Stromsparen für Fortgeschrittene

Wo sich ein Anbieter- oder Gerätewechsel lohnt - und wo nicht

Strom wird immer teuer - und das in ganz erstaunlicher Weise. Im Jahr 2007 zahlte ich für die Kilowattstunde noch 16,50 Cent, derzeit sind es rund 25 Cent; eine Preissteigerung um ungefähr 50% in sechs Jahren. Was also tun?

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Ein oft gegebener Tipp ist, zu einem billigeren Stromanbieter zu wechseln. Sicher - wenn dieselbe Leistung für weniger Geld bezogen werden kann, wäre es marktwirtschaftlich nicht sinnvoll, aus Bequemlichkeit beim bisherigen Anbieter zu bleiben. Allerdings muss man dabei ein paar Dinge beachten.

Eines vorab: Was nicht passieren kann, ist, dass man ohne Strom dasteht. Das albtraumhafte und dabei gar nicht so seltene Szenario, beim DSL/Telefonanbieterwechsel tage-, wochen- oder monatelang gar nicht versorgt zu werden, kann so beim Strom nicht eintreten. Aber: Wenn es beim Stromanbieterwechsel hakt, dann liefert der örtliche Betreiber im Ersatz-/Grundversorgungstarif, und der ist teuer als ein "normaler" Tarif.

Ich schätze, ich habe bislang fünf, sechs Mal den Anbieter gewechselt - unproblematisch war es noch nie (die absurdeste Geschichte findet sich hier). Wer erst einmal zu einem halbwegs günstigen Anbieter gewechselt hat, kann sich weitere Wechsel eigentlich sparen, denn dann geht es eigentlich immer nur um minimale Unterschiede, sofern man die Wechselprämie (oft 50-100 EUR einmalig) unberücksichtigt lässt. Und den Wechselprämien würde ich angesichts des damit verbundenen Aufwands nicht hinterher jagen.

Hat man also irgendwann den Wechsel zu einem halbwegs günstigen Anbieter hinter sich gebracht, bleibt nur noch, am Verbrauch zu sparen. Hier hilft es ungemein, sich zunächst mit einem guten Leistungsmesser (also einem Gerät, dass die Watt eines Verbrauchers anzeigt) zu bewaffnen; empfehlenswert ist der Energy Check 3000 für rund 25 EUR. Man steckt ihn zwischen Gerät und Steckdose und lässt sich von den Ergebnissen überraschen.

Foto: Voltcraft

Die können mitunter spektakulär sein: Eine gute alte Sony-Kompaktanlage, die, wenn ausgeschaltet, eigentlich wirklich "ausgeschaltet" aussieht, zog im Standby nicht weniger als 10 Watt (zum Vergleich: eine andere, genauso alte Technics-Kompaktanlage hat im Energy Check 3000 einen Standby von 0,0). Das sind 0,24 kWh am Tag, ca. 88 kWh im Jahr, und das sind mehr als 20 EUR Stromverbrauch. Genauso viel hatte der HP-Netzwerkdrucker im Standby, noch mehr zog die ISDN-Anlage.

Nun ist zugegebenermaßen das Deaktivieren der Standbys der älteste und nächstliegende Tipp zu Stromsparen; trotzdem entwickelt man dabei ganz unerwartete Leidenschaft, wenn man erst einmal weiß, um welche Werte es dabei geht.

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Ein- und ausstecken nervt natürlich; irgendwann tut man es aus Bequemlichkeit doch nicht mehr, und die Stromuhr tickt wieder. Deshalb empfehle ich, Steckdosenleisten zu kaufen, bei denen die einzelnen Steckdosen schaltbar sind; die kann man dort aufstellen, wo man gut hinkommt - und dann jeweils das Gerät aktivieren, das man gerade braucht.

Foto: Brennenstuhl

Brennenstuhl hat etwa eine 5fach-Steckdosenleiste, bei der zwei Stecker extrabreiten Abstand haben, sodass man auch die heute so häufigen Schaltnetzteile unterbringen kann. Sie kostet im Internet unter 18 EUR, womit sie (wenn man damit dann konsequenter beim Abschalten ist) binnen eines Jahres die Investitionskosten wieder einspart.

Ein anderer Ansatz besteht darin, Stromfresser ganz aus der Wohnung zu werfen. Aber jetzt wird der Energy Check 3000 besonders wichtig, denn ansonsten erwischt es leicht die Unschuldigen.

Beispiel: Durch Presse und Internet wabert der Tipp, aus Umweltschutzgründen Kühlschränke zu eliminieren, die mehr als 10 Jahre alt sind. Meine Siemens Kühlgefrierkombination KG26E04 hat gerade den zwölften Geburtstag gefeiert und verbraucht knapp 300 kWh im Jahr (also 75 EUR). Ein modernes Gerät würde vielleicht 175 kWh im Jahr (also ca. 44 EUR) verbrauchen.

