Sputnik-Umfrage: Misstrauen und Zweifel an Berichterstattung der Medien

76 Prozent der Griechen vertrauen Medien in Sachen Ukraine-Krise nicht

Berichten Medien unvoreingenommen? Zumindest in Sachen Berichterstattung zur Krise in der Ukraine scheint es erhebliches Misstrauen bei den Mediennutzern zu geben. Die russische Nachrichtenagentur Sputnik hat zusammen mit dem britischen Meinungsforschungsinstitut ICM Research untersucht, ob die Bevölkerungen in mehreren europäischen Ländern der Medienberichterstattung im Hinblick auf die Krise in der Ukraine vertrauen.

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Das Ergebnis zeigt, dass das Missstrauen gegenüber den Medien groß ist. Bei der Untersuchung wurde folgende Frage gestellt: "Inwieweit vertrauen Sie den führenden Medien in Ihrem Land in Bezug auf eine unvoreingenommene und glaubwürdige Berichterstattung über die Ukraine-Krise?"

Sputnik News berichtet nun, dass insbesondere bei den Griechen das Vertrauen in die Medien gering ist. Demnach vertrauen 23 Prozent der Griechen der Medienberichterstattung zur Krise in der Ukraine "gar nicht". 53 Prozent der Griechen vertrauen der Berichterstattung "eher nicht". Laut der repräsentativen Umfrage, für die über 4001 Personen befragt wurden, haben somit insgesamt 76 Prozent der Griechen Zweifel an der Berichterstattung. Sputnik News schreibt weiter:

Auch in Deutschland ist das Misstrauen groß - mehr als die Hälfte (57 Prozent) zweifeln an der Objektivität der Medienberichte über die Ereignisse in der Ukraine (15 Prozent vertrauen gar nicht, 42 Prozent vertrauen eher nicht). Bei den Franzosen sind die Werte ungefähr gleich - 47 Prozent vertrauen den Medienberichten, 40 Prozent vertrauen ihnen nicht.

Etwas anders sieht das Ergebnis der Umfrage hingegen in Großbritanien aus: 33 Prozent der Briten äußerten Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit der Medien.

Die Ergebnisse der Untersuchung erinnern an eine vergleichbare Umfrage, die im vergangenen Jahr im Auftrag des NDR-Medienmagazin ZAPP durchgeführt wurde (siehe: Infratest-Umfrage: Deutsche trauen Medien immer weniger). Demnach äußerten 63 Prozent der Deutschen ihre Zweifel an der Berichterstattung zur Krise in der Ukraine.

Dass Mediennutzer an der Objektivität der gebotenen Berichterstattung ihre Zweifel haben, verwundert nicht. Auch aus der aktuellen wissenschaftlichen Forschung ist ersichtlich, dass es ein "Objektivitätsproblem" im Journalismus gibt:

Die Befunde legen nahe, dass die Objektivitätsnorm im deutschen Journalismus den Einfluss individueller Eigeninteressen derzeit eher nicht unterbinden kann, da die Auslegung der Objektivitätsnorm scheinbar selbst von persönlichen Interessen der Journalisten abhängig ist.

Bei Sputnik News handelt es sich um eine Nachrichtenagentur, die zu dem russischen Medienverbund Rossija Sewodnja gehört, hinter dem der russische Staat steht. Faz.net bezeichnete Sputnik News jüngst als ein "neues mediales Spielzeug Putins", außerdem führe die Nachrichtenagentur eine "russische Medienoffensive im Informationskrieg" mit dem Westen. (Marcus Klöckner)

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