Steht Donald Trump vor der Pleite?

Aus einem Wahlvideo von Joe BIden

Die New York Times erhielt Einblick in Trumps Steuererklärungen der letzten Jahre. Er zahlte keine oder fast keine Einkommenssteuer. Der Coup kam gezielt vor dem Fernsehduell am Dienstag

Jetzt kann man verstehen, warum Donald Trump sich jahrelang stur weigerte, seine Steuererklärungen wie alle anderen US-Präsidenten bekannt zu machen. Die New York Times hat nun sicher beabsichtigt kurz vor dem Fernsehduell und der Präsidentschaftswahl einen Coup gelandet und veröffentlichte Informationen aus Trumps Steuererklärungen, in die die Zeitung Einblick erhielt. Wie viel sie dafür zahlte oder wie sie diese erhielt, erfährt man nicht. Trumps Problem: Er hat offensichtlich in den letzten 18 Jahren keine oder kaum Einkommenssteuer gezahlt.

Joe Biden veröffentlichte darauf ein Video, nachdem Lehrer durchschnittlich über 7000, Feuerwehrleute über 5000 oder Krankenschwestern über 10.000 US-Dollar zahlen. Und auf seiner Website weist er darauf hin, dass der durchschnittliche Steuerzahler über 10.000 US-Dollar mehr als der Milliadär gezahlt habe.

Noch im Jahr vor Antritt seiner Präsidentschaft und 2017 schon als Präsident zahlte er nur 750 US-Dollar Einkommenssteuer. Angegeben habe er, mehr Verluste als Gewinne gemacht zu haben. In 10 von 15 Jahren hat er gar nichts ans Finanzamt abgegeben. Zum Vergleich: George W. Bush und Barack Obama haben während ihrer Präsidentschaft 100.000 US-Dollar oder mehr an Steuern entrichtet. Und dann droht auch noch ein gerichtlicher Streit mit dem Finanzamt über die Berechtigung einer Steuerrückzahlung in Höhe von 72,9 Millionen US-Dollar aufgrund eines hohen wirtschaftlichen Verlustes. Vermutet werden kann, dass es sich um die Pleite bei den Kasinos in Atlantic City. Eigentlich hätte er 95 Millionen zahlen müssen - und die hätte er versteuern müssen. Erzielt hatte er sie in zwei Jahren der Teilnahme an The Apprentice.

Klar ist nach den Dokumenten des US-Finanzamts IRS, dass Trump, der sich gerne als Sieger und Gewinner darstellt, sich aber auch schon mal "König der Schulden" nannte, zwar wertvolle Immobilien und Hunderte von Firmen besitzt, aber große Verluste machte und mit Schulden überhäuft ist. Persönlich soll er für Kredite in Höhe von über 400 Millionen US-Dollar geradestehen, die in den nächsten Jahren fällig werden. Die Deutsche Bank ist einer der größten Kreditgeber. Immerhin kann er für sich verbuchen, so die NYT, dass keine unbekannten geschäftlichen Interessen in Russland daraus hervorgehen. Seinen Lebensstil konnte er auch durch "geschäftliche" Ausgaben finanzieren, die die Steuerlast senkten: Wohnimmobilien, Flugzeuge oder 70.000 US-Dollar für den Frisör, der ihn für seine Fernsehauftritte bei The Apprentice stylte.

Trump reagierte auf die Veröffentlichung, wie man es von ihm erwartet, und bezeichnete alles als Unsinn der Fake News Medien, er habe viele Steuern gezahlt, aber wie jeder andere auch Abschreibungen machen können. Er habe enorme Assets und dafür kaum Schulden, überdies habe er als bislang einziger Präsident auf das Präsidentengehalt von jährlich mehr als 400.000 US-Dollar verzichtet. Gut möglich, könnte man nun denken, dass dies just aus dem Grund geschah, um seine übrigen Einkünfte besser verbergen zu können, da er das Präsidentengehalt hätte gegenüber dem Finanzamt angeben müssen.

Sein Anwalt Alan Garten schrieb der NYT, dass "die meisten, wenn nicht alle Fakten als ungenau erscheinen". Trump habe im vergangenen Jahrzehnt "Dutzende Millionen US-Dollar an persönlichen Steuern an die Bundesregierung gezahlt". Die NYT geht davon aus, dass Garten schummelt und nicht die Einkommenssteuer von Trump meint, sondern Steuerabgaben für seine Angestellten. Überdies seien die Steuern durch Kredite gemindert worden, die auf die Einkommenssteuer anrechenbar seien.

"A Hund is a schon"

Man wird sehen müssen, wie es auch bei seinen Anhängern ankommt, dass Trump in den letzten Jahren praktisch keinen Beitrag für das Gemeinwohl leistete, während er die Steuern für die Reichen weiter senkte, aber der gemeine Steuerzahler mehr als der angebliche Milliardär und Präsident an den Staat abführen muss. Möglich ist, dass er auch bei Seinesgleichen unbeliebter wird. Schließlich liegt der durchschnittliche Steuersatz bei dem reichsten 0,001 Prozent der Steuerzahler bei 24 Prozent.

Man könnte annehmen, dass Trump mit allen möglichen Tricks der Steuervermeidung arbeitet, also den Staat mit der Hilfe seiner Steuerberater so weit wie möglich austrickst. Das würde ihn nicht gerade zum Vorbild für einen anständigen Bürger machen, aber seinen selbst gepflegten Ruf als geschickter und schlitzohriger Unternehmer gemäß dem Slogan "A Hund is a scho!" stärken. So wird in gewissen Kreisen auch schon gern mal über Korruption oder unsaubere Geschäfte hinweggeschaut, wenn oder so lange der Politiker ansonsten Erfolg hat.

Aber die Steuerbefunde könnten natürlich auch darauf hinweisen, dass der angeblich milliardenschwere Baumogul (in Russland würde man von einem Oligarchen sprechen) ein Scheinriese ist, allerdings kein netter wie Tur Tur, sondern eher schon wie der Oberbonze Pi Pa Po.

Möglicherweise behält er nicht wegen seiner Erfolge, sondern wegen seiner hohen Schulden Kreditwürdigkeit - und weil er US-Präsident wurde. Die Frage wäre, ob er die Wiederwahl gewinnen muss, um nicht Pleite zu gehen. Wahrscheinlich würden die meisten Schuldner zögern, gegen den amtierenden Präsidenten vorzugehen, der schließlich das Justiz-, Finanz- und Wirtschaftsministerium unter seinen Fuchteln hat.

Er selbst hatte 2015 behauptet, ein Vermögen von 10 Milliarden US-Dollar zu haben, Forbes ging immerhin noch von 4 Milliarden aus. Die NYT hatte schon seine Selbstdarstellung als Selfmade-Milliardär zerschossen, Trump hatte schon als Dreijähriger 200.000 US-Dollar im Monat "verdient". Sein Vermögen, sofern es noch existiert, basiert auf leistungsloser Erbschaft und Steuertrickserei, in der sein Vater schon bewandert war. (Florian Rötzer)