Soros setzt auf Scheitern Trumps

George Soros. Foto: Heinrich-Böll-Stiftung. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Der umstrittene Milliardär nennt den neuen US-Präsidenten einen "Hochstapler", einen "Betrüger" und einen "Möchtegern-Diktator", der "den Finanzmärkten viel Schaden zufügen" werde

Heute geht das Weltwirtschaftsforumstreffen im schweizerischen Wintersportort Davos zu Ende, bei dem sich Eliten aus Politik, Wirtschaft und Medien einmal jährlich austauschen. Das bestimmende Thema in diesem Jahr war der neue US-Präsident Donald Trump, der heute in sein Amt eingeführt wird und von dem die Elitenvertreter in Davos offenbar mehrheitlich nicht begeistert sind.

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Am deutlichsten brachte das der umstrittene Investor George Soros zum Ausdruck, der schimpfte, der neue US-Präsident sei ein "Hochstapler", ein "Betrüger" und ein "Möchtegern-Diktator", der "den Finanzmärkten viel Schaden zufügen" werde. Bei dieser Einschätzung könnte eine Rolle gespielt haben, dass Soros vor der Wahl ganz auf Trumps Gegnerin Hillary Clinton setzte und einer (von ihm nicht bestrittenen) Rechnung des Wall Street Journals nach über eine Milliarde Dollar verlor, weil er darauf wettete, dass die Kurse an den Aktienmärkten nach Trumps Wahlsieg nicht nur kurzfristig sinken würden.

Der aktuelle Kursanstieg geht Soros' Ansicht nach auf einen "Traum" der Märkte von weniger Regulierung und niedrigeren Steuern unter Trump zurück, der sich ihm zufolge nicht erfüllen wird: Trump werde "scheitern", weil er "widersprüchliche Ideen" verfolge. Außerdem warnt Soros vor einem Handelskrieg mit China, aus dem eine militärische Auseinandersetzung entstehen könne. Im letzten Jahr hatte der Investor prophezeit, dass es dort einen Crash geben werde, der bislang ausblieb. Nun sieht Soros China an einem "Scheidepunkt zu einer offeneren oder geschlosseneren Gesellschaft".

Soros' Prognosen sind insofern mit Vorsicht zu genießen, als er sowohl wirtschaftliche wie auch politische Eigeninteressen hegt, die er mit dem In-die-Welt-Setzen von Gerüchten fördern könnte. Er wurde zu einem Namen, den man kennt, als er 1992 mit seinem Hedgefonds Quantum gegen das britische Pfund spekulierte und dabei - auch auf Kosten der britischen Volkswirtschaft - einen Milliardengewinn machte. Heute sieht ihn Bloomberg mit einem Vermögen von etwa 25 Milliarden Dollar an sechsundzwanzigster Stelle auf der Liste der reichsten Menschen der Welt.

Nur bedingt anders als bei den Eliten in Davos bewertet man Trump unter deutschen Politikern, die sich einer Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zufolge eher nichts Gutes von ihm erwarten. Der SPD-Politiker Niels Annen brachte (wahrscheinlich unfreiwillig deutlich) einen wichtigen Grund für diese Vorbehalte zum Ausdruck, als er meinte, Trump ist kein "normaler Politiker". Was der SPD-Politiker als Kritik meint, war für viele von Trumps Wählern ein Anlass, für ihn zu stimmen, weil sie sich von "normalen Politikern" wie Hillary Clinton noch weniger erwarteten als von einem "Joker".

Der Kolumnist Henryk M. Broder hält Trump in einem für die Tageszeitung Die Welt verfassten Text für einen "Amateur und Grobian, dem diplomatische Umgangsformen […] wesensfremd sind", meint aber, man solle " kurz innezuhalten" und anerkennen, dass er "in einer demokratischen Wahl nach allen Regeln der US-Verfassung ins Amt gewählt" wurde" und dass "alle Versuche, diese Wahl zu delegitimieren, gescheitert sind". "Die 'dummen' Leute, die ihn gewählt haben", sind seiner Ansicht nach "jedenfalls klug genug, um zu erkennen, dass die Polit-Profis versagt haben - auf der großen Bühne der Weltpolitik, von der Ukraine bis Syrien, und auf den kleinen Bühnen von North Dakota bis West Virginia, wo der von Obama versprochene Wohlstand nicht eingetroffen ist."

Für mehr Aufsehen als solche Stellungnahmen von Wirtschaftsführern, Politikern und Kolumnisten sorgte in Sozialen Medien eine Sendung des US-Nachrichtenkanals CNN, in der die Journalisten Wolf Blitzer und Brian Todd erörterten, was passieren würde, wenn Donald Trump und dessen Vizepräsident Mike Pence noch am Tag der Amtseinführung und vor dem Ableisten ihrer Amtseide zusammen einem Anschlag zum Opfer fielen. Todd vertrat dabei die Ansicht, dass in solch einem Fall nicht unbedingt der Repräsentantenhaussprecher das Amt des Präsidenten übernehmen müsste (aktuell also Paul Ryan, einer der etablierten Republikaner, die mit Trump nicht auf sonderlich gutem Fuß stehen), sondern dass auch Obamas Außenminister John Kerry (ein Demokrat) oder dessen Staatssekretär Tom Shannon infrage kämen (vgl. Für Aufregung sorgt ein CNN-Bericht über Notfallpläne, falls ein größerer Anschlag geschehen sollte).

Nutzer Sozialer Medien sahen diese Debatte in der Sendung The Situation Room teilweise als indirekten Aufruf dazu, einen Anschlag zu verüben, damit die Demokraten (denen CNN klar zuneigt) die Macht behalten. Eine der Ursachen für die weite und schnelle Verbreitung dieses Vorwurfs dürfte sein, dass solche stark übertriebenen Vorstellungen von Verantwortung und Urheberschaft in der Vergangenheit auch von Mainstreammedien eingesetzt wurden - und nun auf sie zurückfallen. (Peter Mühlbauer)

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