Steinbrück schlägt Gabriel als Zählkandidaten vor

Der SPD-Kanzlerkandidat von 2013 ist hinsichtlich einer SPD-Kanzlerschaft 2017 fast so pessimistisch wie der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Thorsten Albig

Am 23. Juli sagte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Thorsten Albig (SPD) dem Norddeutschen Rundfunk (NDR), er glaube, dass die SPD 2017 zwar einen Spitzen-, aber nicht unbedingt einen Kanzlerkandidaten aufstellen solle. Ziel eines Wahlkampfs könnte seiner Ansicht nach auch eine nochmalige Koalitionsteilnahme der Sozialdemokraten unter einer Bundeskanzlerin Angela Merkel sein, die er unter anderem deshalb für so populär hält, weil sie ihre Arbeit seiner Ansicht nach "ganz ausgezeichnet" erledigt. Dass er so über Merkel denkt, hatte er der Tageszeitung Die Welt bereits Ende Mai offenbart. Damals meinte er, "wenn sich die Bürger einen Kanzler malen könnten, käme sicher so etwas wie Frau Merkel dabei raus". Gegen so einen "Idealtypus" Wahlen zu gewinnen sei "schwer".

Andere SPD Politiker widersprachen Albig umgehend: Der stellvertretende Bundesvorsitzende Ralf Stegner meinte, er stimme mit Albig in vielen Punkten überein (vor allem landespolitisch), aber nicht in diesem, der Eckernförder SPD-Bundestagsabgeordnete Sönke Rix twitterte, Merkel mache "ihren Job als Kanzlerin nicht ausgezeichnet" und SPD-Generalsekretärin Fahimi verlautbarte, der "Gedanke […], dass die SPD ohne Kanzlerkandidaten in die Bundestagswahl 2017 gehen könnte", sei "völlig abwegig".

Peer Steinbrück. Foto: Outanxio. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Nun hat sich Peer Steinbrück zu Wort gemeldet, der SPD-Kanzlerkandidat von 2013. Er ist zwar für die Aufstellung eines Kanzlerkandidaten, gibt sich hinsichtlich dessen Erfolgschancen aber ähnlich pessimistisch wie der schleswig-holsteinische Ministerpräsident. Der Bild am Sonntag sagte er, die SPD "mobilisier[e] nicht, sie weck[e] keinen Enthusiasmus, sie reiß[e] niemanden mit. Außerdem kümmere sie sich zu wenig um Zukunftsfragen und zu viel um das Thema soziale Gerechtigkeit. Trete sie weiter so auf, dann werde sie es "schwer haben über 30 Prozent zu kommen".

Als Zählkandidat schwebt Steinbrück der aktuelle Parteichef Sigmar Gabriel vor. Er sei "derjenige, der sich aufgrund seiner Fähigkeiten am besten für den Job des Kanzlerkandidaten anbietet". Gabriel selbst schweigt bislang zur Debatte. Dem ZDF hatte er bereits vor zwei Wochen mitgeteilt, es mache "keinen Sinn, jetzt eine Debatte über Kanzlerkandidaturen zu führen". Damals ging es noch ausschließlich um die Personalie und nicht um Sinn und Unsinn einer SPD-Kanzlerkandidatur.

Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) verfügt jedoch nach eigenen Angaben über Informationen "aus der SPD-Spitze", denen zufolge auch Gabriel "intern als eigentliches Wahlziel das weitere Mitregieren als Juniorpartner an der Seite der CDU-Kanzlerin definiert" hat. Seine Strategie "richte sich allein auf das Ziel, einen Partnerwechsel der Union zu Schwarz-Grün oder noch schlimmer zu Schwarz-Gelb zu verhindern". (Peter Mühlbauer)

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