Staatsanwalt gegen heilige Leugnung

Premierminister Kyriakos Mitsotakis besucht Bischöfe. Foto: Handout Prime Minister Office / Dimitris Papamitsos

Griechenland: Kirchenväter verbreiteten Verschwörungstheorien gegen die Impfung

Die Leugnung der Infektionsgefahr für Covid-19 in Kirchen und beim gemeinsamen Abendmahl kursiert in Teilen der griechischen Staatskirche seit Beginn der Pandemie. An dieser Leugnung hat sich nicht viel geändert. Neu hinzugekommen sind von Kirchenvätern verbreitete Verschwörungstheorien gegen die Impfung.

Zwischen beiden Leugnungen hat die Pandemie in Griechenland immer mehr Opfer gefordert. Vom ersten Todesfall im März bis zum 31. Oktober starben 626 Personen. In den letzten beiden Monaten des Jahres kamen 4.212 hinzu.

Keine Abstände und Masken für Bischöfe

Immer noch hat die Kirche im Allgemeinen ein ambivalentes Verhältnis zu den Abstandregeln und Präventionsmaßnahmen. Premierminister Kyriakos Mitsotakis besuchte am Neujahrstag die Kirche und grüßte im Kirchengebäude drei Bischöfe, darunter auch Erzbischof Ieronymos, ohne dass einer der Geistlichen Masken trug. Auch auf dem offiziell vom Amt des Premierministers verteilten Foto ist sichtbar, dass die Mindestabstände nicht eingehalten wurden. Priester außerhalb der Kirche trugen dagegen Maske.

Der zweiundachtzigjährige Ieronymos selbst war an Covid-19 erkrankt und lag einige Zeit auf der Intensivstation. Ein Treffen der obersten Kirchenführung Griechenlands hatte sich zum Superspreader-Event entwickelt. Zahlreiche Bischöfe erkrankten oder starben. Zuletzt verstarb zwei Tage vor Jahresende der einundsechzigjährige Bischof von Kastoria, Seraphim.

Premierminister Kyriakos Mitsotakis' Besuch. Foto: Handout Prime Minister Office / Dimitris Papamitsos

Machtlos gegen die Kirche

Die Politiker können sich nicht gegenüber der Kirche durchsetzen. Sie fürchten um Wählerstimmen. Die Polizei ihrerseits geht auch nur selten gegen kirchliche Gesetzesverstöße vor. Wenn es wie am 13. Dezember in Koropi doch passiert, dann nutzt die Kirche ihre geistliche Macht für einen Protest.

"Heute am Sonntag den 13. Dezember 2020 musste die Polizei nach beständigen Belästigungen durch einen gottlosen Bürger über eine Kirche in Koropi eine Strafe von 1.500 Euro gegen die Kirche und 300 Euro gegen den Küster verhängen, weil in einem Raum von 500 Quadratmetern eine Handvoll Menschen an einem Sonntag Gott huldigen wollten", steht in einer einschlägigen Stellungnahme des Bistums Mesogia und Lavreotikis.

In der Kirche war trotz des mit der Pandemie begründeten Verbots eine öffentliche heilige Messe zelebriert worden. Die Polizei wartete das Ende der Messe ab und griff erst dann ein. Ein Umstand, der vom Bistum positiv gewertet wurde. "Wir verstehen das Vorgehen der Polizei, die verpflichtet ist, alle Gesetze und Ministerialentscheidungen umzusetzen. Wir verstehen überhaupt nicht die Absurdität, mit der die Regierung unkluge, empörende, unpopuläre und völlig respektlose und abfällige Maßnahmen für den Menschen und die Kirche verhängt", kommentiert das Bistum.

"Die Geldbuße müsste gegen denjenigen verhängt werden, der die inakzeptable Beschwerde ohne absolut legitimes Interesse und ohne Risiko für die öffentliche Gesundheit nur aus, leider vom Staat legitimierter, kirchenfeindlicher Leidenschaft eingereicht hatte. Solche Typen sind die Bedrohung der Gesellschaft und nicht die gewöhnlichen Gläubigen, die sich in solch schwierigen Tagen als letzten Ausweg an Gott wenden", bemerkt das Bistum.

Moderate Stimmen vs Leugner

Der Bischof von Messinia appelliert dagegen an die Vernunft. Für ihn ist die Impfung gegen Covid-19, "nicht nur ein individuelles Recht, sondern Ausdruck der tatkräftigen Humanität und ein Akt hoher moralischer Notwendigkeit, da wir durch Impfung unsere Liebe und unseren Respekt für uns selbst, aber auch für einander zum Ausdruck bringen. Weil wir uns alle gemeinsam schützen, die Übertragung von Krankheitserregern verhindern und gleichzeitig das Gemeinwohl der Gesundheit bewahren".

