Südasien spürt Auswirkungen der Klimakrise

Hitzewelle in Südasien war durch den Klimawandel erheblich wahrscheinlicher geworden. Weizenernte betroffen

Die Hitzewelle, die seit Ende April Teile Indiens und Pakistan für die Jahreszeit ungewöhnlich hohe Temperaturen bescherte – hier kann man örtlich Temperaturdaten einsehen – war mit großer Wahrscheinlichkeit auf die globalen Klimaveränderungen zurückzuführen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die Anfang der Woche im Netz veröffentlicht wurde.

Durchgeführt hat sie das Projekt World Weather Attribution, eine Kooperation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Großbritannien, Frankreich, der Schweiz, den USA, den Niederlanden, Indien und dem Klimazentrum des Roten Kreuzes/Roten Halbmondes.

Attribution bedeutet Zuordnung. Das Ziel ist, markante Extremereignisse daraufhin zu untersuchen, ob sie als Teil der natürlichen Variabilität des Wetters angesehen werden können, oder dem Klimawandel zuzuschreiben sind.

Für die vorliegende Studie wurden die aktuellen und die historischen Beobachtungsdaten mit den Ergebnissen von verschiedenen Klimamodellen verglichen. An der Untersuchung waren zusätzlich Forscherinnen und Forscher aus Dänemark, Pakistan und Neuseeland beteiligt.

Demnach macht die globale Erwärmung ein Ereignis, wie die jetzige Hitzewelle etwa 30-mal wahrscheinlicher. In einer gegenüber dem vorindustriellen Niveau um 1,2 Grad Celsius erwärmten Erde, wie wir sie derzeit vorfinden, werden ähnliche Hitzewellen in der beobachteten Region – Pakistan und der Nordwesten Indiens – etwa alle 100 Jahre auftreten.

Die Hitzewelle hatte zu mindestens 90 Todesfällen geführt und in Indien die Weizenernte so stark beeinträchtigt, dass die Regierung in Neu-Delhi ein Ausfuhrverbot erlassen hat. Im Fiskaljahr 21/22, das im März zu Ende gegangen ist, hatte das Land noch die Rekordsumme von 7,85 Millionen Tonnen Weizen exportiert. Doch nun fällt es ausgerechnet in einer unter anderem durch den Ukraine-Krieg und Ernteausfälle im Iran angespannten Lage als Lieferant für den Weltmarkt aus.

Sowohl in Indien als auch in Pakistan ist es zudem in Folge der Hitzewelle zu schweren Waldbränden gekommen. In Norden Pakistans hat die Hitze außerdem zu einer besonders starken Schnee- und Gletscherschmelze verwandelt, die Bäche und Flüsse in reißende Ströme verwandelte, die Brücken wegrissen. (Wolfgang Pomrehn)