Spammer leben gefährlich

Eine israelische Firma bietet ein Programm zum Zurückspammen an, in Moskau wurde der bekannteste russische Spammer ermordet

Vardan Kushnir ist nicht nur in Russland bekannt gewesen. Als Leiter von Sprachschulen (Center for American English, New York English Centre und Centre for Spoken English) hat er aber vor allem die russischen Internetnutzer mit Spam überhäuft. Zu Zeiten schickte er Millionen von Emails aus, um für seine Sprachschulen zu werben. Jetzt wurde er ermordet. Feiner versucht eine israelische Firma Spammer zu bekämpfen, indem sie den Spieß umdreht. Das lehnen manche Kritiker ab, weil es sich um Selbstjustiz handelt und eine Website angegriffen werde.

Zur Bekämpfung von Spammern bietet die israelische Firma Blue Security Kunden, die sich bei ihr registriert haben, den Dienst an, mit Spam zurückzuschlagen. Nach einer Vorwarnung werden die Bestellformulare auf den Websites der Spammer mit Beschwerden gefüllt. Das kann sie bei entsprechend vielen Einträgen auf Dauer lahm legen und soll deren Betreiber dazu bringen, das Versenden von unerwünschten Werbemails einzustellen.

Eran Reshef, der Chef des Start-up-Unternehmens, meint, dass mit einer solchen Gegenwehr der "Kampf gegen die Spammer" gewonnen werden könne, da passive Mittel wie Filter nicht wirklich erfolgreich seien. Das Programm von Blue Security durchsucht die Mail des Kunden nach Spam, sendet dann an die Absender eine Warnung und beginnt schließlich für jede Spam eine Beschwerde auf der Website des Absenders einzutragen. Um die Behinderung ihrer Website durch die Beschwerdeflut abzubauen, müssten die Spammer ein Programm der Firma übernehmen, mit der die Emails der Kunden aus den Mailinglisten der Spammer gelöscht werden.

Angeblich seien damit erste Erfolge erzielt worden. Zunächst hätten die Spammer versucht, die URLs der Websites zu verändern, dann aber hätten sie brav die Software von Blue Security heruntergeladen und die Adressen gelöscht. Gegen die Kritiker gewendet, betont Eran Reshef von Blue Security in einer "Ethik der Abschreckung", dass ihr Spam-Bekämpfungsprogramm ja keine Websites angreife, wie der Firma vorgeworfen werde, sondern dass es einzig darum gehe, Beschwerden über Spam einzureichen, was richtig, legal und angemessen sei:

It is legal, right and honorable to complain about spam you receive. I bet each and every one of those bloggers sent such a complaint at some point in time. And this is exactly what each member of our community is doing – complaining about spam messages that reach them. I want to make this crystal clear: we just complain about spam messages reaching us.

Aus dem Wettbewerb “Kill the American English Centre. Bild: www.cartoon.ru

Mit solchen Mitteln hätte man allerdings die Aktivitäten des russischen Spammers Kushnir nicht wirklich beeinträchtigen können, auch wenn sogar ein russischer Minister vor zwei Jahren aus Wut zu einer ähnlichen Maßnahme gegriffen hatte. Die Website von Kushnirs Sprachschulen war nämlich nur selten online, da sie nicht nur von Beschwerden, sondern immer wieder tatsächlich zum Opfer von DoS-Angriffen erzürnter Empfänger seiner Spam wurde. Kushnir versandte daher in seinen Emails die Telefonnummern für diejenigen, die trotz Spam noch interessiert an Kursen sein sollten. Allerdings erhielt er telefonisch neben Beschimpfungen auch Todesdrohungen. Im Internet organisierten sich Nutzer, um gegen ihn zu mobilisieren. Seine Telefonnummern wurden auch von diesen verbreitet, um die Menschen aufzufordern, dort anzurufen, man gab sie beispielsweise auch als Kontaktnummern auf Kontakt- und Pornoseiten ein.

Auf dem Höhepunkt seiner Aktivitäten versendete Kushnir Millionen von Emails täglich und verwendete alle möglichen Mittel, um die Spamfilter auszutricksen. Der 2003 in Russland bekannteste und berüchtigste Spammer hat schließlich auch den stellvertretenden Kommunikationsminister Andrei Korotkov verärgert. Da es in Russland noch keine gesetzliche Möglichkeit gab und noch immer nicht gibt, gegen Spammer vorzugehen, hatte der Minister im Sommer 2003 zunächst Kushnir gebeteten, die Adresse seines Amtes aus der Liste herauszunehmen. Als Dank erhielt er gleich noch Dutzende von Emails für Sprachkurse, zudem kam weitere Spam an ihn persönlich adressiert.

Mit einer vor kurzem gegründeten Organisation gegen schädliche Programme kam der Kommunikationsminister schließlich auf die Idee, den Spieß umzukehren, und die Telefone der Sprachschule mit einer Tonbandaufnahme zu spammen, in der der Minister Kushnir aufforderte, das Spammen einzustellen. Ansonsten würde er Schwierigkeiten erhalten. Das wurde auch zu einer Slashdot-Meldung. Rechtlich konnte der Minister zwar nichts machen, so war aber immerhin die Telefonverbindung zeitweise gestört.

Kushnir ließ sich davon jedenfalls nicht beeindrucken. Er war allerdings auch noch in andere krumme Aktivitäten wie Steuerhinterziehung oder Aktienbetrug verwickelt. Am Sonntag wurde er durch mehrere Schläge ermordet in seiner Wohnung in Moskau von der Polizei gefunden. Ob sein Spamming die Ursache für den Mord war, ist nicht bekannt.

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