Steven Seagal wird russischer Sonderbeauftragter für die "humanitären Beziehungen" zu den USA

Steven Seagal. Bild: Kreml

Der Schauspieler ist für Filme bekannt, in denen das Prinzip Law and Order teilweise ins Gesetzlose übergeht

Das russische Außenministerium hat am Wochenende bekannt gegeben, dass der Schauspieler Steven Seagal Russland künftig als Sonderbeauftragter für kulturelle, künstlerische und andere "humanitäre Beziehungen" zu den USA vertreten wird. Diese unentgeltlich ausgeführte Tätigkeit, die das Außenministerium mit der eines UN-Sonderbotschafters verglich, soll "die Beziehungen der beiden Länder vertiefen"

Seagal selbst meinte dazu zum russischen Auslandssender RT, er habe "immer den starken Wunsch" gehabt, "alles zu tun, um die russisch-amerikanischen Beziehungen zu verbessern". Vor fünf Jahren organisierte er dazu eine Reise republikanischer Kongressabgeordneter ins nordossetische Beslan, wo Islamisten 2004 über tausend Kinder und Erwachsene als Geiseln genommen hatten, von denen 331 starben.

Im Jahr darauf spielte er mit seiner Band auf der Krim - kurz nachdem sich diese von der Ukraine losgesagt und der Russischen Föderation angeschlossen hatte. Der russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge wurde er deshalb zusammen mit seinem französischen Kollegen Gérard Depardieu vom ukrainischen Geheimdienst auf eine Liste unerwünschter Personen gesetzt (vgl. Gérard Depardieu: Eine Bedrohung für die Sicherheit der Ukraine).

2016 nahm der 1952 in Michigan geborene Amerikaner irisch-russisch-jüdischer Herkunft nach der serbischen auch die russische Staatsbürgerschaft an, wobei ihm Wladimir Putin den Pass persönlich aushändigte. Als der russische Staatspräsident zwei Jahre darauf wiedergewählt wurde, war Seagal zum Amtsperiodenantritt als Ehrengast geladen.

Der Buddhist ist für (unterschätzte) Filme wie Urban Justice und Marked for Death bekannt, in denen das Prinzip Law and Order teilweise ins Gesetzlose übergeht. Als Forrest Taft meint der PETA-Preisträger dazu in On Deadly Ground dialektisch bedauernd, man müsse den Leuten leider erst einprügeln, dass Gewaltanwendung problematisch ist.

International erfolgreich wurde der Schauspieler 1992 mit dem Film Under Siege, der in Deutschland unter dem Titel Alarmstufe Rot lief. Darüber hinaus spielte er in inzwischen 57 anderen Filmen mit und produzierte 49.

Als ehrenamtlicher Deputy im Jefferson Parish des US-Bundesstaates Louisiana gab Seagal anderen Polizisten unter anderem Kampfsport- und Schießunterricht, den er für die 2009 bis 2012 auf dem A&E Network laufende Reality-TV-Serie Steven Seagal - Lawman von einem Fernsehteam begleiten ließ. Im Jahr darauf half er Joe Arpaio, dem Sheriff von Maricopa County in Arizona, beim Aufbau einer Freiwilligenmiliz, die Schulen beschützen soll - ein Vorschlag, der nach dem Massaker von Newtown vonseiten der US-amerikanischen Waffenbesitzerverbände gemacht wurde.

Arpaio ist eine weit über Arizona hinaus bekannte Figur, die bereits eine eigene Realityshow auf Fox hatte und unter anderem durch rosa Wäsche für Strafgefangene und die Wiedereinführung von Chain Gangs Schlagzeilen machte. Die Schulschutzmiliz übte in leer stehenden Gebäuden und mit Teenager-Statisten, was zu tun wäre, wenn schwer bewaffnete Personen mit mutmaßlichen Tötungsabsichten auftauchen. Dazu trainierte man unter anderem den Nahkampf, das Aufbrechen von Türen und das Schießen mit halbautomatischen Waffen.

Auf Pressefragen, ob er als Schauspieler der richtige Lehrer für solche Übungen sei, meinte Seagal, er habe "Hunderttausende, vielleicht sogar Millionen von Stunden" [sic] in seine Ausbildung an verschiedenen Waffen gesteckt und fühle sich durchaus in der Lage, dieses Wissen weiterzugeben. Tatsächlich verfügt der einen Meter 95 große Hüne, der in den 1970er und 1980er Jahren in Japan Aikidō, Kendō, Judo und Karate erlernte und später auch unterrichtete, über den 7. Dan und den Titel eines Shihan-Meisters. (Peter Mühlbauer)

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