Südkoreaner wollen im Unterschied zu Donald Trump eine diplomatische Lösung

Kim Jong-un pokert. Kann dies auch Donald Trump?

Eine Mehrheit hätte gerne Atomwaffen, Präsident Moon Jae-in hält davon nichts

Donald Trump wird Südkorea besuchen, bevor er nach China reist. Eines der zentralen Themen wird der Nordkorea-Konflikt sein. Offenbar scheint Trump auf eine zunächst geplante Provokation zu verzichten. Zwar wurden drei Flugzeugträger mit ihren Kampfverbänden zur koreanischen Halbinsel geschickt, um eine Drohkulisse aufzubauen, während der US-Präsident zu Besuch kommt, aber er geht nun nicht zur demilitarisierten Zone, angeblich aus Zeitgründen.

In einer Ende Oktober durchgeführten Umfrage von der Korea Times und Hankook Research sagten mehr als 90 Prozent der Südkoreaner, dass der Konflikt mit Nordkorea nicht militärisch, sondern friedlich und diplomatisch gelöst werden soll. Das scheint der Haltung von Trump diametral entgegengesetzt zu sein, denn der US-Präsident hat mehrfach geäußert, dass weiteres Reden nichts bewirken wird. Das dürfte heißen, er setzt entweder auf den Aufbau einer Drohkulisse oder tatsächlich auf eine militärische Intervention.

Das wäre auch nicht abwegig, wenn man die sinkenden Zustimmungswerte in den USA betrachtet. Kriege waren immer ein Patentmittel, um die nationale Einheit zu stärken und die Bürger hinter dem Präsidenten zu versammeln. Zuletzt hatte das George W. Bush eindrucksvoll nach 9/11 demonstriert. Der bis dahin ziemlich unbeliebte Präsident - wenn auch nicht so unbeliebt wie derzeit Trump -, war auch wegen seiner intellektuellen Unbedarftheit gehänselt worden. Mit den Anschlägen, dem Afghanistan-Krieg und dem sofort geplanten Irak-Krieg stieg aber die Zustimmung zu ihm sprunghaft an.

Die Südkoreaner sind verständlicherweise nicht für die Option eines Kriegs, denn sie wissen, wie gefährdet sie dann sind, zudem geht es ihnen um eine Wiedervereinigung, nicht um die Anstachelung eines geopolitischen Konflikts. Nur 8,4 Prozent sind für einen präventiven Angriff auf Nordkorea, ansonsten sind sie Südkoreaner gespalten, ob sie eher auf eine Verschärfung der Sanktionen oder auf einen Dialog setzen. Eine Mehrheit meint, Trump habe die Situation verschlechtert, aber Kim Jong-un wird die Hauptverantwortung dafür zugeschoben.

Den Amerikanern traut eine Mehrheit der Südkoreaner offenbar nicht. 54 Prozent sind dafür und 40 Prozent, dass Südkorea möglichst schnell die Befehlshoheit über das Militär in Kriegszeiten (OPCON) erhalten sollen. Derzeit hat die Befehlshoheit der amerikanische Kommandeur der in Südkorea stationierten US-Streitkräfte. Eigentlich hätte Südkorea OPCON schon 2012 erhalten sollen, aber die konservative Präsidentin Park Geun-hye verschob die Übergabe aufgrund der Bedrohung durch Nordkorea auf das nächste Jahrzehnt.

Eine Mehrheit steht weiterhin hinter dem neuen Präsidenten Moon Jae-in, der auch deswegen gewählt wurde, weil er eine diplomatische Lösung des Konflikts vorziehen wollte. Allerdings will eine Mehrheit auch nicht, dass Südkorea humanitäre Hilfe für Nordkorea leistet, was Moon vertreten hat, der mittlerweile auch angesichts der nordkoreanischen Drohungen mit Raketen und Atomwaffen einer stärker militärischen Aufrüstung zugestimmt hat.

In der Umfrage würden fast 60 Prozent dafür stimmen, dass auch Südkorea Atomwaffen haben soll. Nur 28 Prozent sagen, das sei zur Abschreckung nicht notwendig. Moon Jae-in gibt dem Druck vorerst nicht nach. Er sagte, in Südkorea würden weiterhin keine Atomwaffen entwickelt oder stationiert. Mal schauen, wie lange er dies durchhält. (Florian Rötzer)