zwischen Auslandseinfluss und Souveränität

In der Wahlperiode 1999/2000 tauchte bekanntlich aus dem Schatten des prowestlichen Staatschefs Boris Jelzin ein gewisser Wladimir Putin auf, der Jelzins brachiale Öffnung der russischen Gesellschaft bzw. Märkte für westliche Finanzakteure bald zurückschrauben sollte. Soros soll durch Putins Umgang mit den Finanzbeziehungen zum IWF-System empfindliche finanzielle Verluste erlitten haben. Sein Einsatz für eine Demokratisierung des als autoritär angeprangerten Regimes von Putin scheint weit engagierter zu sein als etwa im Fall des sicher nicht weniger autoritären, aber prowestlichen Regimes in Riad.

Vielleicht hat die offenbar zunehmende Zurückhaltung der OSF auch etwas mit der Ankündigung des Gesetzes über sog. "Foreign Agents" in Russland zu tun gehabt, das im Jahr 2012 in Kraft trat; vom Ausland finanzierte russische NGOs danach waren verpflichtet, sich als Agenten eines fremden Landes registrieren zu lassen.

Moskau hat damit, zumindest was ausländische Investoren angeht, einer Tendenz zur "Privatisierung der Macht" Einhalt gebieten wollen, wie sie der kürzlich verstorbene, deutsche Soziologe H.J.Krysmanski3 als vor allem in den USA verbreitet ansah; Superreiche und Konzerne üben dabei über Think Tanks und Lobbyismus direkte Macht auf Regierung und Gesetzgebung aus.

In Deutschland ist die Bertelsmann-Stiftung ein solcher Think Tank, dessen Einfluss auf diverse Politikfelder vom Sozial- und Bildungsbereich bis zur Europa- und Sicherheitspolitik, mit Mühe rekonstruiert werden konnte.4 Doch was Europas mächtigster Medienkonzern in die Formung von Gesellschaft und Politik investiert, bleibt um einiges zurück hinter dem Großmäzen Soros.

Der Globalisierungskritik fehlen immer noch einfache Themen und eingängige Bilder, wie sie Friedens- und Ökobewegung vorweisen können (Das Koyaanisqatsi der Globalisierung). Sie steht vor einem Dickicht undurchsichtiger Machtstrukturen, besonders im Finanzsektor, deren Erhellung schwierig und gefährlich zu sein scheint (Ästhetik der Konspiration).

George Soros und seine OSF sind nicht die kleinsten Fische im trüben Wasser der von Krysmanski angeprangerten "privatisierten Machtkonstellationen", die uns von den Medien nur selten offenbart werden. Eine wichtige Verbindung besteht dabei zwischen ihm und einer viel kritisierten Institution: dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Während Bolivien unter dem Sozialisten Morales erwägt, den IWF für die Folgen seiner unmenschlichen Finanzpolitik zur Verantwortung zu ziehen, hört man Kritik am IWF hierzulande selten.

Die Asienkrise ist jedoch ein kaum zu leugnendes Beispiel für fatale Aktivitäten des IWF, wie auch für Soros' Spekulationsgeschäfte. Bertelsmanns Flaggschiff Der Spiegel machte damals mit der Schlagzeile Asienkrise: Blut im Haifischbecken seinem früheren Spitznamen BILD am Montag alle Ehre - einer der dort angesprochenen Knorpelfische hörte auf den Namen George.

Soros und die Asienkrise

Milliardäre wollen zuweilen ihre Wirtschaftskompetenz auf die Gesellschaft anwenden, etwa der Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn, als er die Reform des deutschen Bildungswesens plante.5 Soros fühlt sich dagegen vor allem berufen, das globale Finanzsystem neu zu gestalten.

Er befürwortet in seinem zuweilen von Börsenjournalisten als "Globalisierungskritik" bezeichneten Buch "Der Globalisierungsreport"6 die Arbeit des IWF, wenn er auch gelegentlich linksliberale Kritik an Details übte. Im Globalisierungsreport will er sogar den IWF und andere Finanzinstitutionen (WTO, Weltbank) verteidigen und reformieren - teilweise nach dem Vorbild seiner OSF. Soros' Vorschläge wurden zwar nicht umgesetzt, aber mit Respekt und Bewunderung von der Presse aufgenommen. Das entspricht der heute allgemein verbreiteten Haltung gegenüber erfolgreichen Wirtschaftsführern, die der Elite-Forscher C.W.Mills, der den Begriff der "Macht-Elite" prägte, so kommentiert:7

