Steuern die USA auf eine "finanzielle Apokalypse zu?"

Tote Mäuse, tote Republikanische Partei?

Wie auch immer die Gespräche ausgehen - die Regierung könnte die Schuldenobergrenze anheben, ohne einen Haushalt zu verabschieden, und schlicht weiterhin die einnehmenden Gelder "priorisieren", also Sozial- und Kulturprogramme lahmlegen und Verteidigungsprogramme am Laufen halten.

Einen Verlierer gibt es bereits: Der Shutdown werde mit großer Wahrscheinlichkeit den frühen Tod tausender Versuchsmäuse in Laboren bedeuten, schreibt NPR. Tests könnten nicht mehr akkurat ausgeführt werden und damit hätten die Tiere leider ihre Existenzberechtigung verwirkt. Ähnlich schlecht könnte es um die GOP (Republican National Committee) stehen, glaubt man einigen Medien. Die katastrophalen Popularitätswerte haben das Potential, dass die Partei bei den Zwischenwahlen in 13 Monaten die Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren könnte, offenbart eine weitere Umfrage.

Das Magazin New Republic machte am Freitag mit der Überschrift auf "Die letzten Tage der GOP". Es könnte sein, dass man den Todeskampf der Republikanischen Partei mit ansehe, so das Magazin. In Zeiten der medialen 24/7-Nachrichtenbörse können weitreichenden Tendenzen schnell obsolet werden, doch auf die populistische Entweder-oder-Fraktion der GOP ist Verlass, dass sie das Abstrafen des eigenen Volkes nicht als Warnschuss einordnet. Von den Tea-Party-Politikern stehen nach wie vor 72 Prozent hinter dem Verhalten ihrer radikalen Kollegen im Kongress. Sie werden also weiterhin auf ihre wahnhafte Selbstgerechtigkeit, einmal für Ordnung in D.C. zu sorgen, bestehen. Nur nahezu die Hälfte jener Republikaner, die nicht der Tea-Party angehören, sind unzufrieden mit der Arbeit ihrer Kollegen. Es zeigt den Riss, der gegenwärtig durch die eigenen Reihen driftet.

Goldwater-Effekt?

Eine ähnliche Zerreißprobe gab es schon einmal. 1964 übernahm eine ideologische Protestströmung die GOP und machte Barry Goldwater zum Bannerträger einer neuen ultrakonservativen Strömung innerhalb der Partei.

Goldwater verewigte sich auf zweierlei Art. Auf dem republikanischen Parteikonvent im selben Jahr ließ er den legendären Satz verlauten: "Extremismus bei der Verteidigung der Freiheit ist kein Laster." Er erlaubte sich keine Kompromisse bei seinen Ansichten. Und mit ihm als Präsidentschaftskandidaten musste die GOP eine ihre bis dahin schwersten Niederlagen hinnehmen, auch weil viele moderate Ostküsten-Republikaner dem Radikalen schlussendlich die Unterstützung versagten.

Steht die heutige GOP vor einer ähnlichen Nah-Tod Erfahrung? Tatsache ist, dass die zerrissene Goldwater-Partei nur vier Jahre umso stärker aufs politische Bankett zurückkam und 1968 vereint Richard Nixon präsentierte.

Third Party?

Geht die GOP als Verlierer aus diesen Verhandlungen heraus, bedeutet das in den Augen der Wählerschaft keinen Sieg für Obamas Demokraten. Das politische Querulantentum Washingtons hat offensichtlich schwere Vertrauensschäden im Land hinterlassen.

Laut einer Umfrage sind 86 Prozent der US-Bürger mit der Arbeit des Kongresses unzufrieden. Die beiden Kammern sind gar verrufener als die chronisch verachtete Steuerbehörde IRS und unbeliebter als die Finanzjongleure der Wall Street. Das Frustrationslevel der Wähler mit den beiden etablierten Parteien ist so hoch, dass sechzig Prozent der Überzeugung sind, eine dritte Partei wäre nötig, um die Probleme in den Griff zu kriegen, Die Zahl ist innerhalb der vergangenen zehn Jahre um 20 Prozentpunkte angestiegen. (E.F. Kaeding)