zurück zum Artikel

Spiele und Zubehör für den Amiga 500

Commodore Amiga 500 (Unten: Die Anschlüsse auf der Rückseite). Bilder: Retro Gamer

Der Commodore Amiga 500 ist einer der beliebtesten 16-Bit-Homecomputer und bietet Tausende von Spielen aus allen Genres.

Einen Nachfolger für den extrem erfolgreichen Commodore 64 zu finden, war keine leichte Aufgabe. Dennoch würde wohl kaum jemand bestreiten, dass der Amiga eine großartige Fortsetzung war. Das große Erbe wurde von dem 1987 erschienenen Gerät würdig fortgesetzt und brachte einige der besten 16-Bit-Spiele der Ära hervor. Für Sammler ist der Amiga damit heute ideal! Zu seiner Zeit wurde der A500 zwar gerne "für die Hausaufgaben" von den Eltern erbettelt, doch war jedem Jugendlichen klar, was er wollte: Einen Power-Rechner mit gewaltiger Grafikleistung und schnellen, wunderschönen Spielen.

Der spezialisierte Chipsatz des Amiga 500 war der Grund für seine immense Rechenpower: Spezialisierte Chips kümmerten sich um Aufgaben wie Audio- und Grafikberechnung und hielten der CPU den Rücken für andere Aufgaben frei. Außerdem konnte der Amiga Sound-Samples abspielen, was ihn zu einem großartigen Gerät für die Demoprogrammierung und für Hobbymusiker machte. Wie viele Geräte dieser Zeit war die Maschine von Commodore aber nicht explizit auf Spiele ausgelegt.

Der Vorgänger des Amiga 500, der Amiga 1000 aus dem Jahre 1985, zielte voll auf Büroanwendungen ab und sollte als Gegenspieler des Apple Mac­intosh auftreten, obwohl er auch Spiele laufen lassen konnte. Durch die Beliebtheit des Atari ST waren die meisten Spiele allerdings direkte ST-Umsetzungen und nutzten die Rechenleistung des A1000 nicht voll aus. Schlimmer noch: Commodore versemmelte die Vermarktung des Computers und musste quasi zwangsweise über eine günstigere Variante - eben den Amiga 500 - nachdenken. Letztendlich wurde genau das die Rettung der Marke Amiga.

Durch die Dominanz der IBM-kompatiblen PCs und der Apple Macs in Nordamerika war der Amiga 500 in den Vereinigten Staaten kein dominanter Heimcomputer. In Europa allerdings feierte der Amiga 500 die größten Erfolge, was auch der Tatsache zu verdanken ist, dass viele Nutzer ihre alten 8 Bit-Systeme wie Commodore 64 oder Atari 800XL upgraden wollten. Der Amiga 500 wehrte erfolgreich die Angriffe seines Rivalen Atari STE ab und konnte Anfang der Neunziger einige große Exklusivtitel wie The Chaos Engine für sich verbuchen. Diese waren so erfolgreich, dass sie später sogar für die neuen Heimkonsolen aus Japan umgesetzt wurden - und sich bei Sammlern heute immer noch großer Beliebtheit erfreuen.

Obwohl der Amiga 500 klarer für den Massenmarkt positioniert war als der Amiga 1000, war Commodore zögerlich mit der Vermarktung als Spieleplattform. Doch 1989 fiel der Preis unter 1.000 DM. Außerdem erschien das Batman-Bundle, das vielleicht erfolgreichste Paket aus Computer oder Konsole mit einem Spiel. Immer öfter legte Commodore nun Spiele in die Amiga-Schachtel, sodass das Gerät sich nach und nach als Spielplattform etablierte. Der Amiga 500 war auch verantwortlich für den Aufstieg einiger bekannter Studios wie Bullfrog, Team 17, Sensible Software, DMA Design, Factor 5, den Bitmap Brothers oder Psygnosis. Titel wie Speedball 2, Populous, Sensible Soccer, Cannon Fodder, Turrican, Lemmings und Worms wurden zuerst auf dem Amiga berühmt, bevor sie andere Systeme eroberten. Die unglaubliche Bandbreite an Titeln, von denen viele besser sind als ihre Atari-ST- oder PC-Konvertierungen, machen den Amiga und seine Spiele heute zu begehrten Sammlerobjekten. Wie auch beim Commodore 64 oder Spectrum entstand auf dem Amiga eine lebendige Szene von Hobbyprogrammierern und daraus eine Community von Demo-Codern.

