Spanisches Knebelgesetz knebelt schon

Tierschützer wenden das Gesetz gegen seine Befürworter, um gegen Tierquälerei zu protestieren

Womit aber weder die Macher noch die Gegner gerechnet haben, ist die Tatsache, dass sich das Gesetz auch gegen die richten kann, die es beschlossen haben. Denn die bisher höchste Strafe droht San Juan de Coria. Die Gemeinde in der Extremadura wird von der Partei regiert, die das Gesetz im Alleingang durchgedrückt hat. Und die hätte es sich nicht träumen lassen, dass man wegen des unverantwortlichen Vorgehens zu einer Geldstrafe von bis zu 30.000 Euro verdonnert werden könnte.

Bild: Pacma

Die Basis dafür bildet die Anzeige der Tierschutzpartei Pacma. Sie hat mit Videoaufnahmen dokumentiert, dass bei der festlichen Stierhatz im Juli der völlig entkräftete Stier nach eineinhalb Stunden der Quälerei per Gewehrschuss von einem ausgewählten Bürger niedergestreckt wurde. Das geschah auf belebten Platz, auf dem sich die feiernde Bevölkerung aufhielt. Da der Gnadenschuss aus einer Sicherheitsdistanz abgegeben wird, ist nicht ausgeschlossen, dass er danebengeht und einen Schaulustigen trifft.

Die Pacma wendet das Gesetz gegen seine Befürworter, um gegen die Tierquälerei zu protestieren. Sie führt an, dass das Tragen und die Nutzung einer Waffe bei öffentlichen Spektakeln ein schwerer Verstoß gegen das neue Gesetz ist. Die Partei spricht von einer "schrecklichen" Tierquälerei und dazu würden Menschen durch den "Waffeneinsatz" gefährdet. Denn schon seit 2009 wird der Stier in der Gemeinde erschossen. Zuvor wurde er noch grausamer traktiert und von der Bevölkerung zu Tode gefoltert. Bis 2009 wurde das Tier mit Pfeilen aus Blasrohren so lange beschossen, bis praktisch komplett gespickt war und langsam und grausam starb.

Der Bürgermeister José Manuel García Ballesteros (PP) verteidigt das Vorgehen in seiner Gemeinde und will Einspruch einlegen, wenn die Geldstrafe festgesetzt ist. "Wir haben perfekt alle Richtlinien eingehalten", erklärte der Bürgermeister und verweist auf ein Reglement, mit denen die Festlichkeiten in der Gemeinde geregelt werden. Bei der Guardia Civil sieht man aber einen Verstoß gegen das neue Gesetz. Sie hat den Fall der Regionalregierung der Extremadura übergeben, die die Strafe festsetzen wird. (Ralf Streck)