Spurensuche am rechten Rand

Wer tritt das Erbe der vor einem Jahr verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend" an?

Am 31. März 2009 verbot der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die "Heimattreue Deutsche Jugend e. V." (HDJ), die nach Erkenntnis der Ermittlungsbehörden als rechtsextreme Jugendorganisation über viele Jahre rassistisches und nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet hatte.

Im Rahmen scheinbar unpolitischer Freizeitveranstaltungen wird das am Nationalsozialismus orientierte Weltbild der HDJ Kindern und Jugendlichen vermittelt. In speziellen Schulungen werden bereits Kinder im Grundschulalter gezielt in "Rassenkunde" unterrichtet. Sie werden dazu angehalten, für die "Blutreinheit" und das "Fortbestehen des deutschen Volkes" einzutreten. "Ausländer" und "Juden" werden als Bedrohung für "das deutsche Volk" dargestellt.

Bundesministerium des Innern, 31. März 2009

Das Verbot, das viele Beobachter als verspätet empfanden (Schonfrist für den Nazi-Nachwuchs), galt nicht nur der HDJ, sondern auch etwaigen Bestrebungen, Ersatzorganisationen zu gründen oder bestehende Vereine und Verbände in diesem Sinne weiterzuführen.

Dass der Fall damit nicht zu den Akten gelegt werden konnte, stand allerdings außer Frage, arbeitete die HDJ doch ihrerseits unverkennbar in der personellen und programmatischen Tradition der 1994 verbotenen Wiking-Jugend (WJ). Von dieser spaltete sich 1987 auch der "Sturmvogel - Deutscher Jugendbund" ab, der seit einiger Zeit im Verdacht steht, als neues Sammelbecken für die rechtsextreme Nachwuchsarbeit zu fungieren.

Im Blickfeld der Medien

Am 2. Januar 2010 berichtete die Antifaschistische Gruppe A3 aus Rostock über ein Lager in der Jugend- und Freizeitstätte Recknitzberg, an dem vom 27. Dezember bis zum 1. Januar rund 40 Kinder und Betreuer teilgenommen haben sollen.

Weithin sichtbar wehte die "Sturmvogel"-Fahne über das Camp, zu dem sich in Uniformen gehüllte Kinder und minderjährige Jugendliche aus ganz Norddeutschland, viele aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg, in Neuhof (Gemeinde Grammow, Landkreis Bad Doberan) eingefunden hatten.

Antifaschistische Gruppe A3

Details zum Ablauf der Veranstaltung wurden zwar bislang nicht bekannt, mit Pfadfindern seien die Jugendlichen jedoch nicht zu verwechseln gewesen, stellte die Gruppe fest.

Wer genauer auf die Uniformierung der Jungen und die Röcke der Mädchen, auf die Symbole und die Inhalte achtet, erkennt hinter der Gruppierung die Tradition völkisch-nationalistischer Organisationen des extrem rechten Spektrums.

Antifaschistische Gruppe A3

Wenige Tage später beschäftigte sich die Journalistin Andrea Röpke, die in ihrem Buch "Ferien im Führerbunker: Die neonazistische Kindererziehung der "Heimattreuen Deutschen Jugend" (2007) die Programmatik und den Aktionsradius der HDJ öffentlich gemacht hatte, mit der "rechten Brutpflege" und die Zeit berichtete nicht nur über "Rechte Zeltlager im Verborgenen", sondern erklärte den "Sturmvogel" bereits zur "Alternative" für die verbotene HDJ.

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