1084s Monitor. Auf diesem Monitor, den Commodore gemeinsam mit dem Amiga veröffentlichte, sahen die Spiele wirklich verblüffend farbenfroh, detailliert und dynamisch aus. Bild: Retro Gamer

Leider kamen mit der Beliebtheit des Systems auch zunehmend Raubkopien unters Volk. Das Cracken von Spielen war an der Tagesordnung, leere Disketten verkauften sich wie geschnitten Brot und auf den Schulhöfen der Republik wurden fröhlich die neuesten Spielehits getauscht. Die Raubkopien nahmen derart überhand, dass die Verkaufszahlen der Originale in den Keller rauschten. Anfang der 90er folgte der Absturz des Amiga als Spieleplattform, weil die Publisher auf andere, weniger Raubkopie-gequälte Systeme ausweichen mussten. Auch die technische Aufholjagd der PCs zu dieser Zeit spielte eine Rolle.

Im Jahre 1992 wurden dann der Amiga 600 und 1200 auf den Markt gebracht, die jedoch beide den Erfolg des Amiga 500 nicht wiederholen konnten, sodass die Marke Amiga als Spieleplattform an Boden verlor. Die lausige Performance des "dedizierten Entertainment-Systems" Amiga CD32 machte alles noch schlimmer. 1994 musste Commodore Insolvenz anmelden. Doch was für ein Erbe sie der Spielewelt hinterließ!

Während ihrer gesamten Lebensdauer wurden auf den Amiga-Systemen etwa 12.000 Spiele veröffentlicht, was eine komplette Sammlung quasi unmöglich macht. Trotzdem ist der Marktpreis eines Amiga-Titels mit Schachtel oft niedriger als für vergleichbare Systeme; manche kosten auf Ebay nur ein paar Euro. Natürlich gibt es berühmt-berüchtigte Ausnahmen: The Great Giana Sisters etwa, mutmaßlich auf Druck von Nintendo aus dem Handel genommen, die es als dreiste Kopie von Super Mario Bros. sah. Auch Moonstone von Mindscape hat Seltenheitswert, da es wegen seines hohen Gewaltgrades 1992 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert wurde. Dadurch erzielt es regelmäßig hohe Preise, wenn es irgendwo vollständig zum Verkauf steht. Ein wenig häufiger, aber immer noch selten sind einige der Psygnosis-Titel in ihren riesigen Schachteln voller Gimmicks, zum Beispiel die drei Teile der Shadow of the Beast-Reihe. Ebenfalls Sammlerwert haben die Spiele von Cinemaware, die nicht nur ein großartiges Coverdesign aufweisen, sondern auch für sich selbst genommen wunderbare Spiele sind, wenngleich bei einigen die Präsentation vor dem Spielspaß kam. Doch Klassiker wie It Came from the Desert und Defender of the Crown lassen wohl keinen Retrofan kalt. Auch das Puzzlespiel Gem’X und die vollständige Version von Beneath a Steel Sky kosten heute eine Kleinigkeit.

Das Vorhaben, alle guten Spiele des Amiga 500 zu sammeln, darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Ein funktionierendes System und ein paar der wichtigsten Titel könnt ihr als Ausgangsbasis für einen überschaubaren Betrag erwerben. Natürlich müsst ihr die Lebensdauer der Disketten berücksichtigen, aber wenn ihr es mit einer wirklich großen Sammlung von Klassikern aus allen möglichen Genres ernst meint, ist der Amiga 500 dafür die perfekte Wahl.

