Spanien zerrt nun auch Puigdemonts Anwalt vor Gericht

Bild Gonzalo Boye: Òmnium Cultural / CC-BY-SA-2.0 / Bild Carles Puigdemont: Generalitat de Catalunya / Public Domain

Gonzalo Boye, erfolgreich bei der Verteidigung des katalanischen Exil-Präsidenten auf internationaler Bühne, wird plötzlich angebliche "Geldwäsche" im Drogenhandel vorgeworfen

Ist es ein Zufall, dass ausgerechnet vor anstehenden Entscheidungen über die mögliche Auslieferung von Carles Puigdemont aus Belgien nach Spanien, dessen spanischer Anwalt mit einer Anklage überzogen wird? Jedenfalls klagt am Nationalen Gerichtshof in Madrid die Richterin María Tardón den Anwalt Gonzalo Boye nun wegen "Geldwäsche" innerhalb einer kriminellen Vereinigung an.

Nachdem dies bekannt wurde, kündigte Boye in einer Presseerklärung an, in "der entsprechenden Frist" und der "angemessenen Form" die notwendigen "Beweise" vorzulegen, die ihn "ohne Zweifel entlasten". Man werde dies tun, nachdem man die Ermittlungen analysiert habe, die fast zwei Jahre geheim geführt wurden.

Einige der insgesamt 45 Angeklagten - Boye war nicht darunter - waren am 6. Februar 2017 am Madrider Flughafen verhaftet worden, als sie versuchten, fast 900.000 Euro im Gepäck aus dem Land zu schmuggeln. Nach Ansicht der Richterin habe auch Boye danach "Dokumente" angefertigt, um einen "fiktiven Warenkauf" vorzutäuschen. Das Ziel sei es gewesen, die am Flughafen beschlagnahmte Summe zurückzubekommen.

Boye hat immer wieder erklärt, mit dem Vorgang nichts zu tun zu haben, er sei von Manuel Puente Saavedra "falsch" angeschuldigt worden. Ohnehin ist die Anklage merkwürdig, wie soll Geld gewaschen worden sein, das das Gerichtsgebäude nie verlassen hat? Bestenfalls könnte es sich um einen Versuch handeln.

Der Vertraute des Drogenbosses José Ramón Prado Burgaño, einer der historischen Drogenbosse aus dem spanischen Galicien, wurde jedenfalls nach der Anschuldigung im August 2019 unter Auflagen freigelassen. Das war für Boye ein sonderbarer Vorgang. Schließlich gab es deutliche Indizien, dass Puente Saavedra mindestens einen Mord in Auftrag gegeben haben soll.

Santiago Quintero Marín war im Januar 2018 in Kolumbien erschossen worden und in der Wohnung von Puente Saavedra wurden Kopien des Führerscheins und des Reisepasses des Opfers gefunden. Auch abgehörte Telefonate weisen auf eine Mittäterschaft hin. Obwohl sich Spanien in dem Fall sogar mit einem Rechtshilfeersuchen an Kolumbien gewandt hatte, ließ Tardón den geständigen Drogenkapo laufen, dessen Aufenthaltsort unbekannt ist.

Für Boye, der zum Beispiel auch entscheidend dazu beigetragen hat, dass Puigdemont einst nicht von Deutschland an Spanien ausgeliefert wurde, ist klar, dass er für sein Eintreten für die Katalanen mit dieser Anklage konfrontiert wird. "Man behandelt mich wie einen Feind, wie sie es mit den Katalanen machen", erklärte der Madrider Anwalt. Es gehe darum, die Verteidigungsrechte der Exil-Katalanen zu destabilisieren. "Ich werde keinen Schritt zurückweichen, denn ich stehe auf der richtigen Seite."

Der Vorgang reiht sich in verschiedene merkwürdige Vorgänge ein. Schon zwei Mal war in das Büro des Anwalts eingebrochen und alles sei durchwühlt worden. Als im vergangenen September zum zweiten Mal in das Büro eingebrochen wurde, twitterte der Linken-Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko:

Gonzalo Boye, der Anwalt von Carles #Puigdemont, gehört zu den renommiertesten Anwälten in #Spanien. Es ist Besorgnis erregend und völlig inakzeptabel, dass in seine Kanzlei zum zweiten Mal innerhalb von 9 Monaten von Unbekannten eingebrochen wurde.

Andrej Hunko

Boye erklärte: "In weniger als 9 Monaten haben wir zwei Mal Besuch von "Unbekannten" bekommen, die offenbar nichts mitgenommen haben. Schauen wir, ob sie nicht vielleicht etwas gebracht haben."

Die Vorgänge erinnern sehr an die "Kloaken", wo eine illegale "politische Brigade" der Polizei immer wieder falsche Anschuldigungen produziert hat, unter anderem auch gegen den heutigen Vize-Ministerpräsident Pablo Iglesias. Katalanen wie der ehemalige Bürgermeister Barcelonas Xavier Trias, dem ohne triftige Belege Korruption vorgeworfen worden war, standen dabei im Vordergrund.

Derzeit steht der ehemalige Innenminister Jorge Fernández Díaz vor Gericht, der hinter der "Operation Kitchen" gestanden haben soll. Dabei soll die regierende Volkspartei (PP) unter anderem sogar einen nun verurteilten "Auftragsverbrecher" angeheuert haben, bezahlt aus Steuergeldern, um per Raub und Entführung Unterlagen an Unterlagen zu kommen, die die PP in ihren Schmiergeldaffären schwer belasten.

Sogar der Fahrer des ehemaligen Schatzmeisters Luis Bárcenas wurde bestochen, um an Informationen zu kommen, wie auch die FAZ berichtete. Und dass die Richterin Tardón, die nun den Anwalt Boye anklagt, ausgerechnet aus der Partei stammt, die gerichtsfest ein "effizientes System institutioneller Korruption" betrieben hat und hinter "Kitchen" stand, ist kein gutes Zeichen. Tardón saß für die PP im Stadtrat von Madrid. (Ralf Streck)