Sri Lanka: Sprengten Islamisten lieber ihre Kinder, als sich festnehmen zu lassen?

Bekennerillustration der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu den Anschlägen in Sri Lanka. Bei der zweiten Person rechts auf dem Bild soll es sich um Inshaf Ahmed Ibrahim, bei der Person dahinter um seine Ehefrau Fatima.

15 Tote nach Explosionen in einem Haus in Sainthamaruthu

In Sri Lanka fanden die Sicherheitskräfte nach mehreren Explosionen in der Moslemhochburg Sainthamaruthu heute früh 15 Leichen. Jeweils sechs davon waren Kinder und Männer, die übrigen drei Frauen. Vorangegangen war den Explosionen der Versuch, ein von Terrorverdächtigen bewohntes Haus zu durchsuchen. Als das Haus umstellt wurde, schossen Bewohner erst auf die Sicherheitskräfte. Die Polizei geht davon aus, dass sie danach mehrere Sprengsätze zündeten, die nicht nur zwölf Personen im Haus, sondern auch drei davor töteten.

Katholische Sonntagsgottesdienste aus Sicherheitsgründen bis auf weiteres abgesagt

In Sainthamaruthu lebte der Islamistenprediger Zahran Hashim, der einer der Köpfe hinter den Osteranschlägen in Sri Lanka gewesen soll. Beim Anschlag auf die Zion-Freikirche im nahe Sainthamaruthu gelegenen Batticaola war der Gründer der National Thowheeth Jama'ath (NTJ) am Sonntag selbst ums Leben gekommen.

Vor den Explosionen in Sainthamaruthu hatte die Sicherheitskräfte bei einer anderen Hausdurchsuchung in dieser Küstenortschaft unter anderem 150 Stangen Sprenggelatine, eine große Menge für Splitterbomben geeignete Metallkugeln und eine IS-Flagge sichergestellt. Außerdem wurden sieben Personen festgenommen. Drei weitere Festnahmen gab es in der Hauptstadt Colombo, wo die Polizei ein Kilogramm Sprengstoff fand. Nach 70 weiteren Verdächtigen, die untergetaucht sind, wird gefahndet.

Bis diese Verdächtigen gefasst sind, gilt die Gefahr neuer Anschläge als so groß, dass der katholische Erzbischof Malcolm Ranjith bis auf weiteres alle Sonntagsgottesdienste in Sri Lanka absagte. Vor den Osteranschlägen hatten ihn die Behörden Sri Lankas trotz einer Information ausländischer Geheimdienste nicht gewarnt. Deshalb, so Ranjith, fühle er sich "etwas betrogen" und "traurig". Den Katholiken in Sri Lanka empfahl der Erzbischof, Sonntags zuhause zu beten, bis sich die Sicherheitslage wieder gebessert hat.

Die Tatsache, dass die Warnungen der ausländischen Geheimdienste nicht in entsprechende Maßnahmen mündeten, führte inzwischen zum Rücktritt des obersten Polizeichefs Pujith Jayasundara und des christlichen Verteidigungsministers Hemasiri Fernando. Ministerpräsident Ranil Wickremesinghe will dagegen nicht zurücktreten, weil man ihn seinen eigenen Angaben nach nicht über die Warnungen informiert hatte. Dass aus den bis Mittwoch von den Behörden offiziell gemeldeten 359 Toten am Donnerstag 253 wurden, erklärt die Regierung mit "Rechenfehlern" und Schwierigkeiten bei der Identifikation der Toten, die es oft in viele Teile zerriss.

Drei der Selbstmordattentäter waren Söhne eines der reichsten Männer Sri Lankas

Von den Tätern ist inzwischen bekannt, dass die beiden Selbst- und Massenmörder, die sich in den teuren Hotels in die Luft sprengten, Söhne des Gewürzhändlers Mohammad Yusuf Ibrahim waren. Er ist eine Person des öffentlichen Lebens, weil er einer der reichsten Männer Sri Lankas ist. Darüber hinaus kandidierte er in der Vergangenheit für die Partei Janatha Vimukthi Peramuna und pflegt enge freundschaftliche Beziehungen zum ehemaligen Handelsminister Rishath Bathiudeen.

Der 31-jährige Ilham Ahmed Ibrahim verübte seinen Selbstmordanschlag im Cinnamon-Grand-Hotel. Sein 36-jähriger Bruder Abdul Lathief Jameel Mohamed wollte seinen den bisherigen Behördenerkenntnissen nach erst im Fünf-Sterne-Hotel Taj verüben, entschied sich aber nach Schwierigkeiten für das Tropical Inn. Er studierte in Australien und an der Londoner Kingston University. Die ist seit 2015 dafür bekannt, dass islamische Extremisten hier sehr aktiv rekrutieren.

Mohammad Yusuf Ibrahims 33-jähriger Sohn Inshaf Ahmed Ibrahim, der seinen Sprengsatz am Frühstücksbuffet des Shangri-La-Hotels zum Explodieren brachte, soll seine Fabrik Colossus Copper in Wellampitiya dazu benutzt haben, seine und anderen Explosivvorrichtungen anfertigen zu lassen. Neun seiner Angestellten wurden deshalb festgenommen. Inshaf Ahmed Ibrahims Ehefrau Fatima Ibrahim, die schwanger war, zerriss sich, ihre drei Söhne, sowie drei Polizeibeamte am Sonntagnachmittag mit Sprengstoff, als die Sicherheitsbehörden ihre dreistöckige Villa in Dematagoda durchsuchen wollten. (Peter Mühlbauer)