Die 10 besten Spiele

(1) Eye of the Beholder II, (2) Xenon 2: Megablast, (3) Gods, (4) Sensible World of Soccer, (5) Cannon Fodder, (6) Shadow Of The Beast 2, (7) Speedball 2, (8) Hired Guns, (9) The Chaos Engine, (10) Lemmings. Alle Bilder: Retro Gamer
  1. Eye of the Beholder IIWestwoods zweiter Abstecher in die Welt von D&D war eine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger. Und das will was heißen, schließlich erweiterte schon das Original die Dungeon Master-Vorlage enorm. Der dritte Teil, der nicht mehr von Westwood stammte, war dagegen eine Enttäuschung.
  2. Xenon 2: MegablastXenon 2 unterschied sich deutlich von seinem Vorgänger, unterstrich aber dennoch, dass die Bitmap Brothers Entwickler waren, mit denen man rechnen musste (das Design stammte von ihnen, die eigentliche Programmierung von The Assembly Line). Der gesampelte Soundtrack machte das Spiel noch hochwertiger.
  3. GodsNoch eine Perle der Bitmap Brothers, die für viele die beste Grafik auf irgendeiner 16-Bit-Plattform bot. Diesem mit Rätseln gefüllten Plattformspiel merkt man an, wie gut die Bitmap Brothers mit der Hardware des Amiga umgehen konnten. Es wurde zwar konvertiert, reichte dort aber nie an das Original heran.
  4. Sensible World of SoccerVon manchen wird Sensible World of Soccer noch immer als das beste Fußballspiel aller Zeiten angesehen. Es setzt auf eine sehr direkte Ballführung, man kickt beim Dribbling quasi die ganze Zeit den Ball vor sich her (statt dass er am Fuß klebt, wie in modernen Fußballspielen). Zudem klotzte Sensible beim Umfang: 1.500 Teams und 27.000 Spieler.
  5. Cannon FodderDas Spiel erregte zwar die Gemüter, als es veröffentlicht wurde, doch im Vergleich zu heutigen Top-Titeln wie Call of Duty oder Medal of Honor ist die Gewaltdarstellung bei Cannon Fodder lachhaft. Trotz der Kontroversen sind die Spielbarkeit fantastisch und die Steuerung äußerst gelungen.
  6. Shadow Of The Beast 2Bei der Shadow of the Beast-Reihe war das Äußere immer wichtiger als die inneren Werte. Die hochqualitative Grafik fängt schon beim fantastischen Coverdesign an und erstreckt sich bis ins Spiel (Parallax-Scrolling!). Der Schwierigkeitsgrad war zwar höllisch, doch wegen des eingängigen Soundtracks starten wir das Spiel trotzdem immer wieder gerne.
  7. Speedball 2Mit dieser ebenso futuristischen wie ultra-brutalen Ballsportart landeten die Bitmap Brothers einen Volltreffer. Die Grafik war genial und der Zwei-Spieler-Modus machte so süchtig, dass dieser Titel zu Recht als eines der besten Amiga-Spiele angesehen wird.
  8. Hired GunsDieses Rollenspiel im Stile von Dungeon Master erlaubt die Kontrolle über vier verschiedene Charaktere, die sich allerdings unabhängig voneinander bewegen und ihr eigenes Sichtfenster haben. Einer der wichtigsten Titel von DMA Design und eine nette Abwechslung im Genre.
  9. The Chaos EngineEin weiterer Klassiker der Bitmap Brothers. The Chaos Engine ist ein Shooter in Steampunk-Umgebung, der eindrucksvoll zeigt, warum sein Entwickler Anfang der Neunziger "Meister der 16-Bit-Grafik" genannt wurde. Der Nachfolger von 1996 ist sogar noch besser, aber nicht so bekannt.
  10. LemmingsAls eine der bekanntesten Spielmarken der frühen Neunziger wurde Lemmings auf nahezu jede Plattform jener Zeit umgesetzt. Am bekanntesten sind die Versionen für Amiga und Atari ST. An diesem Spiel merkt man, wie die komfortable Bedienung per Maus zur Verbesserung des Spielspaßes beitragen kann.

