Spur von US-Söldnern führt nach Deutschland

Der venezolanische Präsident Maduro präsentiert die "Geständnisse" der zwei ehemaligen US-Elitesoldaten. Bild: Twitter-Account von Nicolas Maduro

Ex-Soldat hatte bei Festnahme in Venezuela deutsche Dokumente bei sich. Beteiligte hatten sich in Deutschland kennengelernt

Nach einer Militäraktion zum Sturz der Regierung in Venezuela haben die Behörden des südamerikanischen Landes zwei Überlebende als ehemalige US-Elitesoldaten mit Verbindungen nach Deutschland identifiziert. Bei den Männern handelt es sich nach Angaben der Polizei um den 34-jährigen Luke Alexander Denman und den 41-jährigen Airan Seth Berry. Nach Angaben venezolanischer Medien stammen die beiden Inhaftierten ursprünglich aus Texas. Berry war bis zum Jahr 2013 bei den US-Truppen bei Stuttgart stationiert und lebt seither mit seiner Familie in Baden-Württemberg, wo er auch Deutsch lernte.

Denman erklärte in einem Video, das von den venezolanischen Behörden erstellt und online verbreitet wurde, er habe den Gründer des Söldnerunternehmens Silvercorp USA, Jordan Goudreau, im Jahr 2009 während seiner aktiven Dienstzeit bei den US-Truppen in Deutschland kennengelernt. Goudreau hat inzwischen die Verantwortung für den gescheiterten Versuch einer militärischen Aktion zum Sturz der Regierung übernommen.

Nach venezolanischen Angaben war am vergangenen Sonntag und Montag eine bewaffnete Invasion unter Beteiligung US-amerikanischer Söldner vereitelt worden. Demnach sollen Militärs an der nordvenezolanischen Küste gelandet sein. Die Invasoren seien aufgerieben worden. Von der ersten Landungsgruppe hätten nur zwei der zehn Mitglieder überlebt, die beiden US-Amerikaner seien dann am Montag festgenommen worden. Das bewaffnete Kommando habe sich auf Schnellbooten der Region La Guaira nördlich der Hauptstadt genähert, hieß es aus Caracas. Der Zwischenfall ereignete sich inmitten einer verschärften Sanktionspolitik und militärischer Drohungen der USA gegen Venezuela.

"Eine Gruppe terroristischer Söldner, die in Kolumbien organisiert und ausgebildet wurden, hat versucht, mit Kriegsmaterial vor der Küste von La Guaira von Bord zu gehen", hieß es in einer Erklärung der Bolivarischen Nationalen Streitkräfte (Fuerza Armada Nacional Bolivariana, FANB). Der Invasionsversuch sei durch ein Zusammenspiel von Geheimdienstarbeit und Verteidigungsübungen der Armee und der Polizei vereitelt worden, die umgehend reagiert hätten. Bei einer bewaffneten Auseinandersetzung seien acht Mitglieder der paramilitärischen Gruppe getötet worden, zwei wurden verhaftet. Auf venezolanischer Seite gibt es keine Berichte über Verletzte.

Bei der Aktion wurden offenbar militärische Ausrüstung und Waffen sichergestellt. Auf den Fotos der venezolanischen Behörden sind im Fall Berrys auch deutsche Lichtbilddokumente zu sehen, darunter ein Führerschein. Nach ersten Einschätzungen aus Venezuela soll es sich beim militärischen Gerät zumindest in Teilen um Ausrüstung handeln, die bei einem fehlgeschlagenen Militärputsch am 30. April 2019 gestohlen wurde. Taucher suchen die Gewässer vor dem Landungsort nach weiteren Waffen ab, Schiffe der Marine patrouillieren vor der Küste.

Berry diente von 1996 bis 2013 als Sergeant der Spezialkräfte. Er war von März 2003 bis Juni 2003, von November 2004 bis Juni 2005 und von Februar 2007 bis März 2007 im Irak im Einsatz. Der ehemaliger Staff Sergeant Luke Denman gehörte von 2006 bis 2011 im aktiven Militärdienst den Special Forces an, später dann bis September 2014 war er Reservist. Er war von März 2010 bis September 2010 im Irak im Einsatz. Beide Ex-US-Soldaten erhielten zahlreiche militärische Auszeichnungen.

Mike Pompeo: "Wären wir beteiligt gewesen, wäre es anders verlaufen"

Die beiden Männer wurden in den venezolanischen Staatsmedien in den vergangenen Tagen in Videos vorgeführt. Denman bestätigte in dem auch online verbreiteten Verhör, dass er Goudreau zum ersten Mal 2009 in Deutschland traf. Seit Anfang dieses Jahres arbeite er für Silvercorp. Seine Aufgabe sei es gewesen, Paramilitärs aus Lagern in Kolumbien bei der Planung von Einsätzen und bei der Ausbildung zu helfen. Dafür seien ihm bis zu 100.000 US-Dollar zugesagt worden.

Ihm und den anderen Mitgliedern seines Kommandos sei die Aufgabe zugekommen, die Kontrolle über einen Flughafen von Caracas zu übernehmen, damit ein Flugzeug den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro nach seiner Gefangennahme außer Landes bringen kann. In einem lokalen Medienbericht aus Denmans Geburtsstadt Austin, Texas, hieß es, er habe zwischen 2012 und 2014 eine Pilotenausbildung erhalten.

Aufgezeichnete und bearbeitete Geständnisse wie die Videos von Deman und Berry könnten unter Zwang zustande gekommen sein. Daher sind auch Aussagen Denmans mit Vorsicht zu genießen, US-Donald Trump habe Goudreau zur Aktion angewiesen. US-Außenminister Mike Pompeo hatte Mitte der Woche jegliche Beteiligung der US-Regierung dementiert und damit Aussagen von Verteidigungsminister Mark Esper gestützt. "Wären wir beteiligt gewesen, wäre es anders verlaufen", so Pompeo.

Die Regierung von Venezuela geht nach einem Bericht des Lateinamerika-Portals amerika21 davon aus, dass der führende Oppositionspolitiker und Abgeordnete der Nationalversammlung, Juan Guaidó, mit Silvercorp einen Vertrag eingegangen ist, der militärische Aktionen zum Sturz der Regierung von Präsident Nicolás Maduro eingeschlossen haben soll.

Seit Tagen kursieren im Internet Ablichtungen einer mutmaßlichen Vereinbarung, die die Unterschriften von Guaidó, vom Inhaber der Sicherheitsfirma, Jordan Goudreau, und weiteren Personen zeigt, die für die Umsturzpläne seit Anfang 2019 verantwortlich sein sollen. Auch Goudreau ist ein früheres, mehrfach dekoriertes Mitglied der Special Forces der US-Armee mit Einsätzen in Afghanistan und im Irak. (Harald Neuber)