Spanien: Weiterer Terror-Anschlagsversuch in Cambrils

Strandpromenade in Cambrils, wo ein zweiter Anschlag bzw. Anschlagsversuch stattfand. Foto: Rauenstein / CC BY-SA 3.0

Fünf mutmaßliche Terroristen wurden von der Polizei getötet

Dem Auto-Anschlag in Barcelona folgte nach Meldungen vom Freitagmorgen ein "Anschlagsversuch" ebenfalls mit einem Auto im spanischen Küstenort Cambrils, etwa 120 Kilometer südlich von Barcelona. Laut Tagesschau hatten mehrere Attentäter in der Nacht auf den 18. August beabsichtigt, "mit ihrem Wagen in eine Menge zu rasen". Allerdings sei das Auto von Sicherheitskräften kontrolliert worden; bei der Verfolgung sei es umgekippt, die Männer seien geflohen und "dann niedergeschossen" worden.

Der Spiegel berichtet - ebenfalls mit Bezug auf Aussagen der Regionalregierung - davon, dass die mutmaßlichen Terroristen auf der Strandpromenade in Cambrils bereits mehrere Menschen umgefahren hatten, bevor sie gestoppt wurden. Le Monde berichtet von sieben Verletzten, darunter ein Polizist. Demnach kann man auch von einem Anschlag sprechen.

Gestützt auf Informationen der spanischen Zeitung "La Vanguardia" berichtet der Spiegel, dass das Auto der fünf Männer bei einer Sicherheitskontrolle aufgefallen und bei der anschließenden Verfolgungsjagd von der Straße abgekommen sei. Fünf Männer seien aus dem Fahrzeug geklettert, es sei es zu einer Schießerei gekommen, bei der sie getötet wurden. Angeblich hatten die Männer Sprengstoffgürtel bei sich, die aber Attrappen waren.

Die Polizei geht nach den genannten Berichten davon aus, dass das Geschehen in Cambrils, das sich etwa um Mitternacht ereignete, mit dem Anschlag in Barcelona Stunden zuvor in Zusammenhang steht. Auch eine Explosion in einem Haus in Alcanar, 200 Kilometer von Barcelona entfernt, wo am Mittwoch ein Mensch getötet wurde, wird damit in Verbindung gebracht.

Der Fahrer des Autos, der in Barcelona 13 Menschen tötete und mehr als 100 verletzte, ist noch auf der Flucht; zwei Verdächtige, die mit der Tat in Verbindung stehen sollen, sind in Polizeigewahrsam. Der IS hat sich kurz nach ersten Anschlag wie üblich über Amaq dazu bekannt. "Soldaten des IS" seien für den Angriff auf eines der Länder der Anti-IS-Koalition verantwortlich.

Die Informationslage ist zur Stunde undurchsichtig, widersprüchlich und spärlich. Spanische Medien wie El Pais schildern einen Ablauf, der sich vom genannten Tagesschau-Bericht unterscheidet. Über die genauen Hintergründe, über den flüchtigen Attentäter in Barcelona oder die Herkunft der getöteten mutmaßlichen Attentäter in Cambrils ist so gut wie nichts bekannt.

Während sich Medien und Experten mit der Situation auseinandersetzen, dass sich Europa darauf einstellen müsse, dass die Gefahr von Terroranschlägen bleibt, gab es von spanischen Terror-Spezialisten den Verweis, es habe sich schon vor dem Anschlag gezeigt, dass die Provinz Barcelona "ein zentraler Dschihadisten-Radikalisierungs-Ort" in Spanien sei. Auch der deutscher Terror-Experte Peter R. Neumann vertritt diese Ansicht.

Am Donnerstag hatte die französische Zeitung Le Figaro mit einem Aufmacher-Bericht auf die Gefahr der Rückkehrer aus dem Dschihad in Syrien hingewiesen. Gestützt auf einen noch unveröffentlichten Bericht des Radicalisation Awareness Network (RAN) der EU gab die Zeitung hohe Zahlen bekannt.

Demnach sollen sich nach Schätzungen, die von einem US-Senatsausschuss stammen, etwa 42.000 ausländische Kämpfer aus 120 Ländern in den Jahren zwischen 2011 und 2016 dem IS angeschlossen haben. 5.000 davon sollen aus Europa kommen. Ergänzt wird, dass sich die Kämpfer aus Europa nicht nur dem IS, sondern auch anderen dschihadistischen Milizen, wie etwa der al-Nusra-Front, angeschlossen haben.

Die Zahlen der "ausländischen Kämpfer" seien weitaus höher als in den vergangenen "Dschihad-Kriegen" in Afghanistan, Bosnien, Tschetschenien oder im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts im Irak. Laut Einschätzung der europäischen Sicherheitsdienste rechnet man im Durchschnitt mit etwa 20 bis 30 Prozent Rückkehrern. Als absoluten Zahlen werden 1.200 bis 3.000 Rückkehrer genannt, wobei die Rückkehrrate von Land zu Land unterschiedlich sei.

In Dänemark, Schweden oder Großbritannien sei sie höher. Aufmerksam gemacht wird darauf, dass sich mittlerweile eine "zweite Generation" von europäischen Dschihadisten in Syrien aufhalte, die noch "härter" sei als die erste, da sie unter härteren Bedingungen und mit weniger Illusionen mit IS-Milizen gekämpft habe.

Wie groß das spanische "Kontingent" an Dschihadisten ist, die nach Syrien reisten, ist nicht genau bekannt. Eine ältere Studie von Anfang 2014, die 20 solcher Dschihadreisende untersucht hat, stellt heraus, dass ein Großteil dieser kleinen Gruppe aus der spanischen Enklave Ceuta in Marokko stammt. Es gebe demnach ein "etabliertes marokkanisch-spanisches Terrornetzwerk". Inwieweit dies bei den aktuellen Anschläge eine Rolle spielt, muss sich erst noch zeigen.

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