Es ist amüsant, zu beobachten, wie die Wissenschaftler und Forscher ihre Ansichten über die großen Geschäftsleute... im Laufe der Zeit geändert haben... Im Gefolge der konservativen Nachkriegsströmung sind aus den ‚Räuberbaronen‘ ‚weitblickende Industriekapitäne‘ geworden. Die großen Konzerne, sehr auf ihre Wirkung in der Öffentlichkeit bedacht, lassen sich neue, wissenschaftlich fundierte Biographien schreiben, in denen der Unternehmer als Pionier der Wirtschaft verherrlicht wird. Man stellt ihn als einen Wirtschaftsführer dar, dessen großartige Leistung allen zu Gute kam und von dessen edlem Charakter die heutigen Generaldirektoren ihr gutes Recht auf unumschränkte Herrschaft ableiten können

C.W.Mills

Echte Globalisierungskritik, wie sie ATTAC gegen viele Widerstände populär gemacht hat, will Soros dabei offenbar trickreich ins Leere laufen lassen. Die für ATTAC namensgebende Tobin-Tax auf Währungsspekulation will der Währungsspekulant, wenn sie denn schon eingeführt wird, lieber auf alle Finanztransaktionen ausweiten.8 Soros merkt aber an, dass dies wohl in der Praxis nie gelingen würde und setzt einen raffinierten Vorschlag dagegen, der mit Sonderziehungsrechten des IWF arbeitet und wohl letztlich die Verantwortung auf die Zentralbanken und Regierungen abschieben soll. Damit würden Soros und sein Hedgefonds ihre Hände weiter in Unschuld waschen können.

Soros warnte 2002 in seinem Globalisierungsreport vor den krisenhaften Turbulenzen der Finanzmärkte; er gab sogar zu, dass die neoliberale Deregulierungswelle des Finanzsektors nicht ganz unschuldig daran ist. Seine eigene Rolle als Nutznießer und zuweilen sogar Mitverursacher dieser Turbulenzen erwähnt er dort jedoch nicht. Auch die Rolle des IWF malt Soros sehr rosig.

Immerhin werfen (echte) Kritiker dem IWF vor, er schüre die Krisen und sorge zugleich dafür, dass Spekulanten wie Soros ungeschoren ihre Profite auf Kosten der betroffenen Länder und ihrer Bevölkerung in Sicherheit bringen können. Die Asienkrise von 1998 gilt als prominentes Beispiel für desaströse Krisenverschärfung durch IWF-Politik. Soros erwähnt diese Krise zwar, vergisst dabei aber auf seine in der Finanzwelt viel gerühmte Spekulation gegen den thailändischen Bath hinzuweisen, die manche als Auslöser der Krise sehen. Auch der in seinen Maßnahmen gescheiterte IWF kommt bei Soros gut weg:9

Nun kann man behaupten, der IWF habe in der Asienkrise das falsche Rezept angewandt... Es ist allerdings fraglich, ob der IWF überhaupt eine andere Wahl hatte. Meiner Meinung nach wäre die richtige Lösung ein Schuldenmoratorium gewesen... Natürlich muss ich zugeben, dass ein Moratorium das internationale Finanzsystem hätte schädigen und zu einer Ausweitung der Krise hätte führen können. Und da die Hauptaufgabe des IWF darin besteht, das Finanzsystem zu sichern, konnte er ein solches Risiko nicht eingehen.

George Soros

Der IWF hat nach Aussage von Soros also die Krise weder durch seine Deregulierungspolitik vorbereitet, noch durch seine Austeritätspolitik verstärkt und auch die Spekulanten (allen voran Soros selbst) nicht durchgefüttert, indem er ihre vordringliche Auszahlung zur Bedingung für seine (im Endeffekt nutzlosen) "Hilfsprogramme" machte. Das Vermögen, das Soros als treibender Akteur bei dieser Krise "verdiente", scheint dem Milliardär auch nicht der Rede wert zu sein.

Etwas kritischer sieht Ernst Wolff die Rolle des Währungsfonds in seinem Buch "Weltmacht IWF. Chronik eines Raubzugs". Der IWF hat nach seiner Auffassung10 versäumt, vor den lauernden Gefahren der asiatischen Finanzmärkte zu warnen, und die krisenhafte Entwicklung eher noch gefördert - sogar, als sich das kommende Unheil bereits abzeichnete.

"Private Kapitalflüsse haben für das internationale Geldwesen größte Bedeutung bekommen, und ein zunehmend offenes und liberales System hat sich für die Weltwirtschaft als vorteilhaft erwiesen", hieß es in einer Erklärung des IWF vom 21. September 1997 - zu einem Zeitpunkt, da US-Milliardär George Soros und andere Spekulanten bereits gegen die thailändische Währung Baht wetteten und der Startschuss für eine verheerende länderübergreifende Kettenreaktion längst gefallen war.

