Steiler und anhaltender Anstieg der Selbstmordanschläge seit 2001

Allein 658 Selbstmordanschläge gab es 2007, vier Fünftel davon in Afghanistan und im Irak

Die US-Regierung sieht in der Truppenverstärkung im Irak seit letztem Jahr eine erfolgreiche Strategie, die die Gewalt im Irak vermindert habe. Seit letztem Jahr sei die Gewalt drastisch weniger geworden, sagte Verteidigungsminister Robert M. Gates vor einem Kongressausschuss. Die Zahl der getöteten Zivilisten sei um 70 Prozent zurückgegangen. Allerdings wurden in der letzten Zeit wieder mehr Anschläge und Kämpfe ausgeführt und ist die Zahl der Selbstmordanschläge im Irak und weltweit auch im letzten Jahr weiter angestiegen.

Weltweit haben Selbstmordattentäter im letzten Jahr 658 Anschläge ausgeführt. Im Kern steht weiterhin der Irak und in Afghanistan, wo es 542 Anschläge gab. Die von der Washington Post veröffentlichten Zahlen stammen von "US-Regierungsexperten" und belegen, dass damit mehr als doppelt so viele Selbstmordanschläge stattfanden als in jedem der letzten 25 Jahre. 86 Prozent der seit 1983 ausgeführten 1.849 Selbstmordanschläge sind in den letzten sieben Jahren geschehen, die meisten in den letzten vier Jahren. Insgesamt wurden durch Selbstmordanschläge seit 1983 21.350 Menschen getötet und 50.000 verletzt.

Am 18. April 1983, also vor genau 25 Jahren, hat sich endgültig das Zeitalter der Autobombe mit einem gewaltigen Schlag eröffnet. An diesem Tag die angeblich größte nichtnukleare Bombenexplosion. Ein Selbstmordattentäter drang mit einem gestohlenen Lastwagen, beladen mit sechs Tonnen Sprengstoff, in das US-Militärlager am Flughafen in Beirut ein und richtete mit einer gewaltigen Detonation große Zerstörungen. Erstmals wurden bei einem Anschlag mehrere hundert Menschen (241 US-Soldaten) getötet. Der Selbstmordattentäter ist bsilang unbekannt geblieben. Kurz zuvor waren durch einen Selbstmordanschlag mit einem Lastwagen auf die US-Botschaft in Beirut bereits 63 Menschen, darunter 17 Amerikaner, gestorben.

Der Irak ist noch immer das Zentrum der Selbstmordanschläge. Dort fanden 920 statt, allesamt nach dem Einmarsch der US-Truppen 2003, in Afghanistan waren es 260 seit 2001, Tendenz steigend. Wie viele Opfer die Anschläge unter den US-Soldaten gefordert haben, wird geheim gehalten. Ein Pentagonsprecher sagte, man gebe die Zahlen deswegen nicht heraus, "weil dies die Effizienz der Waffe der Feinde zeigen könnte". Mindestens zwei Drittel der Selbstmordanschläge seien gegen politische Ziele der USA gerichtet gewesen.

Von den Attentätern wurden nur wenige identifiziert: "Wir sind davon abhängig, dass die Terrorgruppe ein öffentliches Bkenntnis abgibt oder ein Märtyrervideo veröffentlicht", sagt Terrorismusexperte Bruce Hoffman. "Aber wenn dem Selbstmordattentäter niemals Fingerabdrücke abgenommen wurden oder eine Regierung sein Genprofil besitzt, bleibt er normalerweise anonym. Was die Entwicklung einer Taktik oder Strategie so schrecklich schwierig macht sind diese Legionen von unbekannten Soldaten, die gegen uns eingesetzt werden." Gegen die anonymen Täter würden also Grenzkontrollen und biometrische Ausweise nicht viel nützen. (Florian Rötzer)

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