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Podcasts als Medium politischer Kommunikation

Während die deutschen Feuilletons den iPod respektive MP3-Player im allgemeinen noch als Speichermedium in der Tradition des Walkman verhandeln sind avancierte User jenseits von handwerklichen Verschönerungsmaßnahmen a la "Pimp my Pod" bereits bei der Nutzung des Gerätes als Verbreitungsmedium angekommen.

"Podcast" (vgl. Hör doch mal zu!; siehe auch: www.podcast.de) ist der Name dieses Formats der Medien(r)evolution. Was bislang in Deutschland vor allem einer prosperierenden Netlabel-Szene vorbehalten war, die mittels abonnierter Audio-Dateien primär elektronische Musik verbreitet (Beispiele via www.phlow.net oder www.de-bug.de ), soll nun zum Medium politischer Kommunikation werden. Andernorts deutet sich die Entwicklung bereits an, ein Blick auf US-amerikanische Hör-Angebote offenbart die Ausdifferenzierung eines noch nicht kommodifizierten Marktes der Möglichkeiten: Via Podcast finden insbesondere Informationen für ein Nischenpublikum Verbreitung. Neben Do-It-Yourself-Initativen für eine Art werbefreies Radio im Stil von Audio-Blogs duplizieren etablierte Medien-Akteure bereits existierende Angebote oder produzieren eigene Formate – für Deutschland zeigen sich diese Entwicklungen etwa bei der Tagesschau als Podcast oder als Vorläufer mit dem "Tsunami-Blog des ZDF" mit zahlreichen Audio-Dateien zum Download.

Im aktuellen Ad-hoc-Wahlkampf haben andere Akteure bereits erste Marken gesetzt: Seit Mitte August bringen die CDU-Zentrale unter dem sprechenden Namen "ikauder" sowie die Junge Union Hessen Politiker-Soundbites via Podcast unters Volk, unmittelbar darauf ging auch die SPD mit Franz Müntefering ans Netz.

Die Politisierung des Podcasting findet in Deutschland ihren Ausdruck aber auch in der Organisation von Interessen im Verband deutschsprachiger Podcaster, der am kommenden Montag durch einen Thementag zur angekündigten Neuwahl ein über Lobbying in eigener Sache hinausgehendes gesellschaftspolitisches Engagement signalisiert.

Die scheinbar noch nicht allzu zahlreichen Themencaster rekrutieren sich und wollen das bislang scheinbar exklusive Format demokratisch vervielfältigen:

Es soll ein spannender Tag werden. Die Podcast-Welt wird zusammenkommen und gemeinsam Neues schaffen. Am Montag, dem 29. August 2005 werden viele verschiedene Podcasts über ein Thema berichten - die Bundestagswahl 2005. Die Produzenten dieses neuen Radioformats zeigen an diesem Tag, was man mit Kreativität und dem Spaß beim Produzieren erreichen kann. Interviews mit Experten, Politikern und Wählern und Meinungen sollen aufgegriffen und kritisch hinterfragt werden.

Der zusammen mit einer Pressemitteilung bereit gestellte Werbejingle gibt einen ersten Vorgeschmack auf die zu erwartenden Beiträge: vor einen professionell klingenden Mix aus akustischen Versatzstücken des bisherigen Geschehens (Vertrauensfrage, Bundestagsauflösung) wird das Aktions-Motto "LetŽs cast together" gestellt. Das bereits im Vorfeld einsehbare Line-Up der beteiligten Podcaster gibt Hinweise auf eine (noch) eher studentische Verankerung der Szene.

Sicher sind Podcasts im Augenblick noch nicht viel mehr als eine weitere Stilblüte im Strauß der digitalen, interaktiven Kommunikationsmöglichkeiten – gemeinsam mit den inzwischen sattsam bekannten Weblogs gehören sie in die Reihe des so genannten "partizipativen Journalismus", der nun auch hierzulande die Aufmerksamkeit professioneller Beobachter erlangt hat: So berichtet etwa das Branchenblatt "Der Journalist" in der Augustausgabe unter dem Titel "Die Laien kommen" über innovative "Bürgermedien" oder setzt sich im September das renommierte Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe im Rahmen einer Konferenz mit "Weblogs, Podcasting und Videojournalismus – Neue Medien zwischen demokratischen und ökonomischen Potentialen" auseinander.

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