Die besten Joysticks

Der Amiga verdankt seine Popularität zwar seinen Grafikfähigkeiten und der immensen Auswahl an Spielen, aber wir dürfen nicht vergessen, dass er eigentlich als Business-Computer entstand. Ein Steuerknüppel war in den frühen Modellen nicht enthalten, zumal sich Actionspiele wie Goldrunner oder RPGs wie Fairy Tale Adventure problemlos mit der Maus steuern ließen. Doch natürlich warfen sich die Zubehör-Hersteller in die Bresche und brachten viele funktionale, teils aber auch sonderbare Joysticks heraus.

Vielleicht versuchten einige der Amiga-Joysticks sogar zu sehr, aus der Masse hervorzustechen. Um die Spieler optisch anzusprechen, waren sie nach bekannten Charakteren aus Comics oder Filmen modelliert, etwa nach Batman oder dem Terminator. Die Faszination, mit dem Fledermausmann in der Hand herumzuspielen, hielt sich allerdings in Grenzen, sodass der euphorische Käufer bald lediglich ein weiteres klobiges Stück Hardware zu Hause herumstehen hatte.

Natürlich ist ein ordentlicher Controller ein wichtiger Bestandteil der Sammlung eines Amiga-Fans, doch bei der Auswahl ist oft der persönliche Geschmack ausschlaggebend. Hersteller wie Cheetah, Konix, Powerplay, Sigma und Quickshot zielten alle auf den Homecomputer-Markt ab, doch der Super Pro Zip Stick und der Competition Pro werden häufig als die Crème de la Crème der Steuerknüppel angesehen. Beide zeichnen sich durch Reaktionsfreudigkeit, große Knöpfe und hohen Bedienkomfort aus. Der Competition Pro ist ein derart beliebter Joystick, dass er sogar kürzlich wieder produziert wurde - auch wenn die Firma Kempston inzwischen nicht mehr existiert und die Wiederauflage von Speedlink verantwortet wurde.

Da der Amiga dieselbe 9-Pin-Schnittstelle wie der Atari 2600, das Sega Master System und das Sega Mega Drive nutzt, kann man prinzipiell auch deren Controller verwenden. Allerdings funktionieren auf dem Amiga dann nur der Feuerknopf, nicht aber die zusätzlichen Buttons des Mega Drive Pad.

(1) Terminator Head,(2) Hori Fighting Stick,(3) Cheetah Annihilator,(4) Quickjoy Jet Fighter,(5) Konix Speedking. Alle Bilder: Retro Gamer
  1. Terminator Head Dieser Joystick ist der Beweis, dass manche Film-lizenz-Besitzer vor nichts zurückschreckten. Er sieht vielleicht beeindruckend aus, liegt aber sehr schlecht in der Hand und taugt nicht für den Praxiseinsatz.
  2. Hori Fighting Stick Obwohl der Hori Fighting Stick wie eine moderne Innovation aussieht, wurde er tatsächlich schon während der 16-Bit-Ära hergestellt. Ein solider Controller für eure Abenteuer auf dem Amiga.
  3. Cheetah Annihilator Der Annihilator wird heute noch ab und an gesichtet, da er sich zu seiner Zeit sehr gut verkauft hat. Obwohl seine Wertigkeit mit vielen Konkurrenten nicht mithalten kann, hält er dennoch einiges Gerüttel aus.
  4. Quickjoy Jet Fighter Wolltet ihr euch immer schon wie Tom Cruise in Top Gun fühlen? Dann ist dieser Steuerknüppel etwas für euch. Er ist nach seinem Gegenstück in einem richtigen Militärkampfjet gestaltet.
  5. Konix Speedking Der Speedking ist zwar einer der normaleren Sticks der 16-Bit-Ära, fällt aber dennoch durch sein ungewöhnliches Äußeres auf und hat heute noch viele Fans. Er liegt gut in der Hand; die Knöpfe befinden sich auf der Unterseite.

Den vollständigen Artikel finden Sie im Retro Gamer Sonderheft 2/16: Die beste Retro-Spiele-Hardware [1].

"Retro Gamer, das Magazin für Fans historischer Computer- und Konsolenspiele. Von Super Mario bis zu Tomb Raider: Retro Gamer holt Spiele- und Hardware-Klassiker zurück ins Rampenlicht."


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-3265784

Links in diesem Artikel:
[1] https://shop.heise.de/zeitschriften/retro-gamer-magazin