Syrien: Die Offensive der Regierung zur Rückeroberung des Südens

Al-Bukamal (auch: Albu Kamal). Foto (2017): Basim dj1986 / CC BY-SA 4.0

Der US-Koalition wird ein Luftangriff im Südwesten bei al-Bukamal auf schiitische Milizen aus dem Irak vorgeworfen, die mit der syrischen Regierung verbunden sind

Beobachter der Lage in Syrien wie der französische Journalist Wassim Nasr fürchten, dass sich im Süden des Landes neue kriegerische Auseinandersetzungen anbahnen. Anlass für Ausführungen Nasrs beim Sender France 24, die das Risiko ansprechen, wonach die Situation für die im Südosten Syriens agierenden französischen Eliteeinheiten kippen kann, sind Luftangriffe bei al-Bukamal, die am vergangenen Sonntag für Aufsehen sorgten.

Vorgeschichte

Was da genau stattgefunden hat, wusste auch Nasr nicht zu sagen. Er begnügte sich mit dem Hinweis, dass die von den USA geführte Koalition bereits mehrere Angriffe auf Stellungen von syrischen Regierungstruppen bzw. auf verbündete Milizen ausgeführt habe - angefangen mit dem als "versehentlich bezeichneten Angriff" auf syrische Truppen in Deir-Ezzor im September 2016, über den Tomahawk-Angriff auf den Militärflughafen Shairat, die Angriffe bei al-Tanf im Sommer vergangenen Jahres, bis zu den völkerrechtswidrigen "Vergeltungs-Angriffen" im April dieses Jahres.

Also wäre es durchaus möglich, so Nasr, dass die US-Koalition Angriffe am vergangenen Sonntag auf mit Syrien verbündete Milizen bei al-Bukamal (auch: Albu Kamal) geflogen ist. Die syrische Nachrichtenagentur Sana erhob diesen Vorwurf. Als verantwortlich für Angriffe auf Stellungen der syrischen Armee in al-Hiri, südöstlich von al-Bukamal bezeichnete sie die US geführte Koalition. Festgestellt wird, dass es Martyrer und Verletzte gab, aber keine genauen Zahlenangaben.

Vorteile für den IS

Hinzugefügt wird der Meldung, dass der Angriff zu einem Zeitpunkt stattfand, an dem die syrische Armee und ihre Verbündeten im Südosten des Landes ein weiträumiges Gebiet, eine wichtige Achse und Orte vom IS befreit habe. Auch dass der Angriff dem IS zugute kam, wird erwähnt - mit dem Vorwurf der absichtlichen Unterstützung des IS.

Auch die russische Nachrichtenagentur Tass erwähnt in einer aktuellen Meldung, dass der IS dort noch immer vergleichsweise stark vertreten ist.

Israel?

CNN berichtet, dass ein US-Vertreter dem Sender zugesteckt habe, dass Israel für den Angriff auf die mit der Regierung in Damaskus befreundeten Milizen bei al-Bukamal verantwortlich sein soll. Dem wird hinzugefügt, dass die israelischen Streitkräfte dazu wie üblich keine Aussagen machen - und dass der Angriff auf eine nicht übliche Region erfolgte. Üblicherweise seien die Ziele aber eher im Südwesten Syriens.

Einem Bericht der Publikation The National aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zufolge dementierte Major Josh Jacques, ein Sprecher des US Central Command, dass die USA oder ein Mitglied ihrer Anti-IS-Koalition etwas mit dem Angriff an der syrisch-irakischen Grenze zu tun habe.

Schiitische Milizen aus dem Irak

Nach Informationen der Publikation wurden Mitglieder von Milizen der irakischen PMU, die mit Iran verbunden sind, sowie Mitglieder der syrischen Armee getroffen. Nach Aussagen einer ungenannten Quelle aus irakischen Sicherheitskreisen wurden südlich von al-Hiri 60 Personen zum Teil verletzt und getötet. Die meisten Getöteten würden Mitglieder der irakischen Hizbollah-Brigaden sein, die zusammen mit syrischen Milizen kämpfen.

Wie aus der Publikation al-Masdar News, die der Regierung in Damaskus nahe steht, zu erfahren ist - wie auch in einer deutschsprachigen Veröffentlichung -, stehen die syrische Regierungstruppen und ihre Verbündeten offensichtlich am Anfang einer größeren Offensive im Süden Syriens, die Gebiete sowohl im Südwesten wie im Südosten zurückerobern will.

"Die Situation kann kippen"

Auf den Südwesten richtet Israel wegen der Grenznähe ein besonderes Augenmerk, der Südosten ist für die USA wegen der Verhinderung des "iranischen Korridors" und damit verbundener strategischer Konsequenzen von Bedeutung. Für Syrien ist dieses Gebiet wegen des Handels mit Irak sehr wichtig.

Geht es nach Informationen des anfänglich erwähnten französischen Journalisten Wassim Nasr, so ist es der syrischen Regierung gelungen, Stammesführer im Südosten aus dem SDF-Bündnis, das von den Kurden dominiert wird und mit den USA kooperiert, auf seine Seite zu bringen. Bislang konnten sich die französischen Spezialtruppen, die mit den SDF kooperieren, darauf verlassen, dass sie im äußersten Südosten Syriens auf "freundschaftlich gesinntem Gebiet" sind. Das könne sich aber ändern, warnt Nasr. (Thomas Pany)