Bis sich der Wechsel rechnerisch amortisiert hätte, würden mindestens 15 Jahre verstreichen (womit das andere Gerät seine Lebensdauer erreicht hätte …). Schlimmer noch: Das alte Gerät müsste heute abtransportiert und recycelt, das neue hergestellt und hergebracht werden; die dabei entstehenden Energieverluste machen das Ganze auch ökologisch zur Farce. Merke: Ehe man den Kühlschrank o.ä. tauscht, lohnt ein Griff zum Energy Check.

Andererseits lassen sich so andere Energiefresser aufspüren, an die man zunächst gar nicht gedacht hätte. Mein 24-Zöller-TFT, der 5 Jahre alt war, hatte mehr als 70 Watt; sein Nachfolger aus diesem Jahr hat ungefähr 15 Watt im normalen Verbrauch und regelt sofort auf Dunkel (und 9 Watt) herunter, wenn ich kurz aufstehe.

Ebenso bei den Computern: Ein alter Testrechner (von 2005 glaube ich) zieht 120 Watt; mein Hauptrechner der letzten Jahre hatte um die 75 Watt. Beim neuen Exone zeigt das Messgerät 17 Watt an, 0 Watt im Standby. Da es bei Hardware (im Gegensatz zu Kühlschränken) bei neueren Geräten auch eine klar fühlbare Leistungssteigerung gibt, ist hier das Erneuern auch unbedingt sinnvoll.

Ziemlich viel brachte auch die Modernisierung der Telefonanlage. Dank IP-basierendem Anschluss konnte die ISDN-Anlage entsorgt werden, das seit Jahren unbenutzte Fax wurde genauso abgeklemmt wie Anrufbeantworter und ein überflüssiges Telefon. Die ansonsten sehr gute Fritzbox hat zwar immer noch einen lächerlich hohen Stromverbrauch von knapp 10 Watt (mit anderen Worten: von den 1,15 kWh pro Tag, die ich im Leerlauf messe, gehen 0,8 kWh auf den Kühlschrank, etwas mehr als 0,2 auf die Fritzbox, rund 0,1 auf alles andere wie Telefone, Radiowecker etc.), trotzdem hat diese Lösung den Grundverbrauch stark verringert.

Klassische Glühbirnen gibt es ja bekanntlich schon ein Weilchen nicht mehr. Viele Leute tun sich nach schlechten Erfahrungen mit billigen Energiesparlampen oder LED-Birnen schwer, hier modern aufzurüsten. Meine Erfahrung: Mit einer anständigen LED-Birne ist man gut bedient. Beispiel: Eine Philips 9,5-Watt-LED ersetzt eine 60 Watt-Glühbirne. Würde unsere Birne einen Tag lang durchleuchten, würde dies bereits 30 Cent sparen. Besagte Birne gibt es im Internet für 12 Euro, nach 40 Tagen durchleuchten (knapp 1000 Stunden) hätte man den Anschaffungspreis drinnen. Brennt das Licht aber nur eine Stunde am Tag, würde es pi-mal-Daumen drei Jahre zur Amortisierung dauern.

Foto: Philips

Bei dieser Birne ist das Licht sofort "da" (im Gegensatz zum LED-Glühkerzenersatz, den ich neulich im Drogeriemarkt kaufte und bei dem es immer einen Moment dauert, bis es hell ist). Gefühlt ist sie sogar heller als die vorherigen 60-Watt-Birnen. Töne gibt sie auch keine von sich. Komfortmäßig gibt es also keinerlei Einschränkung.

Die Frage ist natürlich, wie lange so eine LED-Lampe wirklich hält; könnte man den Herstellerangaben einfach blind vertrauen (in diesem Fall: 15.000 Stunden Leuchtdauer und 50.000 An/Abschalten), wäre es klar, dass man keinen Tag zögern sollte, die Wohnung auf LED-Technologie upzugraden. Es gibt indes noch einen zusätzlichen weiteren guten Grund: Das relativ häufige Kaputtgehen von Glühbirnen - oft mit Erschrecken verbunden, gelegentlich mit dem Herausfliegen der Sicherung - war immer nervig. Ein Wechsel auf LED spart also nicht nur mittelfristig Geld, sondern auch die Nerven.

Zusammengefasst würde ich empfehlen, zu (irgendeinem) günstigen, aber seriösen Stromanbieter zu wechseln (keine Vorkasse, nicht blenden lassen durch hohe Einmalzahlungen). Mit einem Leistungsmesser sollte man allzu schlimme Verbraucher aufspüren; handelt es sich um Standby-Geräte, lohnt die Investition in eine abschaltbare Steckdose.

Bei Geräten, die beim Laufen viel Strom verbrauchen, muss man sich fragen, ob Stromersparnis (und Geldersparnis) und/oder die zusätzliche Leistung ein Upgrade rechtfertigen. Bei ISDN-Anlagen und etwas älteren Computern würde ich dies so sehen. Ich halte es auch für sinnvoll, die Beleuchtung sofort auf LED umzustellen - wohlgemerkt aber auf gute LED-Lampen, denn die halten bekanntlich sehr lange, und wer will schon jahrelang mit langsam aufleuchtenden, zu dunklen und/oder pfeifenden Lampen leben? (Peter Riedlberger)

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