Südkorea: weltweit erstes 5G

Das Samsung Galaxy S10 5G. Bild: Samsung

Das Land erwartet sich von seiner Vorreiterrolle auch Vorteile für Unternehmen wie Hyundai und Samsung

Gestern Abend um 23 Uhr Ortszeit haben die südkoreanischen Provider SK Telecom, Korea Telecom (KT) und LG Uplus ihr bislang nur für einige Firmenkunden verfügbares 5G-Netz für Privatnutzer in Betrieb genommen. Die ersten Kunden sind Prominente wie K-Pop-Stars und prominente Sportler. Für die breite Masse der Bevölkerung soll das Netz ab Freitag zur Verfügung stehen, wenn Samsung mit dem Verkauf seines dafür ausgerichteten Galaxy S10 5G beginnt.

Eigentlich hatten die drei Provider geplant, bereits den Start des 5G-Angebots für Firmenkunden am 1. Dezember groß zu feiern, wurden davon aber durch den Brand einer KT-Schaltzentrale abgehalten, der zur Folge hatte, dass in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul eine sechsstellige Zahl von Kunden tagelang kein Netz hatte.

5G überträgt Daten etwa 20 Mal so schnell wie 4G (vgl. Die Technik hinter 5G: So funktioniert das neue Funknetz) und könnte dem Wirtschaftsforschungsinstitut KT EMRI nach bis 2025 1,5 und bis 2030 2,1 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt Südkoreas beitragen. Auch deshalb, weil sich das Netz nicht nur zur Nutzung von Unterhaltungsangeboten, sondern für die automatisierte Kommunikation zwischen Maschinen mit wechselndem Standort eignet - zum Beispiel für Logistikmodule (vgl. 5G für Roboter, Produktionsmaschinen, Logistiker und AR in der Industrie 4.0), Landmaschinen (vgl. 5G in der Landwirtschaft: Was Bauern mit dem neuen Mobilfunkstandard tun können) oder autonome Fahrzeuge, bei deren Entwicklung und Einführung 5G Südkorea einen wichtigen Vorteil verschafft (vgl. Vernetzte Autos: 5G für die Zukunft des Straßenverkehrs und Wundermittel 5G?).

"Arterien" einer neuen Wirtschaft

Park Jung Ho, der CEU der SK Telecom, bezeichnete die Netzverbindungen bei der Einführung von 5G für Firmenkunden als "Arterien" einer neuen Wirtschaft, die ein "Hirn" aus künstlicher Intelligenz versorgen und so ganz neue Technologien und Dienstleistungen entstehen lassen werden. Daran glaubt auch die südkoreanische Regierung, die die Entwicklung von 5G nicht nur steuerlich förderte, sondern die Provider auch zur Kooperation anhielt, um die zusammengerechneten Kosten zu senken.

Neben dem südkoreanischen Automobilhersteller Hyundai rechnet sich auch der IT-Riese Samsung durch den 5G-Vorsprung Vorteile auf dem Weltmarkt aus: Er will zukünftig nicht nur Endgeräte an Verbraucher, sondern auch Infrastrukturtechnologie verkaufen, die bislang noch vom schwedischen Ericsson-, vom finnischen Nokia- und vom chinesischen Huawei-Konzern geliefert wird. Dazu hat sich Samsung mit dem japanischen NEC-Konzern verbündet. Bis 2021 will das Bündnis auf einen Marktanteil von mindestens 20 Prozent kommen, bis Mitte der 2020er Jahre mindestens auf Platz drei der führenden Anbieter in diesem Bereich.

Verizon startet ebenfalls 5G - aber nur in Chicago und Minneapolis

Der Wille zum Vorsprung soll auch der Grund dafür gewesen sein, dass SK Telecom, KT und LG Uplus ihr 5G-Netz nicht erst wie geplant am Freitag, sondern schon am Mittwochabend aktivierten. Kurz darauf (und eine Woche früher als angekündigt) startete der amerikanische Provider Verizon nämlich seine 5G-Angebote. Die gibt es allerdings bislang nicht US-weit, sondern ausschließlich in den Metropolregionen Chicago und Minneapolis (vgl. Südkorea und USA: Kommerzielle 5G-Netze in Betrieb genommen).

In Deutschland sind bislang noch nicht einmal die 5G-Frequenzen versteigert (vgl. 5G-Auktion knackt Marke von zwei Milliarden). Das Land droht nicht nur hier, sondern auch in anderen Technologiebereichen immer weiter zurückzufallen (vgl. Merkels Bilanz und Deutschlands Abstieg und Telekom empfiehlt bei Empfangsproblemen Smartphoneumstellung auf 2G). Im World Digital Competitiveness Ranking rutschte es im letzten Jahr auf den jetzt 18. Platz ab, während sich Südkorea vom 19. Auf den 14. Platz hocharbeitete. Österreich, das sich von Platz 16 auf Platz 15 hocharbeitete, liegt nun knapp dahinter. Die Schweiz schaffte währenddessen einen Sprung von Platz acht auf Platz fünf. (Peter Mühlbauer)

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