Suhl: Täter Syrer, Opfer Afghane

Thüringens Ministerpräsident Ramelow plant nach Volkszugehörigkeit getrennte Unterbringung von Asylbewerbern

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag kam es in einer Asylbewerber-Erstaufnahmeeinrichtung im thüringischen Suhl zu Ausschreitungen, die erst durch ein Sondereinsatzkommando der Polizei beendet werden konnten. Inzwischen wurden mehr Details über den Vorfall bekannt.

Statt der anfangs gemeldeten 15 wurden 17 Personen durch die Randalierer verletzt - 11 Asylbewerber und sechs Polizisten. Eine Polizistin, der ein Asylbewerber mit einer Eisenstange gegen das Bein schlug, befindet sich noch immer im Krankenhaus. Nach Angaben der thüringischen Polizei gegenüber Telepolis wurde bislang noch kein Tatverdächtiger in Untersuchungshaft genommen. Aktuell werde (unter anderem anhand privater Videoaufnahmen) "geprüft, welche Tatverdächtigen in welchem Umfang die Tatbestände des Landfriedensbruchs, der Körperverletzung und der Sachbeschädigung erfüllt haben".

Der thüringische Integrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) hatte gestern nicht von Landfriedensbruch, sondern von "versuchter Lynchjustiz" gesprochen. Für diese Einschätzung sprechen Tatschilderungen, nach denen eine etwa zwanzigköpfige Tätergruppe versuchte, die Wachstube des privaten Sicherheitsdienstes zu stürmen, in die sich ihr erstes Opfer geflüchtet hatten. Inzwischen ist bekannt, dass es sich bei dem Opfer um einen 25-jährigen Afghanen handelt, dem seine Verfolger vorwarfen, er habe Seiten aus einem Koran gerissen und in eine Toilette geworfen. Während seiner polizeilichen Vernehmung gab der Mann gestern Nachmittag an, das tatsächlich gemacht zu haben.

Bei den etwa 20 Verfolgern soll es sich um Syrer gehandelt haben. Über die Nationalität der nach Angaben der Polizei mehr als 100 Personen, die sich in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag unter "Allahu-Akbar"-Gebrüll an Steinwürfen auf Polizisten, Zerstörungen, Brandstiftungen und Attacken auf andere Asylbewerber beteiligten, ist noch nichts näheres bekannt.

Als Rädelsführer der Ausschreitungen, die vor knapp drei Wochen in der Unterkunft stattfanden, hat die Polizei dagegen 20 Albaner ermittelt. Sie sollen andere Insassen auch nach der Krawallnacht noch geschlagen und massiv bedroht haben. Ihre Opfer waren unter anderem Eritreer. Angesichts der sich wiederholenden Auseinandersetzungen kündigte der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) gestern an, Asylbewerber künftig ethnisch getrennt unterbringen zu wollen.

Ein von einem Mitarbeiter des Mitteldeutschen Rundfunk hergestelltes Video der Vorgänge in der Nacht auf den 20. August, in dem unter anderem zu sehen ist, wie ein Asylbewerber den Kameramann mit einer Metallstange attackiert, wurde mittlerweile von der Website des gebührenfinanzierten Senders entfernt. Eine Begründung dafür blieb der MDR bislang schuldig. Kopien des Beitrags auf YouTube lässt er mit Verweis auf sein Monopolrecht sperren. (Peter Mühlbauer)

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