Später Erfolg für einen Ladenhüter

Katar, Ägypten und Indien kaufen Frankreich Rafale-Kampfjets ab

Die 1961 fertige Mirage III war ein von Dassault entwickeltes und gebautes Kampfflugzeug, das in 20 Länder verkauft wurde und dabei teilweise so hohe Erlöse erzielte, dass man damit ein Viertel der französischen Erdölimporte bezahlen hätte können. Die Mirage F1, die Dassault ab 1973 verkaufte, wollten nur noch zehn Länder. Und die Mirage 2000, die der Hersteller ab 1984 produzierte, lediglich acht.

Das am 4. Dezember 2000 vorgestellte Kampfflugzeug Rafale (Windstoß), wollte fünfzehn Jahre lang kein einziges Land (außer Frankreich): Algerien, China und Venezuela kauften russische Suchoi Su-30, Marokko, die Türkei und Griechenland bestellten amerikanische F-16, Israel, Japan und Singapur wollten F-35, Saudi-Arabien, Oman und Österreich entschieden sich für den Eurofighter und Brasilien, die Schweiz und Südafrika griffen zum verhältnismäßig preisgünstigen schwedischen Gripen (der in der Eidgenossenschaft später trotzdem an einer Volksabstimmung scheiterte).1

Dassault Rafale. Foto: Dmitry A. Mottl. Lizenz: Public Domain.

Nun wurden in kurzem Abstand plötzlich Rafale-Verkäufe an Ägypten, Indien und Katar gemeldet: Das Golfemirat Katar, dem Dassault-Chef Eric Trappier diese Woche in Anwesenheit des französische Staatspräsidenten François Hollande für insgesamt 6,3 Milliarden Euro 24 Rafale-Kampfjets verkaufte, pflegt schon länger eine Geschäftsbeziehung mit dem Hersteller: Von den aktuell 18 katarischen Militärjets sind zwölf Dassault Mirage und sechs Alpha Jets, die von Dassault und der deutschen Forma Dornier gemeinsam entwickelt wurden. Ist Katar auch mit den neuen Flugzeugen zufrieden, sieht der Vertrag eine Kaufoption für weitere zwölf Maschinen vor.

In Ägypten, das den aktuellen Rafale-Run auslöste, als es im Februar 24 Maschinen bestellte, sind 75 Mirage im Betrieb und weitere 27 eingelagert. Das ist allerdings bei weitem nicht die Mehrzahl: Bei den den aktiven ägyptischen Kampfflugzeugen führt die amerikanische F-16 mit 186 Maschinen, bei den eingelagerten die alte russische MiG-21 mit 300. Von den chinesischen MiG-Adaptionen Chengdu F-7 sind 27 in Betrieb und 150 im Abstellhangar. Hinzu kommen 14 aktive und 35 eingelagerte amerikanische Phantom II.

Indien scheint dagegen beim Waffenkauf zunehmend auf eigene Entwicklungen zu setzen: Das 1,3-Milliarden-Millionen-Einwohner-Land, das in der Vergangenheit über 300 russische MiGs kaufte, ergänzt diese nicht nur durch 272 Suchoi Su-30, sondern hat auch ein Kooperationsabkommen mit dem russischen Hersteller geschlossen, das den gemeinsamen Bau von 250 Maschinen ab 2020 vorsieht. Indischer Partner ist dabei die Staatsfirma Hindustan Aeronautics Limited (HAL), deren acht leichte Tejas-Kampfflugzeuge bislang nur in ihrem Heimatland fliegen.

Auch mit Dassault wurde über eine Kooperation verhandelt, die vorsah, dass Indien 126 Rafale kauft, von denen 108 in Nashik und nur 18 in der Nähe von Bordeaux gefertigt werden. Die Franzosen waren jedoch mit dem HAL-Flugzeugwerk in Nashik nicht sehr zufrieden und wollten keine Garantie dafür übernehmen, dass die dort gefertigten Maschinen problemlos funktionieren - worauf das indische Verteidigungsministerium bestand. Deshalb nimmt Indien lediglich 36 Rafale ab, die alle in Frankreich hergestellt werden. Sie ergänzen die 118 SEPECAT Jaguar der indischen Luftwaffe, die von der von französischen Firma Breguet und der British Aircraft Corporation gemeinsam entwickelt wurden.

Nun hofft man in Frankreich, dass Malaysia seine alten MiGs durch Rafale ersetzt. Kanada, wo ebenfalls ein Kampfflugzeugkauf ansteht, lockt man mit einem Einblick in den Software-Quellcode des Flugzeugs, der die Wartungskosten der Maschinen deutlich herabsetzen würde. Ob die beiden Geschäfte zustande kommen, ist offen. Denn anders als beim Quartettspiel geht es beim Kampfflugzeugkauf nicht nur um technische Daten und Kosten, sondern (mindestens ebenso sehr) um politische Erwägungen. Und die Seitenabsprachen werden der Öffentlichtkeit - wenn überhaupt - oft erst lange nach einem Geschäft bekannt. (Peter Mühlbauer)

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