Spuren nach Belgien, Deutschland, Griechenland und Syrien [Update]

Nach den Anschlägen von Paris gibt es erste Erkenntnisse zu den Tätern

Eineinhalb Tage nach den Terroranschlägen von Paris geben die Behörden die Zahl der dabei umgekommenen Menschen mit mindestens 129 an - es werden aber wahrscheinlich noch mehr, weil etwa 100 Schwerverletzte in Lebensgefahr schweben. Weitere gut 150 leichter Verletzte liegen in Krankenhäusern.

Die Täter (von denen einer französischen Medienberichten nach nur zwischen 15 und 18 Jahre alt war) hatten sich nach Erkenntnissen der Behörden in drei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe versuchte, mit Sprengstoffwesten auf die Tribüne des Fußballstadions zu kommen, in dem die deutsche gegen die französische Nationalmannschaft spielte. Nachdem ihr das nicht gelang, sprengten sich die drei Männer vor den Stadion in die Luft. Bei einer der dabei zerfetzten Leichen wurde ein syrischer Pass gefunden, dem zufolge der Inhaber als angeblicher Bürgerkriegsflüchtling über Griechenland nach Europa einreiste.

In der siebenminütigen Audio-Bekennerbotschaft, die der IS nach dem Anschlag veröffentlichte, heißt es, in dem Stadion hätten die Mannschaften der beiden "Kreuzfahrernationen" Frankreich und Deutschland gespielt, was darauf hinweist, dass die Salafisten Deutschland offenbar für ein legitimes Ziel von Anschlägen halten, auch wenn sich die Bundesregierung bislang nicht am Anti-IS-Einsatz beteiligt. Das könnte sich ändern, wenn wegen der vom französischen Staatspräsidenten Hollande als Kriegsakt bezeichneten Anschläge der NATO-Bündnisfall ausgerufen würde.

Bei einer zweiten Tätergruppe, die im Konzertsaat Bataclan (der wegen der dort abgehaltenen Veranstaltungen immer wieder von "Antizionisten" kritisiert wurde) wahllos Menschen erschoss, war einer der drei dort ums Leben gekommenen Islamisten ein 29-jähriger französischer Kleinkrimineller, der zwischen 2004 und 2010 acht Mal von Gerichten verurteilt, aber nie eingesperrt wurde. [Update: Der Täter war den Behörden offenbar als Islamisten bekannt und soll sogar Verbindungen zu Tätern vergangener Anschläge gepflegt haben. Zwischenzeitlich hielt sich der algerischstämmige Franzose angeblich in Syrien auf. Bei seinem Vater und seinem Bruder führte die Polizei Hausdurchsuchungen durch.]

Eine weitere Spur führt von diesem Tatort über ein Parkticket und einen Mietwagen nach Belgien. Genauer: Nach Molenbeek, einem arabisch dominierten Vorort von Brüssel. Dort wurden gestern eine Personen verhaftet, von der die Behörden glauben, dass sie am Freitagabend in Paris war. [Update: Insgesamt gab es in Belgien in Zusammenhang mit dem Anschlag drei Festnahmen.]

Überlebende Zeugen, die im Bataclan das Konzert der offen pro-israelischen Band Eagles of Death Metal besucht hatten, erzählten französischen Medien gestern, wie das Publikum die draußen stehende Polizei schreiend dazu aufforderte, endlich den Saal zu stürmen. Die Behörden waren offenbar (wie viele Medien) zuerst davon ausgegangen, dass es sich um eine Geiselnahme und nicht um ein reines Massaker handelt.

[Update: Inzwischen fanden Polizisten östlich von Paris einen zweiten verdächtigen Wagen. Dem Sender Europe 1 zufolge weist dieses Fahrzeug darauf hin, dass Täter entkommen sein könnten. 2. Update: In dem Automobil wurden mehrere AK47-Maschinengewehre und Fingerabdrücke gefunden. Bei dem Wagen handelt es sich um einen schwarzen Seat. Dieser Autotyp in dieser Farbe wurde am Freitag an einem der Tatorte gesichtet.]

Eine andere Spur führt nach Deutschland und Montenegro: Von dort kam ein Mann, der am vorletzten Donnerstag mit acht Kalaschnikows, drei Pistolen, zahlreichen Granaten und einer großen Menge Sprengstoff mit Zündern auf der Autobahn erwischt wurde. In seinem Navi war eine Adresse in Paris als Ziel der Fahrt eingegeben und in seinem Telefon waren Pariser Nummern gespeichert, weshalb die deutsche Polizei bereits vor dem Anschlag die französischen Behörden informierte. Dort soll man ein persönliches Treffen zum Informationsaustausch vorgeschlagen haben. Ob der Montenegriner, der bislang jede Aussage verweigert, tatsächlich zu den Tätern gehört, steht allerdings noch nicht fest. Gleiches gilt für einen am Londoner Flughafen Gatwick festgenommenen Franzosen, der eine Schusswaffe mit sich führte. (Peter Mühlbauer)

Anzeige