Sri Lanka: Anschläge auf Kirchen und Touristenhotels

Die koordinierten Anschläge sprechen dafür, dass eine Terrorgruppe aus dem Umkreis des IS dafür verantwortlich sein könnte

Sri Lanka wurde am Sonntag von einer Anschlagsserie auf Christen und Touristen heimgesucht. Nach acht Bombenanschlägen auf vier Luxushotels, drei Kirchen, wo gerade die Ostermessen abgehalten wurden, und ein Gebäude. Vier Anschläge fanden in der Hauptstadt Colombo statt, in den Städten Negombo, Batticaloa und Kochchigade wurde jeweils eine Kirche das Ziel.

Bislang wird von über 200 Toten und mehrere hundert Verletzten ausgegangen. Mehr als 35 der Toten sollen ausländische Touristen sein. Die Regierung verhängte nach den beiden letzten Anschlägen, die Stunden nach den ersten erfolgten, für die Nacht eine 12-stündige Ausgangssperre, Facebook und Instagram wurden geschlossen, angeblich um die Verbreitung von Fake News zu unterbinden.

Nach Medienberichten wurden sieben Verdächtige festgenommen, andere sprechen von zwei Festnahmen nach einem Schusswechsel in Dematagoda. Noch aber gibt es über deren Motive, sofern sie tatsächlich Täter sind, keine Anhaltspunkte, noch hat sich auch niemand zu den Anschlägen bekannt. Christen, vornehmlich Katholiken, sind in Sri Lanka eine Minderheit (etwas mehr als 7 Prozent der Bevölkerung), meist sind es Tamilen oder Singhalesen. Letztere machen den Großteil der Bevölkerung aus und sind überwiegend Buddhisten. Die Tamilen sind mehrheitlich Hinduisten. Nach den Singhalesen und den Sri-Lanka-Tamilen besteht mit fast 10 Prozent die drittgrößte Bevölkerungsgruppe der Moors aus tamilisch-sprachigen Muslimen, die nur die Sprache mit den Tamilen gemeinsam haben.

Zunächst könnte man vermuten, dass extreme Gruppen der Tamilen die Anschläge begangen haben könnten. Nach dem jahrzehntelangen Bürgerkrieg wurden die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) 2009 besiegt - in wenigen Tagen soll das Ende des Bürgerkriegs vor 10 Jahren gefeiert werden (Sri Lanka: Regierung verkündet Sieg über Rebellen). Dabei ging das Militär mit großer Brutalität vor, es kamen viele Tamilen, die immer weiter in den Norden gedrängt wurden, ums Leben (UN-Bericht zu Sri Lanka: Militär tötete 40.000 Zivilisten). Die Kriegsverbrechen der Streitkräfte Sri Lankas wurden bislang weder aufgeklärt noch verfolgt.

Die LTTE haben nicht nur eine eigene "Luftwaffe" aus selbstgebastelten Flugzeugen besessen, ihr Kennzeichen waren zahlreiche Selbstmordanschläge auch gegen zivile Ziele und Politiker. Gut denkbar wäre, dass es weiter eine Splittergruppe gibt, die den Kampf wieder aufnehmen oder sich rächen will. Allerdings sind Kirchen keine Ziele der LTTE gewesen.

Auch schon wegen der Koordination der Anschläge spricht vieles dafür, dass es sich um Islamisten handeln könnte. So hatte der Polizeichef von Sri Lanka vor 10 Tagen vor islamistischen Anschlägen auf bekannte Kirchen gewarnt. Er nannte die National Thowheeth Jama'ath (NTJ) und bezog sich dabei auf einen ausländischen Geheimdienst. NTJ soll letztes Jahr an der Zerstörung von Buddha-Skulpturen beteiligt gewesen sein. Der stellvertretende Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene sprach von einem Terroranschlag und vage von "extremistischen Gruppen". Er berief sich dabei auf Informationen eines "ausländischen Geheimdiensts". Diese Gruppe hatte offenbar im vergangenen Jahr buddhistische Statuen in Sri Lanka beschädigt.

Bekannt ist, dass sich auch Muslime aus Sri Lanka dem Islamischen Staat in Syrien angeschlossen haben, seitdem sind einige zurückgekehrt. Die am Sonntagmorgen erfolgten Anschläge sollen nach srilankischen Medien allesamt Selbstmordanschläge gewesen sein. Noch scheint unklar zu sein, ob es sich um Einheimische oder um Ausländer gehandelt hat. In letzter Zeit war es zu Konflikten zwischen radikalen Buddhisten und Muslimen gekommen, die Anlass gewesen sein könnten, um mit den Anschlägen die Stimmung zu eskalieren. (Florian Rötzer)

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