Der bereits geimpfte Bischof Ierotheos meinte einen Tag nach der Impfung: "Gott handelt durch den Mensch und die Wissenschaft." Ierotheos meinte, er habe keinerlei Nebenwirkungen gespürt, "natürlich sagten mir einige Leute, ich solle es nicht tun und sagten, welche Nebenwirkungen verursacht werden könnten. Aber ich antwortete, dass alle Medikamente Nebenwirkungen haben. Das gilt auch für einfachste Schmerzmittel. In deren Beipackzetteln stehen viele Nebenwirkungen".

Dagegen rät der Bischof von Kythera von der Impfung ab. Bischof Seraphim nutzte die Sonntagspredigt nach Weihnachten, um von der Kanzel aus Ansichten zu verbreiten, die allgemein den Verschwörungstheorien zugeordnet werden.

"Die neuen Impfstoffe, die kursieren, werden mit den Grundstoffen, die bei Abtreibungen gewonnen werden, hergestellt. Auch die Päpstlichen [die Katholiken], die sich besorgt an den Papst wandten, wurden von diesem beruhigt. 'Das ist richtig', sagte er ihnen, 'aber wirtschaftlich werden wir es für die menschliche Gesundheit akzeptieren'", so Seraphim in seiner Predigt. Er beteuerte, dass er nicht beabsichtige sich mit "dem Impfstoff, der aus getöteten Embryonen stammt, impfen" zu lassen.

"Wenn nichts anderes von einer garantierten Gruppe christlicher Ärzte, Geistlicher und Laien kommt, die uns völlig versichern können, dass es so etwas [Embryonen] darin nicht gibt, dann werden wir uns nicht impfen lassen", fügte Seraphim hinzu. Bischof Seraphim war bereits im März vom Staatsanwalt vorgeladen worden, weil er damals im ersten Lockdown die Kirchentore öffnen ließ, und die Gläubigen zur Messe rief.

Vor wenigen Wochen ging er in Opposition zu Erzbischof Ieronymos, weil dieser eine Begrenzung der Zahl der Gläubigen in den Kirchen akzeptierte. Seraphims Äußerungen wurden auch vom kirchlichen Nachrichtendienst ekklisiaonline.gr aufgegriffen. Die Leser erfahren auch dort, dass die Information über die angebliche Zusammensetzung der Impfungen über christlich orthodoxe Glaubensbrüder in Italien zum Bischof gelangt sei. Noch vor Neujahr wurden erneut staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen den Bischof eingeleitet.

Seraphim von Kythera ist nicht der einzige Bischof, mit solchen Ansichten. Der emeritierte Bischof von Kalavryta, Amvrosios, beruft sich in seiner Kritik an den Corona-Maßnahmen und den Impfungen unter anderem auf Dr. Wolfgang Wodarg. Amvrosios beklagt sich, dass kritische Stimmen in den griechischen Medien totgeschwiegen würden. Er kritisierte, dass sich auch Kirchenfürsten impfen ließen.

Der wegen homophober Hetze verurteilte Amvrosios erklärte zu Silvester überraschend seinen Rückzug. In seinem Blogeintrag vom 31. Dezember schreibt er, dass er von nun an schweigen werde. Amvrosios betont, dass sein Schritt maßgeblich davon beeinflusst wurde, dass seine Kritik seitens der Kirchenführung ungehört blieb. Auf Zypern predigt dagegen der Bischof von Morphou, Neophytos, gegen die Impfungen. Seiner Ansicht nach würden die Impfstoffe die Menschen genetisch verändern und wie die genetisch manipulierten "Tomaten, wird die Menschheit krank und ohne Geschmack".

Showdown zum Epiphaniafest

Schließlich beschloss am 4. Januar die ständige Heilige Synode, dass sie sich der staatlichen Anordnung zur Schließung der Kirchen aktiv widersetzen wird. So werden die Kirchen am 6. Januar zum Epihaniafest, zur "Erscheinung des Herrn", offen sein.

Gegenüber der Presse ließ die Kirche auf die Frage, was denn die Reaktion auf eventuelle polizeiliche Maßnahmen sei, verlautbaren, "jeder soll seine Verantwortung übernehmen. Wir, die wir die Entscheidung getroffen haben, und der Staat, der seine Entscheidungen trifft". (Wassilis Aswestopoulos)