Stecksaustall und Brandgefahr

Interview mit Ulrich Behrendt, dem Vizepräsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes

Im letzten Jahr mussten deutsche Feuerwehren insgesamt 186.254 Mal gegen Brände und Explosionen ausrücken. Das hängt auch mit der steigenden Zahl an Elektrogeräten zusammen, die heute Standard sind, während Wohnungen nicht über mehr Steckdosen verfügen als vor einigen Jahrzehnten. Gleichzeitig gibt es technische Neuerungen, die einen besseren Brandschutz versprechen. Wir befragten Ulrich Behrendt, den Vizepräsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes, zu diesen Entwicklungen.

Seit einiger Zeit gibt es Systeme, mit denen man die Küche mit Webcams überwachen und die Stromzufuhr einzelner Geräte oder der ganzen Wohnung von einem Telefon oder einem anderen mobilen Gerät aus unterbrechen kann. Hat die Feuerwehr schon Erfahrungen mit solchen Systemen gesammelt? Können Sie aus Ihrer Sicht helfen, Brände zu vermeiden?
Ulrich Behrendt: Diese Systeme haben ihren Fokus auf Komfort und Energieeinsparung. Die Sicherheit im Haushalt ist ein Teilaspekt dieser vernetzten Haustechnik. Der Brandschutz ist nicht die Triebfeder solcher Entwicklungen, sondern mehr ein Abfallprodukt. Wenn man von Unterwegs kontrollieren kann, ob die Herdplatten abgeschaltet sind, dient es der persönlichen Erleichterung, ist für den Brandschutz aber kein Quantensprung.
Für die Arbeit der Feuerwehr haben diese Systeme zur Zeit noch keine Veränderungen gebracht. Auch wenn es heute wie Science Fiktion klingt, dass der Kühlschrank seinen Inhalt kontrolliert und notfalls über das Internet Nachschub bestellt, bin ich sicher, dass eine vernetzte Haustechnik Vorteile für den häuslichen Brandschutz bringen wird.
Wenn man sich solch ein System kaufen will, worauf sollte man achten?
Ulrich Behrendt: Problemlose Erweiterbarkeit und Nachrüstungen sollte ein System zulassen. Die Möglichkeiten dieser Systeme wird immer vielfältiger.
Schöner Stecksaustall - so sollte es bei Ihnen zuhause nicht aussehen. Installation und Foto: Michael Schuberthan.
Was sind die größten Brandrisiken in einem Haushalt? Elektroherde?
Ulrich Behrendt: Nein, ein Elektroherd hat von seiner Bauart das geringste Gefährdungspotential. Sicher sind defekte oder alte Hausgeräte die Auslöser für Brände im Haushalt, die größte Gefahr sehe ich aber im Anschluss der Geräte. Die Anzahl der Steckdosen reicht in den wenigsten Haushalten aus. Häufig kommen Steckdosenleisten zum Einsatz. Hier sollte man unbedingt darauf achten, dass diese Leisten nicht überlastet werden. Auf einer guten Mehrfach-Steckerleiste sollte, neben dem VDE und GS- Zeichen, auch die Maximalleistung angegeben sein. Man kann anhand der Leistungsaufnahme, die man auf dem Typenschild findet, schnell die eingesteckten Verbraucher addieren. Die Summe darf nicht höher als die maximale Leistung der Leiste sein. Man sollte unbedingt vermeiden, dass mehrere Steckdosenleisten, als Verlängerungen, hintereinander gesteckt werden. Man verliert sonst schnell den Überblick was alles angeschlossen ist.
Und wie sieht es mit Steckleisten mit 10 oder mehr Steckplätzen aus?
Ulrich Behrendt: Wenn die maximale Leistung der Steckerleiste nicht überschritten wird, gibt es hier keine Probleme. Man darf jedoch nicht am nächsten kalten Abend noch einen Radiator anschließen.
Radiatoren sind ein eindeutiges Beispiel. Aber zählen zum Beispiel Computer, Spielkonsolen, Router, DSL-Modems und externe Festplatten zu den Geräten mit hohem Energieverbrauch?
Ulrich Behrendt: Im Vergleich zum Radiator sicher nicht, aber "Kleinvieh macht auch Mist". Es kommt immer auf die Summe an.
Gibt es Regeln für das vernünftige Platzieren von Geräten?
Ulrich Behrendt: Ein Blick in die Bedienungsanleitung sagt, ob ein Gerät "frei" aufgestellt werden muss, da es im Betrieb Wärme entwickelt und nicht verdeckt werden darf. Allgemein sollte man immer Energie und Gefahr trennen - eingeschaltetes Bügeleisen und wehende Gardine.
Was sollte man aus Brandschutzsicht beim Elektrogerätekauf allgemein berücksichtigen?
Ulrich Behrendt: Wie schon bei den Steckerleisten gesagt: VDE und GS Prüfzeichen müssen die Geräte haben. Man sich vorab die Frage stellen, ob am vorgesehenen Platz auch einen geeignete Steckdose vorhanden ist.
Hier wurden 3 Mehrfachsteckerleisten hintereinander benutzt. Die verkohlte Steckdose war überlastet. Durch einen Rauchmelder konnte der Defekt noch rechtzeitig erkannt werden. Foto: Deutscher Feuerwehrverband.
Worauf muss man aus Sicht der Feuerwehr beim Herdkauf wert legen? Gibt es Elektroherde, die sich im Gefahrenfall selbst abschalten?
Ulrich Behrendt: Es sind fast immer die Menschen die irgendwas am Herd vergessen. Das Essen auf der Herdplatte, oder nach dem Kochen den Herd abzuschalten. Es gibt aber Kochfelder mit Topferkennung, die ohne einen Topf die Heizung abschalten oder beim Überkochen abschalten.
Wo bekommt man zuverlässige Informationen über die Brandvermeidungsqualitäten von Geräten?
Ulrich Behrendt: Diese Frage kann man so nicht beantworten. Es gibt keine besonders brandgefährlichen Geräte. Jedes Gerät, ob Kühlschrank oder Steckernetzteil, kann in Brand geraten. Oftmals sind wir als Betreiber nicht ganz unschuldig daran. Ob durch falschen Anschluss an das Stromnetz, oder durch Überhitzung, weil es abgedeckt wurde. Das Risiko, von einem Brand überrascht zu werden, kann man durch Rauchmelder verhindern. Diese batteriebetriebenen Brandfrüherkennungssysteme warnen zuverlässig vor einem Entstehungsbrand, so dass man sich in Sicherheit bringen kann. (Peter Mühlbauer)