Stammen die syrischen Chemiewaffen aus Nordkorea?

Nordkoreanischer Raketentest. Bild: Chosun

US-Regierung verhängte weiter Sanktionen gegen Syrien wegen Giftgasangriff, während die von Trump auserkorenen "Schurkenstaaten" über Massenvernichtungswaffen verbunden werden

Nachdem US-Präsident Donald Trump den Angriff mit den 59 Tomahawk-Marschflugkörpern auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt befahl, während er den besten Schokoladenkuchen der Welt mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping verzehrte, zollte Kim Jong-un schnell Baschar al-Assad Solidarität. Die beiden hatten schon zuvor sich und ihre Länder gegenseitig beglückwünscht, nach dem Angriff erklärte Kim mit den besten Grüßen zum Gründungsjahr der syrischen Baath-Partei: "Die freundlichen Beziehungen der beiden Länder werden angesichts ihres Kampfes gegen den Imperialismus gestärkt und weiter entwickelt."

Assad bedankte sich und schrieb dann erneut, um wiederum Glückwünsche zum 105. Jahrestag von Staatsgründer Kim Il-sung und dem 5. Jahrestag der "Wahl" von Kim Jong-un als Herrscher. Die beiden befreundeten Länder würden diesen Jahrestag feiern und gleichzeitig "einen Krieg gegen die wilde Ambition von Großmächten führen, alle Länder ihrer expansionistischen und weltbeherrschenden Politik zu unterwerfen".

Aus der Sicht von Washington gehören neben Iran Syrien und Nordkorea gewissermaßen zur "Achse des Bösen" und rücken nun gegen die Bedrohung näher zusammen. Es gab allerdings schon Vermutungen, dass die Solidarität der beiden zu Schurken erklärten Machthaber weiter geht. So gab es letztes Jahr Gerüchte, dass nordkoreanische Truppen oder auch Hubschrauberpiloten den Assad-Streitkräften beistehen würden. Zuvor war die Rede von anwesenden militärischen Beratern. Belegt ist dies allerdings noch nicht.

Gerüchte gab es auch, dass Nordkorea und Syrien bei Atomwaffenprogrammen kooperiert haben könnten, beispielsweise bei der angeblichen Atomanlage al-Kibar, die von israelischen Flugzeugen bombardiert und zerstört wurde (Zielte Israels Luftschlag doch gegen syrischen Atomreaktor?).

Die militärische Kooperation reicht weit zurück in den Kalten Krieg während der 1960er Jahre, als Nordkorea Waffen und andere militärische Güter nach Syrien lieferte. Insbesondere soll Nordkorea mit Raketen und bei der Entwicklung des syrischen Giftgasprogramms behilflich gewesen sein. Allerdings erklärt Nordkorea, selbst über keine Chemiewaffen zu verfügen. Es gibt jedoch Berichte, die zwar darauf hindeuten, dass die Chemiewaffen altern, aber auch noch 2004 soll Nordkorea viele Tonnen Bestandteile für die Herstellung von China und Malaysia gekauft haben.

Das südkoreanische Verteidigungsministerium behauptete allerdings 2012, Nordkorea habe 2500 bis 5000 Tonnen an chemischen Waffen wie Sarin, VX und andere Nervenkampfstoffe gelagert. Das kann natürlich weit übertrieben sein und die Angaben können von politischen Interessen getrieben sein. Zuvor war schon mal von 12.000 Tonnen die Rede.

Nordkorea hat jedenfalls die 1997 in Kraft getretene Chemiewaffenkonvention nicht - wie zuletzt Syrien unter dem Druck durch Russland und die USA 2013 - unterschrieben. Der Regelung zufolge dürfen keine Chemiewaffen hergestellt, gelagert, verbreitet und eingesetzt werden, alle Bestände müssen zerstört werden, Bedingung ist zudem ungehinderter Zugang zu Lagerstätten und Vernichtungsanlagen für Inspektoren. Israel hat die Konvention unterzeichnet, aber noch immer nicht ratifiziert.

Neben Nordkorea haben auch Ägypten und der Südsudan die Konvention weder unterschrieben noch ratifiziert (Mitgliedsstaaten). Das Pentagon erklärte 2012, fast 90 Prozent der Chemiewaffen (27.000 Tonnen) zerstört zu haben. Russland will 2015 86 Prozent seiner Chemiewaffen zerstört haben. Eigentlich hätten bis 2012 alle vernichtet sein müssen. Gleichwohl sind Russland, die USA und Nordkorea die Staaten mit den meisten Chemiewaffen.

Trotz der UN-Resolution von 2009 scheint Nordkorea weiter Waffen an Syrien - aber auch an Eritrea - zu verkaufen. So wurde 2012 ein Schiff vor der südkoreanischen Küste mit Raketenteilen für Syrien abgefangen. Im selben Jahr wurde einem nordkoreanischen Flugzeug verwehrt, über den Irak nach Syrien zu fliegen. Vermutet wurden auch Waffenlieferungen.

Nach einem UN-Bericht hat der nordkoreanische Geheimdienst in Malaysia Firmen gegründet, um militärische Güter zu vertreiben. Malaysia war einer der Staaten, die zumindest locker mit Nordkorea verbunden sind, zumindest bis Kim Sung-ils Halbbruder im Februar offen im Flughafen von Kuala Lumpur ermordet wurde - mit VX, einem Nervengift.

Auch in Singapur soll es eine Niederlassung geben, über die Fernsteuerungen von Präzisionsraketen vertrieben werden. Nordkorea soll mit verschlüsselten Kommunikationssystemen, Präzisionsraketen und Luftabwehrsystemen handeln. Letztes Jahr wurde ein nordkoreanisches Schiff von ägyptischen Sicherheitskräften durchsucht, als es den Suez-Kanal durchqueren wollte. Man fand große Mengen an Munition, darunter 30.000 raketenangetriebene Granaten (RPG).

Über Beziehungen zu Syrien war hier nicht die Rede. Es gab aber Vorkommnisse, die auf eine weiter bestehende Kooperation mit Syrien hindeuten könnten. So wurden 2009 14.000 Chemieschutzanzüge auf einem nordkoreanischen Schiff beschlagnahmt, das angeblich nach Syrien fahren wollte. Und 2013 beschlagnahmte die Türkei auf einem Schiff unter libyscher Flagge Waffen, Munition und Gasmasken, die nach Aussagen des Kapitäns über die Türkei nach Syrien geliefert werden sollten, womöglich aber auch zu den Rebellen.

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