Stammen die Triebwerke für die nordkoreanischen Mittel- und Langstreckenraketen aus der Ukraine?

Test der Langstreckenrakete Hwasong-14 am 28. Juli.

Nach einem Bericht des International Institute for Strategic Studies gibt es dafür Hinweise, die Ukraine weist die Möglichkeit zurück

Die Ukraine gerät zusammen mit Russland in die Bredouille - und das ausgerechnet im Kontext des heißen Konflikts mit Nordkorea. Wie ein Bericht des International Institute for Strategic Studies (IISS) erklärt, gäbe es Hinweise darauf, dass die schnellen Fortschritte Nordkoreas bei Mittel- und Langstreckenraketen auf einen Flüssigkeitsraketentriebwerk (LPE) von hoher Qualität zurückzuführen seien, das das Regime über den Schwarzmarkt aus Russland oder aus der Ukraine erhalten habe.

Der Autor des Berichts macht nicht Russland oder die Ukraine verantwortlich, sondern "illegale Netzwerke". Das LPE soll auf dem sowjetischen Triebwerk RD-250 basieren, das als Antrieb für die nordkoreanischen Raketen umgebaut wurde. Erhalten habe Nordkorea die Technik innerhalb der letzten beiden Jahre, erstmals getestet sei das modifizierte Triebwerk im September 2016. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass Nordkorea das Raketentriebwerk selbst entwickelt habe, das 40 Tonnen Last emporheben kann.

Da aus den Bildern von den Starts hervorgehe, dass das LPE nicht aus den USA, Frankreich, China, Japan, Indien oder dem Iran stammen könne, bleibe nur die ehemalige Sowjetunion. Mehr Beweise liegen allerdings für die Herkunft nicht vor. Die Triebwerke würden beim russischen Konzern Energomash und beim ukrainischen Konzern KB Yuzhnoye gelagert sein, letzterer sei praktisch pleite.

Von den RD-250 gebe es vermutlich noch hunderte, die irgendwo gelagert sind. Sie würden aber nicht mehr streng überwacht, weil sie schon lange außer Gebrauch seien. Unzufriedene Arbeiter oder schlecht bezahlte Wachen könnten von Waffenhändlern bestochen worden sein, Dutzende der 2 Meter langen und 1 Meter breiten Triebwerke zu stehlen und per Flugzeug oder mit dem Zug nach Nordkorea zu bringen. Es gebe viele Beziehungen von Waffenhändlern nach Russland, nordkoreanische Agenten seien auch in der Ukraine tätig gewesen.

Die New York Times griff den Bericht auf und verwies darauf, dass bislang höchstens China, aber nicht Russland oder die Ukraine als Helfer Nordkoreas bezichtigt wurden. KB Yuzhnoye , so der Artikel, habe in der Zeit der Sowjetunion die "tödlichsten Raketen" hergestellt und liege nahe an den "Volksrepubliken" in der Ostukraine, wo "Russland einen Low-Level-Krieg führt, um einen Teil der Ukraine loszubrechen". Das wird einfach kurz eingestreut, ohne weitere Begründungen. Nach dem Sturz von Janukowitsch habe der Konzern keine Aufträge mehr von Russland erhalten und sei finanziell abgestürzt und die wahrscheinliche Quelle für die nordkoreanischen Triebwerke.

Im IISS-Bericht heißt es, man wolle nicht unterstellen, dass die ukrainische Regierung oder Manager des Konzerns verwickelt seien. Gleichwohl ist man in Kiew beunruhigt. Olexander Turtschynow, der Generalsekretär des ukrainischen Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats (NSDC) beeilte sich zu erklären, dass keiner der Rüstungskonzerne in Waffengeschäfte mit Nordkorea verwickelt sei. Man halte sich an internationale Vereinbarungen. Der ukrainische Rüstungskonzern Yuzhnoye bezeichnete den Artikel in der New York Times als "provozierend", er basiere auf der Meinung eines "inkompetenten Experten". In Russland scheint man das gelassen zu nehmen und erfreut zu sein, dass die Ukraine ins Blickfeld rückt.

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