Strategische Aufwertung

USA will Israel 5000 "Bunker Busters" liefern

Zur Zeit wird mit diplomatischen Mitteln gegen Iran und Syrien vorgegangen, den beiden Ländern der "Achse des Bösen" im Mittleren Osten. Aber die USA bauen schon mal vor. "Wir können es nicht tolerieren, dass der Iran möglicherweise Atomwaffen entwickelt", sagte Condoleeza Rice, die Sicherheitsberaterin von Präsident George W. Bush. Im November nach den Wahlen werden dem Verbündeten Israel 5000 neue Bomben geliefert. Sogenannte "Bunker Buster", die vom US- Militär erfolgreich im afghanischen Tora Bora und an den Bunkern Saddam Husseins eingesetzt wurden.

Mit 319 Millionen Dollar ist es der größte Waffendeal seit Jahren zwischen den USA und Israel, das 94 % seiner gesamten Waffeneinkäufe in Amerika erledigt. In den Jahren von 1996 bis 2003 hat Israel, laut einer Studie des Congress Research Centers, insgesamt für 9,9 Milliarden Dollar Waffen gekauft und liegt damit hinter den Vereinigten Arabischen Emiraten (15,7 Milliarden) und Ägypten (12 Milliarden) an dritter Stelle im Mittleren Osten.

Von der neuen Lieferung aus den USA bedeuten, neben normalen 2500 Ein-, 1500 Halb und 500 Viertel-Tonner-Bomben, besonders die 500 "intelligenten" Ein-Tonner-Bomben eine strategische Aufwertung des konventionellen Waffenarsenals Israels. Diese sogenannten BLU 109 Sprengköpfe werden über Satellit gesteuert und von F-15 und F-16 Kampfflugzeugen abgefeuert.

"Israel hat schon lange einige F-15 Maschinen", sagt Robert Hewson, Redakteur von Janes Air-Lunched Weapons", "und die dazu passenden Bomben gehören eigentlich zur festen Ausrüstung dieser Maschinen. Also kann man davon ausgehen, dass Israel schon einige hatte". Man könne auch annehmen, so Hewson weiter, "dass Israel einige dieser 'Bunker Busters' selbst produziert. Aber die sie sind nicht so robust wie die neuen 1000 Kilogramm BLUs". Dieses Jahr erst bekam die israelische Luftwaffe eine neue Flotte von 102 weitreichenden F-16I Maschinen aus den USA. Die neuen Bomben sind eine Nachrüstung zu den Flugzeugen neuen Typs.

Die BLU 109 können in unterirdische Anlagen bis in eine Tiefe von 10 Metern ins Erdreich oder Beton eindringen. Die israelische Tageszeitung Haaretz zitierte letzte Woche einen israelischen Offiziellen, der meinte, "diese Art von Ausrüstung braucht man nicht für die palästinensische Front. Bunker Busters kann Israel gegen den Iran und möglicherweise auch Syrien benutzen".

Eine Replik kam sofort vom Sprecher der revolutionären Garden des Irans, Massoud Jazairi, der einen "massiven Rückschlag" für den Fall der Fälle prophezeite. Ein Sprecher des iranischen Verteidigungsministerium bezeichnete die neuen Waffenlieferungen an Israel als "Bestandteil einer psychologischer Kriegsführung", denn die USA hätten Israel in der Vergangenheit "wesentlich weiter entwickelte Waffen" gegeben, als diese Bomben. Wahrscheinlich spielte er dabei auf die Atombomben und die biologisch-chemischen Kampfstoffe an, die Israel im großen Umfang besitzt und es zu einer militärischen Supermacht, nicht nur in der Region des Mittleren Osten macht.

Im Iran liegen eine Uranmine bei der Stadt Yazd und eine Atomanlage bei Natanz unterirdisch. Beide Anlagen sind der Internationalen Atombehörde bekannt. Laut dem "National Council of Restistance of Iran”, soll es aber noch weitere unterirdische Labore geben, in denen an einer Atombombe gebastelt werde. Sollten sich die Internationale Atombehörde und Iran nicht einig werden, erwägt Israel die Möglichkeiten für einen "präventiven Schlag". Bereits 1981 bombardierte die israelische Luftwaffe den Osirak Reaktor im Irak. Dadurch konnte das Atomprogramm Saddam Husseins nicht gestoppt werden, neue Anlagen wurden unterirdisch gebaut. Aber auch für diese Eventualität ist man in Israel nun gerüstet.

Bis es soweit ist, können die "Israeli Defence Forces" ihre neuen, satellitengesteuerten Bomben in Palästina auszuprobieren. Mit einer Ein-Tonnen-Bombe hatten die "Verteidigungskräfte" im Juli 2002 im Gaza-Streifen den Hamas-Mann, Salah Shehadeh, getötet und nebenbei noch 15 Zivilisten. Im September 2003 versuchte man es bei anderer Gelegenheit mit einer Vierteltonne-Bombe, aber der Hamas-Vertreter überlebte. Mit den neuen BLUs 109 kann man nun mit gesteigerter Wirkung zielgenauer arbeiten. (Alfred Hackensberger)