Ernst Wolff: Weltmacht IWF

Nun könnte man einwenden, Ernst Wolff sei wohl einer jener "linksextremen Kritiker", vor denen Soros den IWF mit seinen Reformvorschlägen schützen wollte11, und die Wahrheit über Thailand, Soros und den IWF liege wohl irgendwo in der Mitte. Ziehen wir jedoch einen weiteren Zeugen hinzu, erweist sich Soros IWF-Verteidigung als substanzlos. Der Finanzwissenschaftler Joseph Stiglitz vertritt Thesen, die Wolff stützen und Soros nicht gut aussehen lassen:12

Thailand hatte seine Währungsreserven erschöpft, weil es sie 1997 zur Abwehr von Spekulanten eingesetzt hatte. Nachdem entschieden worden war, Thailand müsse seine Währungsreserven rasch auffüllen, war eine schwere Rezession unvermeidlich... Wenn die Länder Ostasiens "extrem krisenanfällig" waren, wie der IWF und das US-Finanzministerium behaupteten, dann war es eine neu erworbene Anfälligkeit, die nicht auf erhöhter Intransparenz, sondern auf anderen Faktoren beruhte: der übereilten Liberalisierung der Kapital- und Finanzmärkte, die der IWF diesen Ländern aufgezwungen hatte.

Stiglitz: Schatten der Globalisierung

Dabei stammen der keynesianische Stiglitz und der neoliberale Soros in gewisser Hinsicht aus dem selben Stall - aus der Finanzwelt rund um die von Bill und Hillary Clinton dominierte Demokratische Partei, die Soros mit großzügigen Spenden bedenkt. Professor Joseph Stiglitz bekleidete Ämter im Stab von US-Präsident Bill Clinton, er war zudem Chefvolkswirt der Weltbank und seine Expertise ist durch einen Wirtschaftsnobelpreis ausgewiesen.

Allzu "linksextrem" kann Stiglitz also kaum sein, auch wenn er die Rolle des IWF ähnlich sieht wie Wolff, wobei er Soros zwar nicht namentlich erwähnt, aber die Spekulanten allgemein als treibende Kraft und Nutznießer der Asienkrise brandmarkt. Sein Vorwurf an den IWF lautet, dieser verfolge nicht mehr nur die Ziele, die in seinem ursprünglichen Mandat festgelegt sind; er sei auch Sachwalter der Interessen der Finanzwelt geworden.13

Wenn heute durch TTIP, TTP und CETA Globalisierung bedeutet, dass immer mehr Macht an Konzerne und Geldelite übertragen wird, wird Globalisierungskritik zu einem genuin demokratischen Anliegen. Diese angeblichen "Freihandelsabkommen" sind notorische Angriffe der Geldeliten, die fortsetzen, was 1998 mit der Niederlage ihres Überraschungscoups, des "Multilateral Agreement on Investments" (MAI) abgewehrt werden konnte (Globale Regulierung).

Eine neue Weltwirtschaftsordnung sollte auch schon das MAI werden, von der OECD, dem Club der 30 reichsten Länder, unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit in Hinterzimmern ausgekungelt -wie heute TTIP & Co. Man wollte auch schon im MAI "den Investoren" in einem völkerrechtlich bindenden Vertrag auf Jahrzehnte hinaus pauschal Herrschaftsrechte übertragen - inklusive dubioser "Schiedsgerichte". Doch das MAI flog auf und wurde durch die Internet-Subkultur weltweit wenigstens einer politisch informierten Minderheit bekannt gemacht.

Heute scheint die Macht der Finanzeliten stärker zu sein: Die pure Enthüllung genügt nicht mehr. Wie diese Machtzunahme im Rahmen eines als "Globalisierung" beschönigten Prozesses von statten ging, lässt sich auch am komplizierten Fall Soros aufzeigen.

Wie wir sehen werden, geht Stiglitz in seiner Globalisierungskritik noch weiter, aber nicht so weit, wie der Schweizer Professor Jean Ziegler, der auch die sozialen Folgen der globalen Finanzsysteme detailliert benennt und Schulden als "Massenvernichtungswaffe" brandmarkt. Soros weltanschaulich enge Beziehung zu neoliberalen Deregulierungen wird sich auch über seinen intellektuellen Ziehvater Karl Popper zeigen.

Die "Offene Gesellschaft" Poppers, die Soros' Open Society Foundation verficht, spiegelt auch Ideen der Mont Pèlerin Society. Gegründet wurde diese neoliberale Denkfabrik, deren wohl prominentestes Mitglied Popper war, durch August von Hayek, einen Nestor des Neoliberalismus. Für Thailand waren die "Offenen Märkte" eine Katastrophe -ebenso für viele weitere Länder Asiens- und die Verstrickung von Soros darin verdient weitere Analyse.

(Mehr darüber in Teil 3: Soros und der IWF: Ziemlich beste Freunde)

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