Spaghettimonsterkirchentag in Leipzig

Fliegendes Spaghettimonster in Plüsch. Foto: Nadine. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Gegenveranstaltung zum Katholikentag soll auf Millionenzuschuss aufmerksam machen

Vom 25. bis zum 29. Mai findet in Leipzig der 100. deutsche Katholikentag statt. Dabei werden mindestens 30.000 Besucher erwartet, die an Gottesdiensten und Veranstaltungen wie Speakers Corner - Say Something Nice, Fürbitte 2.0 - Werden Sie Ihre Sorgen und Wünsche los und Gebet XXL - Nehmen Sie Platz teilnehmen.

Das kostet insgesamt 9,9 Millionen Euro, die nur zu einem knappen Drittel aus Beiträgen, Merchandise-Vekäufen und Spenden hereingewirtschaftet werden. Der Rest kommt von der Kirche und dem Staat. Die deutschen Bistümer zahlen mit 2,1 Millionen aber deutlich weniger dazu als die öffentliche Hand, die die Veranstaltung mit 500.000 Euro Bundes-, 3.000.000 Euro Landes- und 1.000.000 Stadtmitteln unterstützt.

Mit diesem städtischen Millionenzuschuss sind nicht alle Leipziger einverstanden. Die Piratenpartei-Stadträtin Ute Gabelmann hat deshalb eine Gegenveranstaltung organisiert. Die soll den Kirchentag nicht stören, aber Aufmerksamkeit erzeugen - mit einer Open-Air-Nudelmesse der Religionsparodie Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters, die am Sonntag um 11 Uhr 30 Uhr parallel zum katholischen Kirchentagsabschlussgottesdienstes auf dem Augustusplatz an der Ecke Radisson-Hotel stattfindet.

Fliegendes Spaghettimonster in Plüsch. Foto: Nadine. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Gabelmann, die sich als Spaghettimonster-Aktivistin "Schwester Farfalle" nennt, hatte vorher mit der Initiative (K)eine Million versucht, den städtischen Zuschuss mit einer Unterschriftensammlung zu verhindern, war aber mit nur 18.400 an der Mindestzahl für ein Bürgerbegehren gescheitert. Nötig gewesen wären 21.225 gültigen Unterschriften - die von fünf Prozent der stimmberechtigten Einwohner.

Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters wurde 2005 von einem US-Physiker ins Leben gerufen, der darauf aufmerksam machen wollte, auf welch schwacher Grundlage der teilweise an US-Schulen gelehrte Kreationismus steht. Die Religionsparodie verbreitete sich schnell und wurde in Deutschland 2012 als Verein von der Körperschaftsteuer befreit. Der Versuch eines Schwabinger Designers, Betriebsnebenräume, die er mittels einer Spülbürste und Nudelwasser zu einem Sakralraum der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters weihte, analog zu christlichen Kirchen von der Rundfunkgebühr befreien zu lassen, scheiterte dagegen im letzten Jahr (vgl. Spaghettimonster-Klage geht nach hinten los).

In Neuseeland erhielt die örtliche Spaghettimonsterkirche-"Päpstin" Karen Martyn Ende letzten Jahres eine staatliche Lizenz zur Durchführung von Trauungen. Die erste davon fand am 16. April 2016 auf einem Schiff vor Christchurch statt. Martyn hat angekündigt, die Lizenz auch zum Verehelichen von schwulen und lesbischen Paaren einzusetzen, die in Neuseeland bislang nicht heiraten können.

In Österreich sitzt mit dem Religionskritiker Niko Alm sogar ein Spaghettimonster-Aktivist im Parlament (vgl. Pastafari im Parlament). Alm wurde bekannt, weil er mutmaßte, dass für Religiöse eine Ausnahme vom Kopfbedeckungsverbot bei Führerscheinfotos gemacht wird. Also setzte er sich für seines kurzerhand ein Nudelsieb auf und machte geltend, dass dies seine Pflicht als Anhänger des Glaubens an das Fliegende Spaghettimonster sei. Nach einer amtsärztlichen Untersuchung vom Alms Geisteszustand und einer längeren Wartezeit akzeptierte die Wiener Bundespolizeidirektion das Foto schließlich (vgl. Nicht anerkannte Kopimisten und ein erlaubtes Nudelsieb).

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